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Berlin³ US-Truppenabzug – Trumps transatlantische Trampelei

Bayern, Hohenfels: US-Soldaten stehen auf dem Truppenübungsplatz vor einem Stryker-Panzer
Bayern, Hohenfels: US-Soldaten stehen auf dem Truppenübungsplatz vor einem Stryker-Panzer
© Armin Weigel / DPA
US-Präsident Donald Trump will einen Teil der amerikanischen Truppen aus Deutschland abziehen. Das ist eine eigenwillige Form von Erpressung.

Die Bundesverteidigungsministerin weiß von nichts. Der Nato-Generalsekretär pflegt Spekulationen nicht zu kommentieren. Immerhin: Zumindest Peter Beyer, der deutsche Koordinator für transatlantische Beziehungen, ordnet die jüngsten Pläne von US-Präsident Donald Trump in ihrer Dimension schon mal im Konjunktiv ein. Beyer sagte, die von Trump offensichtlich geplante Reduzierung der amerikanischen Truppen auf deutschem Boden um annähernd ein Drittel würde "die Säulen der transatlantischen Beziehungen erschüttern".

Würde? Das ist zurückhaltend formuliert. Denn Trump trampelt bereits jetzt nach Kräften auf dem transatlantischen Bündnis herum. Allein sein obskurer Umgang mit dieser strategischen Entscheidung treibt weitere Risse in die Nato. Was immer den US-Präsidenten dabei geritten haben mag – der anhaltende Ärger über die knauserigen Deutschen, die sich aus seiner Sicht nicht ausreichend an der Finanzierung des Militärbündnisses beteiligen, oder der aktuelle Ärger über Merkels Absage an Trumps geplantem G7-Gipfel –, eines ist klar: Der US-Präsident ist an einer verlässlichen, stabilen Beziehung zu Deutschland oder Europa nicht interessiert. Im Gegenteil: Er zertrümmert lieber gewachsene Strukturen, um das transatlantische Verhältnis nach seinen Bedingungen neu zu verhandeln.

Der Abzug von 9500 Soldaten auf eine Truppenstärke von dann 25.000 aber kann bestenfalls jener Ami-Go-Home-Fraktion gefallen, die seit jeher wenig von einer Stationierung von US-Soldaten auf dem Territorium der Bundesrepublik gehalten hat. Übersehen wurde dabei geflissentlich, dass ein militärisches Gleichgewicht auf dem europäischen Kontinent insbesondere in den letzten drei Jahrzehnten zu einer weitgehend geräuschlosen Befriedung beigetragen hat. Sollte Trump tatsächlich in Erwägung ziehen, die aus Deutschland abziehenden Soldaten in Polen zu stationieren – und damit näher an der Grenze zu Russland – würde unnötigerweise ein neuer Konfliktherd entstehen.

Schön ist das nicht. Kurzfristig bleibt der Bundesregierung nur die Option, auf eine kurze Restlaufzeit Trumps im Weißen Haus zu hoffen. Fünf Monate sind es noch bis zu den Präsidentschaftswahlen in den USA, mit ein bisschen Glück ist dann das Schlimmste vorbei.

Falls nicht, bleibt immerhin die Erkenntnis, dass man es mit einem eigentümlichen Erpresser im Weißen Haus zu tun hat: Ein US-Präsident, der die Gepflogenheiten in der Nato durch sein eigenes Handeln für obsolet erklärt. Man sollte das zur Justierung der eigenen Sicherheitspolitik nutzen.

Man täusche sich nicht: Die Episode Trump – ob sie nun vier oder acht Jahre dauert – wird Spuren hinterlassen im transatlantischen Verhältnis. So wie es mal war, wird es nicht mehr werden. SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich prognostizierte bereits, dass die Abzugspläne der USA zu einer "nachhaltigen Neuausrichtung der Sicherheitspolitik in Europa" führen könnten. Europa müsse sich stärker auf sich selbst besinnen. Das mag all jenen auf den ersten Blick gefallen, denen die Vormachtstellung der USA seit jeher zu groß war. Ihnen muss aber auf der anderen Seite auch klar sein: Billiger wird solch ein neues Selbstbewusstsein nicht.


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