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Gysi-Jagd im Bundestag "Das war ein klarer Übergriff"


Bis auf die Bundestagstoilette wurde er verfolgt: Linken-Fraktionschef Gregor Gysi sieht sich durch den Vorfall mit zwei Israel-Kritikern in seiner Privatsphäre bedroht: "Die Stimmung war aggressiv."

Nachdem Gregor Gysi in einem Bundestagsgebäude von dem Israel-Kritiker David Sheen bedrängt wurde, fühlt sich der Linksfraktionschef in seiner Entscheidung bestätigt, eine Fraktionsveranstaltung mit dem Journalisten und einem weiteren Israel-Kritiker abzusagen.

"Das war ein klarer Übergriff auf meine Privatsphäre", kommentierte Gysi in der Bild-Zeitung den Vorfall. "Ich fühle mich bestätigt, dass man unter solchen Bedingungen nicht reden kann. Außerdem darf mich niemand zu Gesprächen zwingen, die ich nicht führen will. Die Stimmung war aggressiv."

Die Linksfraktion verurteilte das Vorgehen der Journalisten. "Wer uns oder unsere Genossen so feindselig behandelt wie an diesem 10.11., mit dem werden wir nicht kooperieren", hieß es in einer Erklärung vom Dienstag. Die drei Abgeordneten, die die Reporter eingeladen hatten, entschuldigten sich demnach bei Gysi.

Sheen hatte Gysi am Montag vor dessen Büro aufgelauert, und war ihm mit einer Kamera bis auf die Toilette gefolgt. Der Journalist warf ihm vor, ihn öffentlich als Antisemiten bezeichnet zu haben. In Israel sei nun sein Leben bedroht. Das Video wurde anschließend bei Youtube im Internet veröffentlicht.

"Wir wollen daraus keine Staatsaffäre machen"

Sheen stammt aus Kanada, lebt und arbeitet aber seit vielen Jahren in Israel. An der Aktion war auch ein weiterer Israel-kritischer Journalist aus den USA beteiligt. Die beiden waren von drei Abgeordneten der Linksfraktion zu einem Fachgespräch über den Nahost-Konflikt nach Berlin eingeladen worden. Der Fraktionsvorstand lehnte es allerdings ab, dieses Gespräch zu einer Fraktionsveranstaltung zu machen. Begründung: Die Zusammensetzung der Teilnehmer sei zu einseitig.

Gysi weist den Vorwurf zurück, er habe den in Israel lebenden Sheen als Antisemiten bezeichnet. Der Linksfraktionschef will aber auch keine Anzeige erstatten. "Wir wollen daraus keine Staatsaffäre machen", hieß es aus seinem Umfeld. Gysi selbst reagierte am Dienstag auf Nachfrage mit Humor auf den Vorfall: "Ich werde Sie über meine Klo-Besuche nicht unterrichten", sagte er bei einem Pressestatement vor der Fraktionssitzung.


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