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Verkehrsausschuss befragt Bahn-Chef "Wir erwarten Antworten"


"Zu heiß, zu kalt, zu spät - die Bahn", mokierten sich Kritiker in den letzten Wochen über das miserable DB-Krisenmanagement. Heute steht Bahn-Chef Grube den Obleuten des Verkehrsausschusses Rede und Antwort zum Hitze-Chaos der vergangenen Wochen.
Von Theresa Breuer

Klimaanlagen fielen aus, Menschen kollabierten in völlig überhitzten Zügen. Erst sprach die Deutsche Bahn von Einzelfällen, doch schon bald stellte sich heraus, dass mehrere hundert Passagiere von dem Hitze-Chaos betroffen waren. Darüber hinaus wurde publik, dass die Klimaanlagen der Bahn überhaupt nicht dafür konstruiert sind, Temperaturen über 32 Grad standzuhalten. Über die Ursachen des Debakels und konkrete Wiedergutmachung schwieg sich die Bahn lange aus. Das DB-Krisenmanagement - ein einziges PR-Desaster.

Jetzt soll es endlich Antworten geben. Auf Antrag der Linkspartei kommen heute die Obmänner und -frauen des Verkehrsausschusses zusammen, um mit Verkehrsminister Peter Ramsauer und Bahnvorständen über die Vorfälle der letzten Wochen zu sprechen. Winfried Hermann, Grünen-Politiker und Vorsitzender des Verkehrsausschusses sagte stern.de: "Zunächst werden uns Bahn-Chef Grube und der Vorstand des Personenverkehrs, Ulrich Homburg, darüber aufklären, was die Ursachen für die Probleme bei der Deutschen Bahn AG waren. Und sie werden uns auch berichten, was jetzt getan werden muss, um die Probleme, wie zum Beispiel den Ausfall der Klimaanlagen, zu beheben."

Die Obleute beschäftigen vor allem drei Fragen: Wie konnte es zu dem Hitzchaos kommen, wie werden die Betroffenen Fahrgäste entschädigt, und wie wird die Bahn solche Pannen künftig vermeiden? Hermann verspricht, ein "zielführendes Gespräch" zu moderieren.

Obleute wünschen sich mehr Transparenz

Was die Obleute bisher am meisten vermisst haben, ist Offenheit von Seiten der Deutschen Bahn. "Ich wünsche mir, dass die Bahn in Zukunft transparenter mit dem Thema Wartung umgeht. So ließe sich auch endlich der Vorwurf aus dem Weg räumen, dass die Bahn seit der Privatisierung an der Wartung spart" sagt Thomas Jarzombek, CDU-Abgeordneter und Mitglied des Verkehrsausschusses zu stern.de. FDP-Obmann Patrick Döring will außerdem wissen, welche Lehren das Unternehmen aus den Vorfällen der letzten Wochen ziehen wird: "Wir müssen klären, ob die Schulungen bei der Bahn verbessert werden können, so dass Bahn-Mitarbeiter künftig eigenständig Entscheidungen treffen können, ob sie beim Ausfall der Klimaanlage etwa einen Zug anhalten oder nicht." In den letzten Wochen war mehrfach kritisiert worden, dass das Zugpersonal heillos überfordert mit der Situation in überhitzten Zügen war.

Noch vor dem Treffen ist die Bahn einen Schritt auf ihre Kritiker zugegangen. Am Mittwoch verkündete sie, dass sie den Opfern der Hitzepannen ein Schmerzensgeld von 500 Euro zahlen wird. Zuvor hatte die DB den geschädigten Fahrgästen bloß Reisegutscheine versprochen. "Durch die Ausfälle der Klimaanlagen ist ein erheblicher Imageschaden für die Bahn entstanden. Deshalb ist es wichtig, dass die DB AG sich wenigstens bei den Entschädigungen kulant zeigt", meint Hermann. SPD-Obmann Uwe Beckmeyer pflichtet ihm bei: "Die 500 Euro für betroffene Fahrgäste sind auf jeden Fall eine ordentliche Geste und allemal besser, als den Leuten Gutscheine in die Hand zu drücken." Einigen geht aber auch dieser Schritt noch nicht weit genug: "Wenn eine schwangere Frau aufgrund der Hitze nicht mehr richtig Luft bekommt und in ihrer Panik versucht, die Scheibe einzuschlagen, sind 500 Euro unangemessen. Die Bahn sollte sich dann eher am Einzelfall orientieren und keine Pauschallösung anbieten", meint Bettina Herlitzius, Obfrau der Grünen im Verkehrsausschuss.

Pro Bahn: Auch die Politik muss aktiv werden

Der allgemeine Druck auf die Bahn wird auch vom Fahrgastverband Pro Bahn begrüßt. Trotzdem müsse die Politik auch selbst aktiv werden: "Es geht nicht, dass man jetzt ankündigt, 500 Millionen Dividende von der Bahn einbehalten zu wollen. Das ist höchst kontraproduktiv, denn so muss die Bahn noch mehr sparen, womöglich wieder am falschen Ende", sagte Karl-Peter Naumann, Vorsitzender von Pro Bahn, zu stern.de.

Mitarbeit: Christoph Cöln

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