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Versuchte Bahn-Anschläge: Hamad und El Hajdib waren nicht allein

Die beiden mutmaßlichen Bahnbomber Dschihad Hamad und Mohamad El Hajdib haben die Anschläge offenbar nicht allein geplant: Einem Medienbericht zufolge ermittelt die Staatsanwaltschaft nun gegen sieben weitere Verdächtige.

Im Zusammenhang mit den versuchten Bombenanschlägen auf Nahverkehrszüge ermittelt die Bundesanwaltschaft nach Informationen der "Bild"-Zeitung gegen zwei weitere namentlich bekannte Personen. Ihnen werde Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Außerdem wird nach fünf weiteren namentlich noch unbekannten Personen gesucht, die mit den Anschlägen in Verbindung stehen sollen.

Die beiden bereits gefassten mutmaßlichen Bahn-Bombenleger haben sich nach einem Zeitungsbericht nicht im Libanon, sondern erst in Deutschland kennen gelernt. Dies soll der Kieler Terrorverdächtige Youssef Mohamad El Hajdib (21) in der Haft ausgesagt haben, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Wie das Blatt weiter berichtet, hat der am Samstag in Kiel festgenommene El Hajdib auf Anraten seiner Anwälte bisher keine Aussage zur Sache gemacht.

Wie der Zeitung aus Ermittlerkreisen bekannt wurde, soll der 21-jährige Terrorverdächtige Mitte der Woche vom Bundeskriminalamt (BKA) dringlich gebeten worden sein, sein Wissen über den Komplizen preiszugeben, der zu diesem Zeitpunkt noch flüchtig war. El Hajdib soll dann in einem Schreiben einige Angaben über die Herkunft des mutmaßlichen Mittäters Jihad Hamad (20) gemacht haben. Diese seien an die libanesischen Sicherheitskräfte weitergeleitet worden, die nach Hamad fahndeten. Der 20-Jährige stellte sich am Donnerstag im Libanon.

Die beiden Männer werden verdächtigt, am 31. Juli zusammen mit El Hajdib Kofferbomben in zwei Regionalzügen in Nordrhein-Westfalen deponiert zu haben. Nur wegen technischen Versagens kam es nicht zur Explosion.

Deutsche Ermittler befragen Hamad im Libanon

Nach Angaben aus Beiruter Sicherheitskreisen darf Hamad von deutschen Ermittlern befragt werden. Deutsche Beamte seien bereits im Libanon und würden über die bisherigen Verhöre unterrichtet, hieß es am Donnerstagabend.

"Wir sind sehr zuversichtlich, dass er sein Schweigen brechen wird und dass wir heute Mittag schlauer sein werden", sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke im ARD-"Morgenmagazin". Die Vernehmung des Verdächtigen in Beirut im Beisein eines Bundesanwaltes und von BKA-Beamten werde am Vormittag beginnen. Medienberichten über eine Teilaussage könne er nicht bestätigen.

Die deutschen Behördenvertreter werden nach den Worten Zierckes sofort einschreiten, wenn bei den Vernehmungen Druck auf den mutmaßlichen Terroristen Jihad Hamad ausgeübt werde. "Folter darf es nicht geben", sagte Ziercke. Er rechne aber auch nicht mit derartigen Verhörmethoden durch die libanesische Kriminalpolizei.

Anruf brachte Hamad in Bedrängnis

Den Angaben zufolge waren die Libanesen dem 20-Jährigen auf die Spur gekommen, als er vor zwei Wochen von Deutschland aus seine Familie im Libanon anrief. Hamads Vater, ein ehemaliger Armeesoldat, sei von der Polizei aufgefordert worden, seinen Sohn zur Aufgabe zu überreden.

Der Vater sagte, sein Sohn sei kein religiöser Extremist und habe keine radikalen politischen Überzeugungen. "Er hatte keine Freunde, die politisch aktiv waren, (...) und er hatte auch keinerlei Verbindung zur (radikal-islamischen) Hizb ut-Tahrir", sagte Shahid Hamad. Sein Sohn sei am 3. oder 4. August in den Libanon zurückgekehrt. Als die Familie von dem Terrorverdacht erfuhr, habe sie entschieden, dass sich der junge Mann stellen müsse.

DPA / DPA