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Vorstandsposten für Ex-Kanzleramtsminister Pofalla wollte schon seit Langem zur Bahn


Er wolle eine Familie gründen und mehr Zeit für seine Lebenspartnerin haben, erklärte Ronald Pofalla seinen Abgang aus dem Kanzleramt. Doch schon damals hatte er den Chefposten bei der Bahn im Visier.
Von Hans Peter Schütz

Der frühere Kanzleramtsminister Ronald Pofalla befand sich offenbar seit Längerem auf dem Weg, im Vorstand der Deutschen Bahn künftiger Cheflobbyist für den Bereich Politik zu werden und damit ein Vielfaches seines bisherigen Gehalts im Kanzleramt (rund 200.000 Euro) zu verdienen. Schon vor mehr als einem halben Jahr redete er in internen Gesprächen vom möglichen Wechsel zur Bahn, wie stern.de aus zuverlässiger Quelle erfuhr.

Pofalla will und soll nach dem Willen des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, dort den ehemaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Georg Brunnhuber ersetzen. Brunnhuber hatte seinen bisherigen Vertrag eigentlich bereits zum Jahreswechsel aufgeben wollen. Da jedoch auch eine Woche vor Weihnachten noch keine Entscheidung in Bezug auf die Personalie Pofalla im Vorstand gefallen war, verpflichtete sich Brunnhuber gegenüber Grube, sein Mandat um ein Vierteljahr zu verlängern, für den Fall, dass bis dahin noch kein geeigneter Nachfolger gefunden worden sei.

"Pofalla ist sehr daran interessiert"

Pofalla hatte da nach stern.de-Informationen längst sein Interesse an dem Posten des Bahn-Cheflobbyisten bekundet. Denn Brunnhuber hatte schon im Spätsommer 2013 einem guten Bekannten aus der CDU Baden-Württembergs mitgeteilt, dass er altershalber den Job bei der Bahn gerne aufgeben möchte. Auf die Frage, ob es denn bereits einen Nachfolger gebe, antwortete Brunnhuber schon damals seinem Gesprächspartner: "Ja, der Kanzleramtsminister Pofalla ist sehr daran interessiert.“ Der habe für sich mit den Worten geworben, bessere Kontakte zur politischen Führung als er könne wohl kaum jemand aufweisen. Es sei ja auch so, dass ohne enge Absprache zwischen der Politik und dem Staatskonzern Deutsche Bahn keine Entscheidungen getroffen werden könnten. Und seine Kontakte zu Grube seien ja auch exzellent.

Schon damals sei Pofalla zum Abschied aus der Politik entschlossen gewesen, sagte der stern.de-Gesprächspartner. Brunnhuber wiederum habe bestätigt, dass die Bahn als Staatskonzern auf herausragende Kontakte zur Politik angewiesen sei. Brunnhuber erklärte im Gespräch mit stern.de, dass er Pofalla für eine sehr gute Besetzung im Amt des politischen Lobbyisten halte. Der ehemalige Kanzleramtsminister könne jederzeit "die Chefin Merkel“ anrufen und bei schwierigen, die Bahn betreffenden Fragen um Entscheidungshilfe bitten.

Pofalla selbst hatte betont, dass er aus privaten Gründen - er wolle eine Familie Gründen und mehr Zeit für seine Lebensgefährtin haben - aus der Politik ausscheidet. Das stünde im Widerspruch zu seinem bisherigen Vorhaben, weiterhin Bundestagsabgeordneter zu bleiben, wenn er zudem künftig auch noch in der Chefetage der Bahn sitzt.

Grube offenbar für "Auszeit" Pofallas

Wann im Bahnvorstand die Entscheidung fällt, für Pofalla einen angemessenen Posten in dem Führungsgremium zu schaffen und womöglich mit den für Bahnvorstände üblichen Millionengehalt zu besolden, ist noch offen. Brunnhuber selbst hatte kein Vorstandsmandat, er fungierte als Beauftragter des Gremiums.

Brunnhuber sagte, dass er zu einer nochmaligen Verlängerung seines Vertrages um ein Vierteljahr bereit sei, wenn die Pofalla-Frage im Vorstand nicht rechtzeitig genug entschieden sei. Dabei soll es um die Verlängerung der "Auszeit“ zwischen den Jobs im Kanzleramt und der Bahnzentrale gehen. Das halte Grube aus politischen Gründen für notwendig. Ein Wechsel von Haus zu Haus werde dann vermutlich weniger kritisch kommentiert werden.

Welche Rolle für Pofalla das gute Gehalt als Bahn-Cheflobbyist spielt, ist ungewiss. Es wird auf 1,3 bis 1,8 Millionen Euro im Jahr geschätzt. Bei der Bahn wird gegenüber stern.de darauf hingewiesen, dass die Gehälter seit Langem so hoch seien. So habe etwa der ehemalige bayerische Wirtschaftsminister Otto Wiesheu, der 2003 für zehn Jahre einen "Regionalverkehrsvertrag“ abgeschlossen hatte, dafür samt Zulagen etwa zwischen 700.000 und 800.000 Euro kassiert.


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