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Gerüchte um Nachfolge: Was will Merkel damit sagen? Ein ungelenker Satz der Kanzlerin sorgt für Spekulationen

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich in einem Interview - wenn auch kryptisch - über ihre mögliche Nachfolge geäußert. Ein Satz sorgt besonders für Spekulationen: Bereitet die CDU-Chefin ihren Abgang vor? 

Was will Angela Merkel damit sagen? Ein ungelenker Satz der Kanzlerin sorgt für Spekulationen

Die Landtagswahl in Hessen im Blick: Bundeskanzlerin Angela Merkel

DPA

"Alle Versuche, dass diejenigen, die heute oder in der Vergangenheit tätig waren, ihre Nachfolge bestimmen wollen, sind immer total schiefgegangen. Und das ist auch richtig so."

Dieser etwas ungelenke Satz von Bundeskanzlerin Angela Merkel wirft derzeit Fragezeichen auf. Er fiel in einem Interview mit dem Hessischen Rundfunk, kurz vor der bundespolitisch aufgeladenen Landtagswahl in Hessen am Sonntag. In einer Zeit, in der ihre Regierung - die Große Koalition - in den Umfragen immer weiter an Zustimmung verliert. Und schon ein Raunen über die Zeit nach Merkel wahrzunehmen ist.

Wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, aufzuhören? Diese Frage hat die Bundeskanzlerin, nun knapp 13 Jahre im Amt, mit jenem Satz beantwortet. "Merkel gibt Rennen um Nachfolge frei", ruft die "Bild"-Zeitung daraufhin aus. Der "Tagesspiegel" schreibt: "Merkel will ihre Nachfolge nicht selbst regeln".

In der Tat: Die normalerweise wortkarge Bundeskanzlerin gibt in diesen bundespolitisch brisanten Tagen zumindest einen Einblick in ihre Gedankenwelt - und, womöglich, in eine Zukunft ohne sie an der Spitze.

Angela Merkel hat einst die Zukunft der CDU in die Hand genommen - und Kohls Rücktritt gefordert

"Wichtig war mir immer (...), dass diejenigen, die etwas Herausragendes leisten (...), auch die Möglichkeiten haben zu zeigen, was in ihnen steckt", sagt die CDU-Parteichefin in dem Interview. Man habe im CDU-Kader "ein tolles Angebot" und und ihr sei mit Blick auf die Zukunft "gar nicht bange". Vorher zählt sie unter anderem NRW-Ministerpräsident Armin Laschet und CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer auf, beide Vertraute der Bundeskanzlerin. Beiden wird nachgesagt, sie könnten irgendwann auf Merkel folgen. Darüber hinaus vertrete Merkel die Überzeugung, "dass Parteien ihr Schicksal in die Hand nehmen müssen".

Ein Aufruf, den Wahlkampf um ihren Posten zu starten?

Vielleicht. Denn, auch darauf weisen die Fragesteller des Hessischen Rundfunks hin, Merkel hat einst selbst das Schicksal der CDU in die Hand genommen. Sie war damals CDU-Generalsekretärin unter Parteichef und (Ex-)Bundeskanzler Helmut Kohl. Und forderte seinen Rücktritt. "Das war ja eine ganz andere Situation, die wir damals hatten", sagt Merkel in dem Gespräch. Die CDU sei in der Opposition gewesen, Kohl "von der Bevölkerung als Bundeskanzler abgewählt worden", es gab die Spendenaffäre und die "Glaubwürdigkeit (...) einer ganzen Partei stand auf dem Spiel". Sie habe damals "etwas getan, was mir wichtig erschien für die Zukunft der CDU". Dass das richtig gewesen sei, zeige unter anderem die lange Regierungsbeteiligung der CDU seit der Ablösung von Gerhard Schröder (SPD) - sprich: Merkels Kanzlerschaft.

Warum die Hessen-Wahl bundespolitisch aufgeladen ist

Am kommenden Sonntag wählt Hessen einen neuen Landtag. Die Wahl wird nach der herben Wahlschlappe in Bayern mit Spannung erwartet. CDU und SPD drohen herbe Verluste, womöglich könnte die schwarz-grüne Regierung unter CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier abgewählt werden und einer rot-grün-roten weichen. Merkel und Bouffier warnen daher vor "linken Experimenten" in einer möglichen Landesregierung aus SPD, Linken und Grünen. SPD-Chefin Nahles wies dies als "gezielten Versuch einer Angst-Kampagne" zurück.

Nichtsdestotrotz: Sollte die CDU erneut eine Wahlschlappe erleben, könnte es für ihre Parteichefin Angela Merkel eng werden. Anfang Dezember wählt die Partei ihre(n) neue(n) Vorsitzende(n). Eine Niederlage Merkels wäre nicht auszuschließen - und das Ende ihrer Kanzlerschaft wäre plötzlich ein realistisches Szenario: Merkel vertritt die Ansicht, dass Parteivorsitz und das Kanzleramt zusammengehören.

fs