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Zapfenstreich für Köhler: Von der Einsamkeit des Präsidenten

Horst Köhler hatte Herzensthemen - Afrika, Bildung, Integration. Aber er wandelte sich nie zum "political animal". So geriet der Bundespräsident in die Isolation. Ein Abschied.

Von Axel Vornbäumen

Er war der Präsident. Er hätte es auch noch bleiben können. Doch am Ende war Horst Köhler einsam in Bellevue. Unverstanden fühlte sich der Mann, der "offen sein wollte und notfalls unbequem" und doch von seinem Amtsantritt an mit den ungeschriebenen Regeln des Parteienstaates haderte. Mal mehr. Mal weniger. Heute Abend, Punkt 22 Uhr, erhält er seinen Zapfenstreich, so wie alle seine scheidenden Vorgänger vor ihm. Nur Gustav Heinemann hat seinerzeit darauf verzichtet. Er hatte es nicht so mit der Bundeswehr.

Im politischen Berlin ist man einigermaßen erleichtert, dass Köhler damit eine halberlei akzeptable Abschiedsvariante wählt. Alles andere hätte arg nach Flucht ausgesehen. Dass Köhler das Amt beschädigt hat mit seinem überraschenden Rückzug "mit sofortiger Wirkung" vor zwei Wochen, ist gängiges Urteil. Viel ist seitdem spekuliert worden, was die wahren Motive des Mannes waren, der vorgeblich wegen zu harscher Kritik und daraus folgendem mangelnden Respekt für sein Amt als Bundespräsident zurückgetreten war. Es wird über Depressionen gemunkelt - und darüber, dass Köhler nicht als ein Staatsoberhaupt in die Geschichte eingehen wollte, das gleich zweimal während seiner Amtszeit den Bundestag auflösen musste.

Der Geburtsfehler der Präsidentwerdung

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich für heute Abend zu der feierlichen Zeremonie angesagt, und Vizekanzler Guido Westerwelle, die beiden, die Köhler im Frühjahr 2004 in Westerwelles Wohnzimmer als neunten Präsidenten der Bundesrepublik ersonnen. Symbolischer Frontmann sollte er sein für kommende schwarz-gelbe Regierungszeiten. Doch daraus wurde nichts. Es war, wenn man so will, der Geburtsfehler bei der Präsidentenwerdung Horst Köhlers. Eine komplette Amtszeit lang musste er sich von seinen Gönnern emanzipieren.

Wer soll Bundespräsident werden?

Nicht wenige, die mit ihm zu tun hatten, wähnten ihn dabei in einer Art Spätphase politischer Pubertät. Ganz korrekt war diese Beobachtung nie, sie hatte immer auch ein bisschen mit der Häme zu tun, unter der Köhler allenthalben litt - oder anders ausgedrückt: Die Wahrnehmung der Person Horst Köhler hatte sehr lange, vielleicht zu lange, mit seinem Werdegang zu tun. Ein "Spitzenbeamter" war auf einmal an die Spitze eines ganzen Landes gestellt worden, ein akribischer Arbeiter, einer der sich unter Helmut Kohl als "Sherpa" auf den Weltwirtschaftsgipfeln tummelte und als Chef des Internationalen Währungsfonds insbesondere in der Dritten Welt Anerkennung geholt hat - als "political animal" jedoch nie aufgefallen ist. Sparkassenpräsident war er auch mal, und über Edmund Stoiber wird die Anekdote erzählt, dass er, im Ausland mit den überraschend von Angela Merkel aus dem Hut gezogenen Kandidaten konfrontiert, gesagt haben soll: "Ich wähle doch keinen ehemaligen Sparkassenvorsitzenden zum Bundespräsidenten". Das sagt viel. Vor der Wahrheit kommt die Wahrnehmung.

Der Anwalt der Unzufriedenen

Es kam dann, bekanntlich, anders. Der "Sparkassenvorsitzende" wurde Präsident. Die Union aber musste sich 2005 mit den Sozialdemokraten zur Großen Koalition zusammentun, und dem Präsidenten war ein wenig die Raison d'être abhanden gekommen. Eine Tastphase begann. Horst Köhler reiste viel über Land, und der direkte Kontakt mit dem Volk, dessen Präsident er ja nun mal geworden war, machte ihm Mut. Da sahen doch sehr viele vieles sehr ähnlich wie er, das mangelnde Verständnis für das einen Politikbetrieb von jeher bestimmende koalitionäre Kräftespiel inklusive. Draußen, im Land, da war Köhler eben nicht einer von denen - so konnte er, wieder daheim in Berlin, eine Art anwaltschaftliche Funktion für alle übernehmen, die unzufrieden waren mit dem Zustand des Landes. Er tat das ja auch. Und wie. Köhler, der früh Spaß am Amt verspürte, aber sich noch nicht ganz im Klaren über dessen Möglichkeiten war, wurde zum "politischen Präsidenten."

In Bochum, bei einer Rede vor dem Industrie- und Handelskammertag, sprach er einmal sein harsches Verdikt über die Mechanismen des Parteienstaates - ein seiner Ansicht nach immer mehr gesellschaftliche Interessen und Probleme "aufsaugendes" Ungeheuer mit äußerst begrenzter Lösungskompetenz. Die Worte gingen allerdings etwas unter, weil sich der Präsident seinerzeit zugleich noch ins operative Politikgeschäft eingemischt hatte und Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Jürgen Rüttgers, CDU, für dessen Vorstoß abgewatscht hatte, das Arbeitslosengeld I zu verlängern.

Die Ungeduld, der Gestaltungswille

Köhler konnte ungeduldig sein, mehr als es für einen Präsidenten gut war. Er wollte gestalten, mehr als er es in seinem Amt konnte. So wäre er gerne wenigstens gelegentlich Taktgeber im zähen Alltagsgeschäft gewesen - am liebsten im Tempo von Stewart Copeland, dem legendären Drummer von "The Police", dem seinerzeit auf der Bühne Sting schon nach den ersten Takten zurufen musste: Nicht so schnell.

Zu schnell - zu langsam. Das Begriffspaar hat eine Rolle gespielt im Verhältnis von Präsident zur Kanzlerin. Man kann vielleicht sagen, dass man im Präsidialamt die Kanzlerin für zu präsidial hielt und im Kanzleramt den Präsidenten für zu nassforsch. Zur Modernisierung gehöre Führung, hieß des Öfteren die Devise im Schloss Bellevue - und nur eine klare Linie schaffe Vertrauen. Einen Vertrauensverlust der Regierung, da kommen wieder Köhlers zahlreiche Reisen ins Spiel, hatte der Präsident im Volk bereits früh wahrgenommen. Horst Köhler hat sich nie so recht damit abfinden wollen.

Herzenssache Afrika

Bildung. Arbeit. Integration. Das waren seine Themen. Der rhetorische Überschwang, mit dem er sich ihnen angenommen hat, wurde bisweilen etwas geschliffen durch die gelegentlich leicht ungelenke Art des Vortrags. Herzenssache waren sie ihm dennoch - so wie sein Engagement für Afrika. Auf seinen zahlreichen Reisen auf den "schwarzen Kontinent" war Köhler ganz bei sich und mehr als einmal derart ergriffen, dass ihm die Tränen in den Augen standen.

Er war der Präsident. Der Liedermacher Rainald Grebe hat sich in seinem Lied "Ich bin der Präsident" über Horst Köhler lustig gemacht. An einer Stelle heißt es darin:

"Jetzt kommt ein Grußwort für Hartz IV-Empfänger Ihr Schicksal trifft mich auch persönlich Sie halten sich für überflüssig Es geht mir da ganz ähnlich."

Es ist nicht bekannt, ob das Lied Horst Köhler mal zu Ohren gekommen ist. Es hätte ihn gekränkt, doch ganz im Stillen hätte er den wahren Kern wohl nicht leugnen können. Zu seinem Abschied hat sich Köhler den St. Louis Blues gewünscht, ein lebhaftes Stück mit traurigem Text.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(