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Deutschlands Klima-Strategie: Kampf zwischen "Gesäß und Gehirn": Experte Harald Lesch rechnet mit Klima-Nachtsitzung der GroKo ab

Die Spitzen der GroKo tagten die ganze Nacht, um Deutschlands Klimaziele bis 2030 auf den Weg zu bringen. Bisher ohne Ergebnis. ZDF-Wissenschaftsjournalist Harald Lesch konnte das nicht fassen und ließ seinem Ärger über die Vorgehensweise der Regierung freien Lauf.

Harald Lesch regt sich über die Klimaschutz-Verhandlungen der GroKo auf

Harald Lesch regt sich über die Klimaschutz-Verhandlungen der GroKo auf

Seit dem frühen Donnerstagabend beraten die Spitzen von CDU, CSU und SPD, wie Deutschland seine Klimaziele bis 2030 schaffen kann. Die Koalitionsspitzen haben die ganze Nacht durchgetagt, die Verhandlungen im Kanzleramt dauern auch am Freitag noch an. Es hake an mehreren Punkten, hieß es aus Teilnehmerkreisen. Ob diese Nachtsitzungen wirklich der Weisheit letzter Schluss sind? Sollte man ein so wichtiges Thema wirklich in der Nacht entscheiden? Diese Fragen stellte sich auch ZDF-Wissenschaftsjournalist Harald Lesch. Bei heute+ rechnete der Moderator mit der GroKo ab.

"Es ist eine erbärmliche Situation, wenn tatsächlich solche Entscheidungen, wo es um ganz große Dinge geht, in einer Nachtsitzung entschieden werden müssen. Das kann doch nicht wahr sein. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich habe in Nachtsitzungen noch nie richtig was auf die Beine gestellt, was dann wirklich auch funktioniert hat. Das klingt eher nach eine Sitzung von Arbeitnehmern und Arbeitgebern, von Gewerkschaften und Arbeitgebern, die sich dann auf irgendwelche Zahlen einigen. Hier geht es um eine ganz große und wichtige Angelegenheit, die kann man doch nicht in einer Nachtsitzung besprechen. Die muss man doch tagsüber mit klarem Kopf, bei hellem Tageslicht besprechen und nicht in der Nacht, wo es dann darum geht, wer gewinnt denn: Gesäß oder Gehirn? Das ist doch aberwitzig, solche komplexen und komplizierten Angelegenheiten in einer Nachtsitzung zu besprechen", echauffierte sich Lesch vor der Kamera. 

Harald Lesch: "Befürchte, dass es in Deutschland eine Naturkatastrophe braucht" 

"Ich höre ja immer wieder, wir wollen keine Verbote, alles freiwillig. Ich kann mich nicht daran erinnern, dass zum Beispiel in Deutschland bei der Einführung von Grenzgeschwindigkeiten für geschlossene Ortschaften oder für Landstraßen, dass man da groß drauf gesetzt hat, dass der deutsche Autofahrer und die deutsche Autofahrerin das freiwillig tun werden. Nein, da haben wir ganz klare Grenzen gesetzt. Und jetzt hier tun wir so, als dürften wir den Leuten nichts mehr verbieten. Das ist doch idiotisch. Mit der Natur lässt sich nicht verhandeln. Wenn das so weitergeht, dann muss ich befürchten, dass es in Deutschland tatsächlich eine Naturkatastrophe braucht, damit die Politik reagiert", ging der Rant des 59-jährigen Physik-Professors weiter. 

Berlin: Koalition ringt um weitreichende Klima-Beschlüsse

Für die Bewegung "Fridays for Future", die am Freitag zu einem globalen Klimastreik aufgerufen hat, gab es lobende Worte: "Ich bin enttäuscht darüber, dass die Regierung sich jetzt tatsächlich hinsetzt und in einer Nachtsitzung ein solches Programm veröffentlichen will, das ist schlimm. Und ich kann nur sagen, Fridays for Future ist die einzige Bewegung, die immer wieder darauf hinweist, wir müssen die Wissenschaftler ernst nehmen. Alle anderen haben offenbar noch ganz andere Interessen im Spiel und deshalb kommen wir da nicht zu einer vernünftigen Entscheidung, wie sie eigentlich schon längst auf dem Tisch liegt." 

Zum Abschluss sendete Lesch einen Aufruf an die Regierung: "Los jetzt, macht das endlich. Hört auf, Euch da rumzudrücken. Da geht es nicht um irgendwelche Wahlperspektiven, da geht es um was ganz, ganz, ganz anderes."

Quelle: Facebook/ZDF heuteplus

vit