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ZDF-Doku mit Harald Lesch: Warum Sie diese Dokumentation zum Klimawandel sehen sollten

Die ZDF-Doku "Klimawandel – Die Fakten" mit Harald Lesch präsentiert zwar keine neuen Erkenntnisse in Sachen Klimawandel, aber fasst eindrücklich zusammen, was uns drohen könnte, wenn wir nicht handeln.

Mit der Erderwärmung dehnt sich das Meerwasser aus, die Eismassen schmelzen und der Meeresspiegel steigt

Mit der Erderwärmung dehnt sich das Meerwasser aus, die Eismassen schmelzen und der Meeresspiegel steigt

DPA

Sind die Hitzewellen der letzten Jahre eine Folge des Klimawandels? Und wie verändern sich unser Klima und unsere Gesellschaft, wenn wir so weiter machen? Fragen, die in der ZDF-Dokumentation "Klimawandel – Die Fakten" mit Harald Lesch gestellt und beantwortet werden, die am Dienstagabend um 20:15 im Zweiten ausgestrahlt wird und anschließend in der Mediathek des Senders abgerufen werden kann.

Nach einer spannungsgeladenen und dramatisch anmutenden Einleitung folgen die Fakten zum Klimawandel, die die Doku verspricht. Anschaulich werden sie dargestellt, Experten ordnen sie ein. Es wird nicht wirklich Neues genannt. Dass der Meeresspiegel steigen wird, wird schon lange prophezeit. Dass wir unseren Konsum verändern müssen – auch keine neue Forderung. Dass die Erde heißer wird – fast überall in der Wissenschaft Konsens.

Dokumentation zeigt, was Klimaforscher prophezeien 

Warum sollte man sich also eine Doku ansehen, in der nur zusammengefasst wird, was Klimaforscher und -aktivisten uns schon lange vorbeten, gepaart mit vielen Archivbildern?

Weil sie uns unverschnörkelt zeigt, was Sache ist beim Klimawandel, was Klimaforscher zutage gefördert haben, was in der Welt gerade passiert und was unserer Erde und auch uns Menschen blühen könnte, wenn wir so weiter machen, wie wir es jetzt tun.

Punkt eins: Es wird wärmer, etwas, was schon spürbar ist, wie die Hitzewellen der letzten Jahre zeigen. Professor Peter Stott vom britischen Wetterdienst unterstreicht, dass die Erderwärmung "menschengemacht" sei, besonders durch die Nutzung fossiler Brennstoffe. Eine Temperaturerhöhung von einem Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter ist schon jetzt die Folge, wie die Dokumentation zeigt.

Ökosysteme von Klimawandel bedroht

Waldbrände, Hitzewellen, Gletscherschmelze: alles aktuelle Ereignisse. Richard Black von der Energy and Climate Intelligence Unit in London sagt dazu: "Oft wird gefragt, ob der Klimawandel ein Ereignis verursacht hat. Das wird man so nie beantworten können. Was wir untersuchen ist, ob der Klimawandel Wetterereignisse wahrscheinlicher macht oder verstärkt." Klimawandel bedeute, dass wegen des veränderten Grundklimas die Häufigkeit extremer Temperaturen zunehme.

Peter Wohlleben

Eine weitere Auswirkung wäre: Extremsituationen für Tiere und Pflanzenwelt. Die Doku zeigt dies am Beispiel von Flughunden, die während einer Hitzewelle in Australien ums Leben kamen. Der Überlebenskampf für Tiere spitze sich zu. Das Aussterben von Arten sei unumkehrbar – und damit stehen auch das Ökosystem und schlussendlich auch wir auf dem Spiel, so die Macher des Films.

Steigender Meeresspiegel globale Bedrohung

Auch Fluten, Überschwemmungen und Stürme würden dank des Klimawandels zunehmen, auch wenn man nicht jede Überschwemmung auf den Klimawandel zurückführen könne. Das Schmelzen der Polkappen bringe etwas weitaus Dramatischeres mit sich: einen Anstieg des Meeresspiegels. Küstenregionen und dabei besonders jene der Entwicklungsländer seien davon bedroht – zum Teil schon jetzt. Aber auch die USA hätten Regionen, die dem buchstäblichen Untergang geweiht seien.

"Wir haben die letzten 30 Jahre nicht komplett verschwendet. Aber es wäre so viel einfacher gewesen, wenn wir allmählich begonnen hätten fossile Brennstoffe teurer zu machen und Technologien zu entwickeln, um sie zu ersetzen. Aber das haben wir nicht. Jetzt müssen wir mit den Konsequenzen leben", sagt der ehemalige Nasa-Wissenschaftler Dr. James Hansen.

Waldsterben könnte Klimawandel verschlimmern

Wälder könnten beim Kampf gegen den Klimawandel helfen. Doch auch die sind in Gefahr, wie die Doku anschaulich zeigt. Zwar sei Aufforstung etwas Gutes, so Professor Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimaforschung, aber "die Menge an Kohle, Öl und Gas, die wir tatsächlich jedes Jahr verbrennen, ist wesentlich größer als das, was wir einfangen können durch eine weltweite Aufforstung." Hinzu kommt, dass die Wälder schrumpfen, wie Aufnahmen der Nasa belegen. Lebensräume werden verkleinert und durch Brandrodung noch mehr CO2 in die Atmosphäre geblasen. Dadurch werde die Chance, den Klimawandel zu verlangsamen oder zu stoppen, noch geringer.

Aber wie geht es mit uns weiter, wenn wir Menschen so weiter machen, wie bisher? Die Antworten der Doku: Durch die extremen Wettersituationen würde die Nahrungsmittelproduktion und damit auch die Versorgung der Menschen problematisch, Zugang zu Trinkwasser schwieriger und der Meeresspiegelanstieg, der Küstenstädte bedrohe und die Wirtschaftslage außer Kontrolle bringen könne, stärker.

"Kipppunkte" könnten Dominoeffekt auslösen

Hinzu kämen "Kipppunkte", die irgendwann unumkehrbar sind und den Klimawandel dramatisch beschleunigen könnten. Das Auftauen der Permafrostböden, das Schmelzen des Grönlandeises oder das Waldsterben zum Beispiel. Ein Dominoeffekt wäre unaufhaltbar, so die Wissenschaftler.

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"Wir müssen in 30 Jahren den gesamten Planeten CO2-neutral bekommen", so Professor Levermann. Eine neue industrielle Revolution sei deshalb nötig, so der Wissenschaftler. Erneuerbare Energien würden benötigt. Und auch wir Menschen müssten handeln, bei Konsum, Energiesparen oder Ernährung etwa. Das viele dies schon tun und fordern, zeigt am Ende die Geschichte von Greta Thunberg und die Entwicklung, die sie losgetreten hat.

In knapp 45 Minuten bringt Harald Lesch mit seiner Dokumentation den Klimawandel verständlich auf den Punkt. Ursachen, Wirkung und Konsequenzen werden in dieser Bilanz klar, aber ungeschönt aufgezeigt. Man könne die Welt jetzt verändern, so Lesch. Aber es müsse eben jetzt sein.

rw