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Studie vorgestellt: Investitionen gegen die Klimakrise lohnen sich - aber Deutschland rettet das Klima nicht allein

Investitionen gegen den Klimawandel zahlen sich aus, so eine aktuelle Studie. Die Anpassung an die Folgen der Erderwärmung würde sich für die Wirtschaft lohnen. Doch Bundesentwicklungsminister Gerd Müller sagt: "Das Klima retten wir nicht in Deutschland."

Kohlekraftwerk in China

Ein  Kohlekraftwerk im Osten Chinas. Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) fordert internationale Anstrengungen gegen den Klimawandel.

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Angesichts der enormen Herausforderungen durch die Klimakrise betont eine neue Studie den wirtschaftlichen Nutzen von Investitionen in Infrastruktur und Landwirtschaft. "Die "Globale Kommission für Anpassung" schätzt, dass Investitionen von 1,9 Billionen Dollar in die klimatische Widerstandsfähigkeit bis 2030 einen Nettogewinn von sieben Billionen generieren werden", sagte einer der Initiatoren der Studie, der ehemalige UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Der Bericht stellt heraus, dass die wirtschaftliche Anpassung an die Folgen des Klimawandels nicht nur geboten, sondern auch lukrativ sei. 

In der Studie, die zeitgleich in mehreren Städten der Welt vorgestellt wurde, geht es darum, die Wirtschaft vor Verlusten durch den Klimawandel zu schützen und gleichzeitig ökonomische Chancen aufzuzeigen. Dazu gehören beispielsweise verbesserte Frühwarnsysteme für sich häufende Naturkatastrophen, dürreresistente Nutzpflanzen oder besserer Hochwasserschutz. Der Bericht, zu dessen Trägern neben Ban Ki Moon auch Weltbank-Chefin Kristalina Georgieva, Milliardär Bill Gates oder Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) gehören, wird auch von einer Reihe von Staaten - darunter neben Deutschland auch China, Indien oder Großbritannien - unterstützt. 

Max Viessmann, CEO der Viessmann Group.

Auswirkungen des Klimawandels

Ban Ki Moon betonte dabei, dass es nicht nur um wirtschaftliche Gewinne gehe. Wirtschaftliche Anpassung an die Klimakrise rette letztendlich auch Menschen: "Der Klimawandel könnte mehr als 100 Millionen Menschen in Entwicklungsländern unter die Armutsgrenze drücken", wenn nicht entsprechend gehandelt werde. Auch besteht dem Bericht zufolge die Gefahr von Wasserknappheit, deutlichen Einbußen in der Landwirtschaft und der Umsiedlung von Hunderten Millionen Menschen an der Küste wegen des steigenden Meeresspiegels. Alleine Letzteres könnte laut der Studie bis 2050 zu Kosten von mehr als einer Billion Dollar führen. 

Auch Entwicklungsminister Gerd Müller hat davor gewarnt, sich beim Klimaschutz allein am nationalen Rahmen zu orientieren. "Wenn in Afrika und Indien, deren Bevölkerung dramatisch wächst, in den nächsten Jahren jeder Zugang zu Elektrizität bekommt, dann bedeutet das 1000 neue Kohlekraftwerke", sagte der CSU-Politiker am Dienstag in der RTL/n-tv-Sendung "Frühstart". Darüber hinaus seien 1000 weitere weltweit in Planung oder im Bau, so Müller. "Der Himmel gehört allen, das Klima retten wir nicht in Deutschland", sagte der Minister und forderte, in "Innovation und Technologietransfer" zu investieren. "Das schafft Arbeitsplätze hier und Zukunft dort." 

Hightech gegen Hitze: Das Haus für den Klimawandel
In natürlicher Umgebung wirkt das FutureHaus noch besser, als auf dem kargen Ausstellungegelände.

In natürlicher Umgebung wirkt das FutureHaus noch besser, als auf dem kargen Ausstellungegelände.

Hersteller

Afrika und Indien bleiben in Armut zurück

Auch im Hinblick auf erneut steigende Flüchtlingszahlen forderte Müller mehr Anstrengungen in den Staaten Afrikas. "Die Industrieländer, zehn Prozent der Weltbevölkerung, besitzen neunzig Prozent des Vermögens." Es könne nicht sein, "dass Afrika und Indien in Armut zurückbleibt, wir Mensch und Natur dort aber für Produktionsketten benutzen und ausbeuten und wir unseren Wohlstand abschotten". Müller forderte, die Bereitschaft in westlichen Staaten, faire Löhne und Preise für Produkte zu bezahlen, müsse steigen. "Dann kommen die Menschen auch nicht mehr auf die Idee, nach Europa zu fliehen."

Müller erneuerte dafür seine Forderung nach einem eigenen EU-Kommissar für Afrika. Diese Idee hatte er bereits im Juli formuliert. Medienberichten zufolge soll Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (CDU) den Vorschlag aber abgelehnt haben. Darauf angesprochen, dass diese Idee offenbar vom Tisch sei, entgegnete Müller, dass die Forderung deshalb "nicht falsch" sei. 

Mehr internationale Anstrengungen beim Klimaschutz hatte auch Müllers Unionskollege, der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Armin Laschet, vergangene Woche im Gespräch mit der RTL/n-tv-Redaktion gefordert. Bei Fragen des Klimawandels reiche eine "europäische Antwort", nicht aus. "Wir haben in jeder Botschaft auf der Welt einen Kulturattaché, einen Wirtschaftsattaché. Warum gibt es nicht jemanden, der in anderen Staaten über Klimapolitik redet - in Russland, China, den USA, Brasilien?", sagte er. Er kritisierte zudem, dass im Klimakabinett kein Außenminister und kein Entwicklungsminister sitze.

kg/dpa