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Zumwinkel-Skandal: Däke will Steuerrecht vereinfachen

Der Bund der Steuerzahler, sonst für harsche Attacken bekannt, hält sich im Fall Zumwinkel zurück. Präsident Karl Heinz Däke sagt im stern.de-Interview, Deutschland müsse bei der Steuerfahndung nichts ändern - aber das Steuerrecht endlich vereinfachen.

Erstaunlich moderate Töne vom Bund der Steuerzahler: Präsident Karl Heinz Däke denkt, höhere Strafen für Steuersünder seien nicht notwendig. Auch die Zahl der Steuerfahnder und Finanzbeamten müsse nicht angehoben werden, so Däke im Interview mit stern. "Das Netz der Prüfungen in Deutschland ist bereits so dicht, dass wir nicht mehr Steuerfahnder oder Finanzbeamte brauchen. Das Steuerrecht muss vereinfacht werden, so dass der Beamte im Finanzamt anhand der Steuererklärung erkennen kann, ob möglicherweise Steuer hinterzogen worden ist oder nicht."

Darüber hinaus warnte Däke davor, aus dem Fall Zumwinkel pauschale Schlussfolgerungen zu ziehen. "Ich möchte dringend davor warnen, dass jetzt alle Steuerzahler, oder alle Spitzenmanager oder alle Großverdiener unter Generalverdacht gestellt werden. Das darf nicht sein." Im Verhältnis zu allen Steuerzahlern handele es sich um Einzeltäter, die entsprechend hart verfolgt werden müssten, sagte Däke im "Café Einstein", dem Web-TV-Interview von stern.de.

Auch Däke spricht von "Asozialen"

Dass zahlreiche SPD-Politiker und Literaturnobelpreisträger Günther Grass mit Blick auf Steuerhinterzieher von den "neuen Asozialen" sprechen, hält Däke gleichwohl für berechtigt. "Wenn jemand Steuern hinterzieht, muss die Gemeinschaft für die hinterzogenen Steuern zahlen, und das ist asozial." Die Deutschen seien die ehrlichsten Steuerzahler der Welt gewesen, ob dieser Ruf jetzt noch gälte, wisse er nicht.

Der gemeinnützige Bund der Steuerzahler hat nach eigenen Angaben 400.000 Mitglieder und wäre damit die größte Steuerzahlerzahleroganisation der Welt. Jahr für Jahr kritisiert der Bund die Fälle öffentlicher Steuerverschwendung. Klaus Zumwinkel, Ex-Chef der Post, steht seit vergangenen Donnerstag unter dem Verdacht, mit Hilfe einer Stiftung in Liechtenstein einen Millionenbetrag Steuern hinterzogen zu haben. Die Fahnder der Staatsanwalt Bochum waren Zumwinkel dank einer CD-Rom auf die Schliche gekommen, die ein Informant dem Bundesnachrichtendienst verkauft hatte. Darauf sollen Hinweise auf rund 1000 Steuersünder zu finden sein, die ihr Kapital nach Liechtenstein verbracht haben.

cb/lk