VG-Wort Pixel

Verschwendung von Steuergeldern 2,3 Millionen für die Bayreuth-Sause


Muss die Kanzlerin wirklich die Wagner-Festspiele bezuschussen? Brauchen wir Subventionen für das Stehvermögen von Schnittlauch? Karl-Heinz Däke, Chef des Steuerzahler-Bundes, präsentierte einen peinlichen Katalog der Verschwendung.
Von Hans Peter Schütz

Man muss Karl-Heinz Däke bewundern, den Chef des Bundes der Steuerzahler. Dass er nicht längst durchgedreht ist, weil er seit zwölf Jahren immer wieder ausforschen muss, wo die Politik das Geld der Steuerzahler mit beiden Händen aus dem Fenster wirft. Und dabei immer wieder die kesse Erklärung der dafür verantwortlichen Politiker schlucken muss, leider, leider gebe es keine Einsparmöglichkeiten im Bundeshaushalt.

Da macht die in Wagner verliebte Kanzlerin Angela Merkel aus den Mitteln des Bundesbeauftragten für Kultur, die zum Kanzleramts-Etat hinzugerechnet werden, 2,3 Millionen Euro locker für die Bayreuther Festspiele. Weshalb nur? Die Eintritts-Preise sind für Otto Normalverbraucher kaum zu bezahlen. Und selbst jene, die es sich leisten könnten, stehen oft auf dem Schlauch, weil es keine Karten mehr gibt. Für Frau Merkel und ihren Gatten Joachim Sauer scheint das kein Problem zu sein - sie sind Stammgäste auf dem Hügel. Nochmal: Ist es Aufgabe der Steuerzahler, ein so begehrtes Musikfestival mitzufinanzieren, da doch auch schon Großkonzerne wie Audi und Siemens als Sponsoren dabei sind? Wohl kaum!

Ein Lippenstift aus Torf

Bundesforschungsministerin Annette Schavan sollte sich künftig als Lippenerforschungsministerin anreden lassen. Denn sie fördert mit 260.000 Euro die Entwicklung eines neuartigen Lippenstifts aus Torf. Warum nur? Wer küsst schon gerne Torf? Die Erklärung: Der Lippenstift ist eine Art Wunderwaffe gegen Herpes, weil Torf angeblich vor UV-Strahlung schützt und Entzündungen hemmt. Wir erlauben uns den Hinweis, dass Frau Schavan die Subvention gewiss nicht eigensüchtig angesetzt haben kann, denn ihre Lippen sind in Bestform.

Ist Ihnen in letzter Zeit aufgefallen, dass der Topfschnittlauch bei ihrem Kaufmann neuerdings immer besonders stramm steht und sie grasgrün anmacht? Auch das verdanken wir Frau Schavan. Sie hat einer bayerischen Firma 55.000 Euro überwiesen, damit die herausfindet, weshalb der Topfschnittlauch im Gegensatz zum Schnittlauch vom Freiland-Gärtner immer so schnell abschlafft. Derartige Subventionen helfen nicht dem Schnittlauch beim Ergrünen, sondern uns Steuerzahlern beim grün ärgern.

Wettbewerb im Pflügen

In den versammelten Subventions-Schwachsinn passt auch die Kamille-Erntemaschine, die für eine leistungsfähigere Pflücktechnik entwickelt und vom Landwirtschaftsminister mit 355.000 Euro subventioniert worden ist. Das sei viel Geld? Nicht doch, denn auf diese Weise wird bei uns Steuerzahlern für den Fall vorgesorgt, dass uns die Steuerlast auf den Magen schlägt: Zur Erleichterung gibt es erschwinglichen Kamillenblüten-Tee aus heimischer Erde.

Wie wichtig pflügen ist, wissen unsere Bauern seit Hunderten von Jahren. Dass die harte Arbeit aber auch als Wettkampfsport ausgeübt werden kann, dürften nur wenige wissen. Dabei gibt es einen Deutschen Pflügerrat, den Ministerin Ilse Aigner, natürlich CSU, mit 3000 Euro fördert, damit der Pflügerrat Mitglied im Weltpflügerrat werden kann, der Weltmeisterschaften im Wettpflügen veranstaltet. Vermutlich hält Aigner Pflügen für eine kommende olympische Disziplin, in der bayerische Großbauern unbedingt eine Goldmedaille holen müssen.

Besuche im Bundestag

Wir Steuerzahler werden keineswegs so gefördert wie die Pflüger. Wir werden geschröpft. Zum Beispiel um zehn Millionen Euro durch Bundesumweltminister Norbert Röttgen. Der fördert damit den Großkonzern Daimler bei der Entwicklung eines Elektro-Kleintransporters. Dank der Röttgen-Millionen rollen diese Autos jetzt über die Berliner Straßen, um die Klimaanlage, die Fahreigenschaften und die Reichweiten zu testen. Da dürfe man nicht geizen, sagt Röttgen und greift in die Taschen der Steuerzahler anstatt in die Daimler-Kasse, aus der erst dieser Tage satte Überweisungen an die Aktienbesitzer geflossen sind.

Die skurrilen Einzelbeispiele sollten wir Steuerzahler nicht einfach hinnehmen. Sondern man sollte ab und an die Bundestagsabgeordneten befragen, ob sie denn immer wissen, was aus dem Bundeshaushalt alles finanziert wird. Vermutlich nicht. Eines aber müssten ihnen sehr bekannt sein: Dass jährlich 31 Millionen Euro dafür bezahlt werden, dass politisch interessierte Bürger ihre Abgeordneten in Berlin bei der Arbeit besichtigen. Sorry, bei der Arbeit wohl kaum, sonst würden sie wissen, dass in dem 306 Milliarden Euro umfassenden Bundeshaushalt ein Einsparvolumen von 27 Milliarden Euro steckt.

Regierungsziel: Schnittlauch

Was sagt Däke dazu? "Es ist ein Mythos, wenn die Bundesregierung sagt, sie könne nur sehr bedingt sparen." Die Wahrheit ist: Sie will gar nicht sparen. Das Züchten von grünem Schnittlauch ist ihr wichtiger.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker