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Frankreich: Flüchtlingshilfe aus Liebe: Ex-Front-National-Aktivistin entgeht Haftstrafe

Jahrelang unterstützte Béatrice Huret den rechten Front National. Dann verliebte sich die Französin in einen iranischen Flüchtling. Weil sie ihm half, nach England zu kommen, wurde sie jetzt verurteilt. Doch sie hatte Glück.

Béatrice Huret telefoniert bei der Ankunft am Gericht in Boulogne-sur-Mer mit Mokhtar

Béatrice Huret telefoniert bei der Ankunft am Gericht in Boulogne-sur-Mer mit Mokhtar. Die ehemalige Front-National-Aktivistin half dem Iraner bei seiner Flucht nach Großbritannien - aus Liebe, wie sie sagt.

Aus Liebe half die frühere Front-National-Anhängerin Béatrice Huret einem iranischen Flüchtling aus Calais nach Großbritannien - jetzt ist die Witwe eines französischen Grenzpolizisten trotz Schuldspruchs einer Strafe entgangen. Das zuständige Gericht in der nordfranzösischen Stadt Boulogne-sur-Mer sprach Huret zwar der illegalen Flüchtlingshilfe schuldig, verzichtete aber auf eine Bestrafung der 44-Jährigen.

Die Staatsanwaltschaft hatte ein Jahr Gefängnis auf Bewährung gegen Huret gefordert. "Solidarität ist löblich, aber nicht um jeden Preis", hatte Staatsanwältin Camille Gourlin argumentiert. "Was das Recht in Sachen Solidarität toleriert, wurde überschritten."

Béatrice Huret drohten theoretisch zehn Jahre Haft

Huret, die jahrelang die rechtsgerichtete Marine Le Pen unterstützt hatte, hatte 2015 begonnen, Menschen im Flüchtlingslager von Calais ehrenamtlich zu helfen. Im berüchtigten "Dschungel" von Calais lernte sie den Iraner Mokhtar kennen, der sich aus Protest gegen eine Teilräumung des Lagers den Mund zugenäht hatte. Sie verliebte sich in den ehemaligen Lehrer, der über den Ärmelkanal nach Großbritannien gelangen wollte, und brachte ihn später bei sich unter.

2016 kaufte sie über das Internet ein Boot und organisierte für Mokhtar und zwei seiner Landsleute die Überfahrt nach Großbritannien. Die drei wurden von der britischen Küstenwache geborgen. Mokhtar erhielt später Flüchtlingsstatus. Die Französin besucht ihren Freund nach eigenen Angaben regelmäßig in Großbritannien.

Für ihre illegale Flüchtlingshilfe hätte Huret theoretisch mit bis zu zehn Jahren Gefängnis bestraft werden können. Doch das Gericht hielt selbst die Forderung der Staatsanwaltschaft für nicht gerechtfertigt und sah völlig von einer Strafe ab. Zur Begründung hieß es unter anderem, die Hilfe für die Flüchtlinge sei nicht "bandenmäßig" organisiert gewesen. Huret zeigte sich zufrieden mit der Entscheidung. "Wir sind beide sehr erleichtert", schilderte sie der Nachrichtenagentur AFP nach dem Urteil ihre und Mokhtars Gefühle.

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mad/AFP