100 Jahre Panama-Kanal Kanonenboote und Nationalstolz

US-amerikanische Kanonenboote sorgten vor hundert Jahren dafür, dass sich Panama von Kolumbien lossagen konnte. Damit stand dem Bau einer Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik nichts mehr im Wege.

Panama kennt man in der Welt vor allem wegen seines berühmten Kanals. Ohne diese Wasserstraße zwischen Atlantik und Pazifik würde der zentralamerikanische Staat vielleicht überhaupt nicht existieren. Anfang des 20. Jahrhunderts sorgten die USA für die Abspaltung der damaligen Provinz Kolumbiens, um den Kanal nach ihren Vorstellungen bauen zu können. Am dritten November feiert Panama den 100. Jahrestag seiner Unabhängigkeit.

Soziale Lage ist gespannt

Die Straßen und öffentlichen Gebäude in Panama-Stadt sind festlich geschmückt, und die Regierung erwartet zu den Feiern eine Anzahl hochrangiger ausländischer Gäste. Die Gewerkschaften wollen die Aufmerksamkeit, die während der Festtage auf Panama fällt, zu lautstarken Protesten nutzen. Denn die soziale Lage im Lande ist, wie auch anderswo in Lateinamerika, gespannt.

Gefeiert wird eine Unabhängigkeit, die eigentlich eine neue Abhängigkeit bedeutete. Denn ohne die Hilfe der USA hätten die panamaischen Verschwörer, die sich da am 3. November 1903 gegen die Regierung in Bogotà erhoben, nicht die geringste Chance gehabt. Je fünf US-Kanonenboote vor beiden Küsten Panamas verhinderten, dass kolumbianische Truppen einschreiten konnten. Die USA erkannten die Republik Panama schon am 6. November an. Die neue Regierung musste als Gegenleistung zähneknirschend eine 16 Kilometer breite Hoheitszone für den Bau des Kanals an die Nordamerikaner abtreten.

USA zahlten 40 Millionen Dollar

Es hätte alles auch ganz anders kommen können. Denn nachdem die Franzosen 20 Jahre zuvor mit ihrem Kanalprojekt in Panama gescheitert waren, wollten viele amerikanische Politiker den Wasserweg lieber durch Nicaragua bauen. Doch einer kleinen Gruppe von Lobbyisten, die die Anteile der alten französischen Kanalkompanie besaßen, gelang es, einen Stimmungsumschwung in Washington herbeizuführen. Der Senat votierte mit knapper Mehrheit für Panama, und die USA zahlten für die Baurechte und die Konkursmasse der Franzosen 40 Millionen Dollar. Ein Kanalvertrag mit Kolumbien wurde geschlossen, doch vom Parlament in Bogotà wegen ungünstiger Konditionen abgelehnt. Daraufhin unterstützte Präsident Theodore Roosevelt die Abspaltung Panamas.

Der Kanal wurde 1914 fertig gestellt und gilt seither als Wunderwerk der Ingenieurskunst. Doch Panamas Nationalstolz litt unter der ausländischen Dominanz, und die von den USA regierte Kanalzone wurde in ganz Lateinamerika wie ein Stachel im Fleisch empfunden. Es kam zu Protesten und schließlich zu Verhandlungen über den Kanalstatus. Gegen starken innenpolitischen Widerstand unterzeichnete US-Präsident Jimmy Carter 1977 die Verträge, nach denen der Kanal am 31. Dezember 1999 in den Besitz Panamas überging. Ihre ganze Macht demonstrierten die USA noch einmal 1989, als sie militärisch intervenierten und den Diktator Manuel Antonio Noriega stürzten. Mindestens 500 Menschen kamen bei Bombenangriffen in Panama-Stadt ums Leben. Seit dem Sturz Noriegas ist Panama eine stabile Demokratie.

"Zwangsamputation"

Die Rolle der USA bei der Gründung Panamas wird auch von US- Historikern zwiespältig gesehen. Mit einem Minimum an gutem Willen wären die Schwierigkeiten mit Kolumbien zu überwinden gewesen, schreibt David McCullough, Autor eines Standardwerks über den Kanalbau. "Der Schaden für die amerikanischen Beziehungen zu ganz Lateinamerika war enorm", so McCullough. Und in Kolumbien trauert manch einer noch heute der verlorenen Provinz nach. "Kolumbien war über die Nabelschnur Panama ein weltoffenes Land mit karibischer Identität, die Zwangsamputation machte uns zu einem Andenland", schreibt Nobelpreisträger Gabriel García Màrquez in seinen Memoiren.

Klaus Blume DPA

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