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25 Jahre Camp David: Eine Friedensvision

Im Jahr 1977 geschah ein politisches Wunder: Israel und Ägypten einigten sich in Camp David auf einen für unmöglich gehaltenen Friedensvertrag. Dem ägyptischen Präsidenten Sadat sollte es das Leben kosten.

An einem abgeschiedenen Ort im US-Staat Maryland wurde zwei Wochen lang zäh verhandelt. Immer wieder wurde mit dem Abbruch der Gespräche gedroht, doch schließlich kam der historische Durchbruch: Am 17. September 1978 einigten sich der israelische Ministerpräsident Menachim Begin und der ägyptische Präsident Anwar el Sadat in Camp David auf einen Rahmenvertrag für einen Frieden zwischen ihren Ländern.

Dieselbe Formel, die heute noch aktuell ist

Die Verhandlungen unter der Schirmherrschaft von US-Präsident Jimmy Carter drehten sich vor 25 Jahren um dieselbe Formel, die im Nahen Osten noch heute aktuell ist - Land gegen Frieden. In Camp David stimmte Israel zu, die 1967 im Sechs-Tage-Krieg eroberte Sinai-Halbinsel an Ägypten zurückzugeben. Im Gegenzug kam es zum ersten Friedensvertrag mit einem arabischen Staat. Dies bedeutete einen Wendepunkt in der Geschichte Israels, das bislang nur im Kriegszustand mit seinen Nachbarn gelebt hatte. Allein gegen Ägypten führte Israel seit seiner Staatsgründung 1948 vier Kriege.

Vorausgegangen war dem Abkommen von Camp David eine Annäherung, die vor allem der Friedensvision Sadats zu verdanken war. Er überraschte im Jahre 1977 die ganze Welt, als er sich zu einem Besuch Israels bereit erklärte. Dieser fand am 19. November statt. Dass es sich dabei um einen äußerst ungewöhnlichen Schritt handelte, wurde damals allein an vielen Anekdoten deutlich. So musste sich das israelische Militärorchester erst einmal bei den Vereinten Nationen die Noten der ägyptischen Nationalhymne besorgen und diese im Schnellgang einstudieren. Nie hätte man damit gerechnet, sie jemals zu benötigen.

Sadat und Begin erhalten Friedensnobelpreis

Sechs Monate nach Camp David, im März 1979, wurde ein formeller Friedensvertrag zwischen Israel und Ägypten unterzeichnet. Schon im Oktober zuvor, nur einen Monat nach der Rahmenvereinbarung, erhielten Sadat und Begin den Friedensnobelpreis. Anfang 1982 zogen dann die letzten israelischen Soldaten aus dem Sinai ab. Sadat hat die endgültige Rückgabe der Halbinsel allerdings nicht mehr erlebt. Er wurde am 6. Oktober 1981 von militanten Islamisten ermordet.

"Sadat hat die Araber ihrer Würde beraubt, sie gespalten, ihre Schwächen und ihre Ohnmacht bloß gestellt", kritisiert noch heute der Jurist Montasser el Sajat, der nach dem Attentat drei Jahre im Gefängnis verbrachte und heute Islamisten vor Gericht verteidigt. In der Tat war Ägypten wegen seines Friedenskurses gegenüber Israel lange Zeit in der arabischen Welt isoliert.

Bislang hat nur ein weiteres Nachbarland - Jordanien - einen Friedensvertrag mit Israel unterzeichnet. Dies geschah im Oktober 1994, nachdem Israel mit den Palästinensern bereits das so genannte Gaza-Jericho-Abkommen geschlossen hatte und die Osloer Verhandlungen über eine Ausweitung der palästinensischen Selbstbestimmung voll im Gange waren. Danach schien auch ein Abkommen über den endgültigen Status der besetzten Gebiete, das auf die Gründung eines palästinensischen Staates hinausgelaufen wäre, greifbar nahe.

Ironie des Schicksals

Es mag eine Ironie des Schicksals sein, dass diese Hoffnungen ausgerechnet in Camp David zerbrachen. Nachdem die Gespräche zwischen dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak und dem palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat am 25. Juli 2000 gescheitert waren, wuchsen wieder die Spannungen. Als dann der israelische Oppositionsführer und heutige Ministerpräsident Ariel Scharon am 28. September 2000 den Jerusalemer Tempelberg mit den heiligen Stätten der Muslime besuchte, lief das Fass über. Seitdem dreht sich wieder die Spirale der Gewalt und Gegengewalt.

Das Verhältnis zwischen Israel und Ägypten ist davon weitgehend unberührt geblieben - vielleicht, weil aus Sadats Vision von herzlichen Beziehungen der beiden Nachbarstaaten eigentlich nie etwas wurde. Das bilaterale Verhältnis ist wohl eher eine Vernunftehe, wie Efraim Inbar vom israelischen Begin-Sadat-Zentrum für Strategische Studien es ausdrückt. Immerhin erhalten beide Länder seit dem Friedensschluss auch regelmäßige Unterstützung aus den USA - Israel 2,9 Milliarden Dollar im Jahr, Ägypten 1,9 Milliarden.

Große Leistung

Zumindest aber hat der Frieden 25 Jahre lang gehalten und ist trotz der neuen Eskalation im israelisch-palästinensischen Konflikt vorerst nicht gefährdet. Dies allein ist als große Leistung zu werten, meint der frühere ägyptische Ministerpräsident Mustafa Chalil, der Sadat 1977 nach Israel begleitete: "Der Friedensvertrag ist schon ein 100-prozentiger Erfolg, solange sich beide Seiten daran halten."

Annedore Smith / DPA