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Deutschland: Die kommunistische Untergrund-Armee

Sie sollten Attentate ausführen, westdeutsche Politiker entführen und dem Feind Überraschungsschläge versetzen - es gab einen militärischen Arm der westdeutschen DKP, der von der DDR ausgebildet und finanziert wurde.

Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) hat bis zur Wende unter strengster Geheimhaltung eine paramilitärische Elite für den Nahkampf in westdeutschen Großstädten ausbilden lassen. Das gehe aus jetzt rekonstruierten Aktenfunden der Stasiunterlagenbehörde hervor, sagte Behördenchefin Marianne Birthler am Montag der dpa. Ermittlungen gegen die Teilnehmer gebe es derzeit nicht.

Sollten sich dennoch aus den Akten Hinweise auf Schwerverbrechen ergeben, könnte das zu staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen führen, sagte Birthler. Es könnten aber nur noch nachgewiesene Verbrechen strafrechtlich verfolgt werden, jedoch nicht die Vorbereitung darauf. In den ersten Jahren nach der Wende sei geheimdienstliche Tätigkeit noch strafbar gewesen. Dies sei aber verjährt. Es sei unklar, ob die DKP-Militärelite tatsächlich Anschläge verübte. "Über die praktische Seite wissen wir noch sehr wenig", sagte Birthler. Einen Teil der Akten habe die Stasi zum Schluss gezielt vernichtet.

Direkt bei der SED-Führung angesiedelt

"Die 'Gruppe Ralf Forster' ist kein Projekt der Stasi, sondern war direkt bei der SED-Führung angesiedelt, das Ministerium für Staatssicherheit hat aber die konspirative Infrastruktur gesichert", sagte Birthler. Selbst im SED-Politbüro, dem höchsten Machtgremium, hätten nur wenige von dem militärischen Arm der DKP gewusst.

Die militärischen Führungskader sollten laut Birthler lernen, Gegner lautlos zu beseitigen und dem Feind in westdeutschen Städten Überraschungsschläge zu versetzen. Auch Bau und Einsatz von Spreng- und Brandmitteln seien trainiert worden. Ziel war es, die Taktik von Kleinkampfgruppen in Ballungsgebieten zu beherrschen. Tarnung und Spurenverwischung gehörten ebenfalls zum Training.

Kämpfer wurden in der DDR ausgebildet

Theoretisch wurden die streng abgeschirmten Kämpfer in Ost-Berlin von Stasi-Experten unterrichtet, praktische Übungen folgten in einem geheimen Ausbildungscamp im heutigen Brandenburg am Springsee. Laut Birthler fanden jährlich sechs solcher Militärausbildungen mit je zwei bis sechs Kämpfern statt. Sie seien unter falschem Namen in die DDR geschleust worden, die Finanzierung habe die DDR getragen, sagte die Behördenchefin. Ab 1972 habe sich die theoretische und praktische Ausbildung von westdeutschen DKP-Mitgliedern in der DDR konzentriert, sagte Birthler.

Dem ZDF bestätigte ein früheres DKP-Mitglied, dass die paramilitärische Truppe Attentate auf feindliche Personen übte, Sprengstoff herstellte und den Umgang mit Handfeuerwaffen und Panzerfäusten lernte. Dies teilte der Sender vorab am Montag mit. "Der Auftrag, zu dem wir uns verpflichtet hatten, reichte von der Geiselbefreiung bis zur Vernichtung von reaktionären Führungspersönlichkeiten des kapitalistisches Systems", sagte das ehemalige Führungsmitglied der DKP-Militärorganisation in der Sendung "Frontal 21".

DPA / DPA