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Genozid: Die Ziele der "Endlösung"

Auf der Berliner Wannsee-Konferenz am 20. Januar 1942 beschlossen die Nazis den Mord an elf Millionen Juden. Von 1940 bis 1945 töteten sie tatsächlich elf Millionen. Heydrich war der "Oberarchitekt des Genozids".

Als Nazi-Horden in der "Kristallnacht" Synagogen schändeten, hielt er ihnen die Polizei vom Hals. Als Hitler einen Vorwand gegen Polen suchte, lieferte er die ersten Leichen des Zweiten Weltkriegs. Und als die Judenvernichtung durch seine SS-Kommandos begann, forderte er effektivere Mord-Methoden. Reinhard Heydrich war der gnadenlose Antreiber des Genozids.

Am 18. Dezember 1941 beriet Hitler in seinem Hauptquartier "Wolfsschanze" in Ostpreußen mit Himmler über das Schicksal der Juden. Kryptisch notierte der Reichsführer-SS dazu in seinen Dienstkalender: "Judenfrage - als Partisanen auszurotten". Was das im Einzelnen bedeutete, sollte auf einer Konferenz der Staatsekretäre geklärt werden, zu der das RSHA für den 20. Januar 1942 in das Berliner SS-Gästehaus Am Großen Wannsee 56-58 geladen hatte. Dort wollte Heydrich das Schicksal der elf Millionen Juden besiegeln. Von 1940 bis 1945 töteten sie tatsächlich etwa sechs Millionen.

Blutspur quer durch Europa

Die Blutspur, die deutsche Einsatzkommandos durch das Baltikum und Weißrussland, Moldawien, die Ukraine und Russland zogen, haben Historiker bis heute nicht komplett erfassen können. Etwa 3000 Männer, unterstützt von Waffen-SS, regulären Polizeieinheiten und Wehrmachtstruppen, töteten mehr als eine halbe Million Menschen, ab Oktober 1941 auch Frauen und Kinder. Die größten Massaker sind auf Mahnmalen des Völkermords in Europa, Amerika und Israel verewigt: Kamenez-Podolsk 23 600 Tote, Babij Jar 33 700, Witebsk 16 000, Dnjepropetrowsk 10 000, Odessa 27 000, Dalnik 20 000, Rowno 21 000, Minsk 19 000, Riga 38 000, Wilna 33 500.

Immer folgten die Mörder demselben Muster: Die Juden wurden zusammengetrieben, mussten Kleider und Wertsachen abgeben und dann in kleinen Gruppen an den Rand einer Grube treten, wo sie erschossen wurden - am Anfang durch Gewehrsalven oder Maschinengewehrfeuer, später durch Einzel- oder gar Genickschuss. Manchmal mussten sie sich sogar auf die zuvor Ermordeten legen, um den Todesschuss zu empfangen. Mitleid hatten die Mörder nur mit sich selbst. "Unsere Männer waren mehr mit den Nerven herunter als diejenigen, die dort erschossen werden mussten", behauptete nach dem Krieg Paul Blobel, der das Massaker an Kiews Juden in der Schlucht von Babij Jar befehligte.

Mario R. Dederichs / print