Hintergrund Höllisches Vorbild für Anschlagspläne


Bereits vor zwölf Jahren planten Terroristen einen Anschlag mit Flüssigsprengstoff auf mehrere Flugzeuge zu verüben. Der höllische Plan weist erschreckend viele Parallelen zu den Vorfällen in London auf.

Der Plan war einfach: Mit Hilfe von Bomben, die an Bord von Flugzeugen gebaut werden konnten, sollte ein Dutzend US-Jumbo-Jets gleichzeitig in die Luft gesprengt werden. Für die Bomben sollten Flüssigkeiten verwendet werden, die in harmlos erscheinenden Behältern verborgen waren. Man schrieb das Jahr 1995, und die Idee für den Plan stammte von demselben Mann, der hinter dem ersten Anschlag auf das New Yorker World Trade Center 1993 steckte - Ramzi Yousef. Yousef sitzt heute in einem Gefängnis im US-Staat Colorado, abgeschottet von Kontakten zu anderen Terroristen. Dennoch werden seine damals entwickelten Pläne noch immer nachgeahmt.

Das am Donnerstag in London aufgedeckte Komplott trägt ähnliche Züge: die geplante gleichzeitige Explosion zahlreicher Flugzeuge durch Bomben aus Material, das in haushaltsüblichen Behältern verborgen werden sollte. Die Parallelen wie die Zahl der Ziele und die Art des Sprengstoffs seien beachtlich, sagt Roger Cressy, früherer Direktor der Terrorabwehr im Nationalen Sicherheitsrat unter den US-Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush. "Das ist wie aus dem Bilderbuch. Das muss entweder von Al Kaida angeregt oder gesteuert worden sein."

Yousef als Vorbild für Bombenbauer

Es sei nicht überraschend, dass Terroristen noch immer versuchten, Yousefs Pläne auszuführen. "Er hat Erfolge vorzuweisen. Sie bewundern seine Brillanz und seine Fähigkeiten zum Bombenbau", sagt Cressey. Ein früherer Unterdirektor der US-Bundespolizei FBI, Pat D'Amuro, sagt, das Londoner Komplott zeige, dass Terroristen gerne zu bestimmten Gebieten zurückkehrten, "wie sie es beim World Trade Center getan haben". Nachdem Yousef mit vier weiteren Personen 1993 unter dem Trade Center eine Bombe gezündet hatte, fuhr er über den Hudson und beobachtete den Rauch, der von den Türmen aufstieg, enttäuscht, dass die Hochhäuser nicht einstürzten. Bei dem Anschlag kamen sechs Menschen ums Leben, mehr als 1.000 wurden verletzt. Noch am selben Abend flog Yousef außer Landes. Ende 1994 spürten ihn Ermittler in den Philippinen auf.

Zu Yousefs Plänen, dem so genannten Bojinka-Projekt, zählte auch das Vorhaben, ein entführtes Flugzeug in das Hauptquartier des Geheimdienstes CIA bei Washington stürzen zu lassen und den damaligen Papst Johannes Paul II. und Präsident Clinton zu ermorden. Yousef wurde allgemein für das Bojinka-Projekt verantwortlich gemacht, doch an den Terrorplänen arbeitete auch sein Onkel, Khalid Scheich Mohammed. Mohammed, der im März 2003 in Pakistan festgenommen wurde, gilt als Drahtzieher der Terroranschläge vom 11. September 2001.

"Ich bin ein Terrorist und stolz darauf"

Zwei Monate vor seiner Festnahme im Februar 1995 in einem Unterschlupf Osama bin Ladens in Pakistan hatte Yousef seine Technik erfolgreich getestet. An Bord eines Flugzeugs baute er eine Bombe mit Hilfe einer manipulierten Digitaluhr und Flüssigsprengstoff, der in einer Flasche mit Kontaktlinsenreiniger verborgen war. Er legte die Bombe unter einen Sitz und verließ das Flugzeug der Philippine Airlines bei einem Zwischenstopp. Auf dem Weiterflug detonierte der Sprengsatz. Ein japanischer Geschäftsmann wurde getötet, zehn weitere Passagiere wurden verletzt. Der Pilot landete die Maschine sicher.

Nur zwei Wochen vor den geplanten Anschlägen flog das Bojinka-Projekt eher zufällig auf. Yousef und ein Komplize lösten in einer Wohnung in den Philippinen versehentlich einen kleinen Brand aus. Ermittler entdeckten daraufhin auf Computern in der Wohnung die Terrorpläne. Nach seiner Verurteilung in den USA zu lebenslanger Haft erklärte Yousef: "Ich bin ein Terrorist und stolz darauf." Tom Corrigan, ein an den früheren Ermittlungen gegen Yousef beteiligter Polizeibeamter aus New York, spricht von beunruhigenden Ähnlichkeiten zwischen dem Bojinka-Projekt und dem britischen Komplott. Der einzige Unterschied scheine zu sein, "dass es diesmal der Atlantik war. Damals war es der Pazifik."

Larry Neumeister/AP AP

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