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NSDAP: Ein Volk im Gleichschritt

Der Aufstieg Hitlers steht in direktem Zusammenhang mit dem Aufstieg der NSDAP. Als die Mitgliederstärke der Partei im Fühjahr 1933 von rund 850.000 auf über 2,5 Millionen anschwoll, musste sogar eine Aufnahmesperre verhängt werden.

Ursprung und Programm

Die NSDAP wurde am 5. Januar 1919 von Anton Drexler und Karl Harrer in München als Deutsche Arbeiterpartei gegründet und benannte sich ein Jahr später in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei um. Adolf Hitler trat der Partei im September 1919 bei und agierte zunächst als ihr Propagandachef. 1921 wurde Hitler zum Parteivorsitzenden mit umfangreichen Vollmachten gewählt und prägte fortan das Antlitz der Partei.

Im Februar 1920 stellten Drexler und Hitler ihr gemeinsam erarbeitetes 25-Punkte-Programm vor. Das Programm stellte eine Mischung aus populärsozialistischen und national-sozialistischen Ideen dar, die vor allem das Kleinbürgertum, aus dem sich anfangs NSDAP-Anhänger rekrutierten, ansprachen. In der Praxis allerdings erwies sich das Parteiprogramm relativ bedeutungslos, von den 25 Punkten blieben schließlich vier relevant: Schaffung eines Großdeutschland, Aufhebung des Versailler Vertrages, Erweiterung des Lebensraumes für die Ansiedlung der deutschen Bevölkerung sowie die Ausgrenzung und Vernichtung jüdischen Lebens.

Vom Lokalverband zur Putschistenpartei

Im November 1923 schien Hitler die politische Situation in Deutschland geeignet, eine nationale Erhebung zu entzünden und die "Judenherrschaft" zu beseitigen. Hitler war die Putschbereitschaft führender Konservativer und Militärs in Bayern und im Reich bekannt. An der Spitze des "Deutschen Kampfbundes" initiierte er am 8./9. November in Analogie zu Mussolinis Marsch auf Rom einen Marsch auf die Münchner Feldherrnhalle, um die bayerische und im Anschluss mit einem Marsch auf Berlin die Reichsregierung zu stürzen. Gegen Hitlers Erwartungen wurde der Putsch von der bayerischen Staatsgewalt niedergeschlagen; Hitler wurde verhaftet und wegen Hochverrats zu Festungshaft verurteilt. Die NSDAP, die mittlerweile auf 55 000 Mitglieder angewachsen war, wurde verboten. Bis zur Neugründung der Partei 1925 sammelten sich die Mitglieder in verschiedenen völkischen Gruppierungen.

Nach seiner Entlassung aus der Festungshaft gründete Hitler am 27. Februar 1925 die NSDAP neu und revidierte zugleich die Strategie der Partei in zwei entscheidenden Punkten: Die Partei wurde nun straff organisiert und regional untergliedert, die Präsenz wurde auf ganz Deutschland ausgeweitet. Die Partei gab außerdem ihre Putschtaktik auf und strebte die Macht auf legalem Wege an.

Führerprinzip und Freund-Feind-Modell

Programmatisch wirkte Hitlers unermüdliche Agitation, mit der er sein relativ einfaches und eingängiges Konzept publikumswirksam verbreitete. Nationalistische Programmdiskussionen hatten sich als erfolglos erwiesen, wenn es darum ging, Anhänger zu mobilisieren; daher machte Hitler ein simplifiziertes, konkretes Freund-Feind-Modell zur Basis seiner Agitation. Innerhalb der Partei hatte er keinen ernsthaften Widerpart. Hitlers "Führerabsolutismus" mit einer einzigartigen Machtfülle sowie die enge Verflechtung von Partei und Staat kennzeichneten das politische System in Deutschland bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Die Partei gliederte sich streng nach dem "Führerprinzip". Oberstes Organ der Partei war die Reichsleitung mit Hitler als letzter Instanz. Die NSDAP erstreckte sich in Gaue, Kreise, Ortsgruppen, Zellen und - als kleinste Einheit - in Blocks, die zwischen 40 und 60 Haushalte umfassten. Gliederungen der Partei waren neben SA (Sturmabteilung) und HJ (Hitlerjugend) die NS-Frauenschaft (NSF), die Schutzstaffel (SS), das NS-Kraftfahrerkorps (NSKK), der NS-Deutscher Studentenbund (NSDStB) sowie ab Juli 1944 der NS-Deutscher Dozentenbund (NSDD). Im Gegensatz zu den Gliederungen besaßen die sieben angeschlossenen Verbände der Partei - Deutsche Arbeitsfront (DAF), NS-Volkswohlfahrt (NSV), NS-Kriegsopferversorgung (NSKOV), NS-Deutscher Ärztebund (NSDÄB), NS-Lehrerbund (NSLB), Beamtenbund und NS-Juristenbund - eine eigene Rechtspersönlichkeit und eigenes Vermögen.

Im Zuge der Weltwirtschaftskrise erfolgte der rasante Aufstieg der Partei. Am 31. Juli 1932 bekam die NSDAP 37,4 Prozent der Stimmen und wurde mit 230 Sitzen stärkste Partei im Reichstag. Trotz des Wahlerfolges der NSDAP im Juli 1932 lehnte Hitler eine Regierungsbeteiligung ab; als Führer der stärksten Partei forderte er das Kanzleramt für sich selbst, das ihm Reichspräsident Paul von Hindenburg vorläufig noch verweigerte. Bei den Reichstagswahlen vom 6. November 1932 verlor die NSDAP über vier Prozent der Stimmen, blieb aber weiterhin stärkste Partei. Auf massiven Druck ernannte Hindenburg schließlich am 30. Januar 1933 Hitler zum Reichskanzler einer Koalitionsregierung aus NSDAP und DNVP.

Auf dem Weg zum Einparteienstaat

Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum neuen Reichskanzler erreichte die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei durch Terror und Propaganda innerhalb weniger Monate die Festigung ihrer Herrschaft. Verbote und Selbstauflösungen der anderen Parteien führten im Sommer 1933 zur Errichtung des Einparteienstaats und zur Monopolisierung der Macht durch die NSDAP, die am 1. Dezember 1933 im "Gesetz zur Sicherung der Einheit von Partei und Staat" auch rechtlich ihren Ausdruck fand. Gleichzeitig war sie zur "Trägerin des deutschen Staatsgedankens" erklärt worden. "Unlöslich verbunden" mit dem Staat, war die NSDAP im NS-Regime vor allem für die "Führerauslese" für staatliche Machtpositionen zuständig.

Die Besetzung wichtiger Schlüsselpositionen im Staatsapparat und in Organisationen, Fabriken und lokalen Behörden mit Nationalsozialisten war im Frühjahr 1933 von einem Massenbeitritt karrierebewusster und politisch opportunistischer Beamter und Angestellter in die NSDAP begleitet. Als die Mitgliederstärke der NSDAP zwischen Januar und April 1933 von rund 850.000 auf über 2,5 Millionen anschwoll, verhängte die eine vorläufige Aufnahmesperre. Nach deren Aufhebung 1937 stieg die Zahl der Parteimitglieder bis 1939 auf 5,3 Millionen an. 1945 war jeder fünfte erwachsene Deutsche einer von insgesamt 8,5 Millionen Parteigenossen.

Nicole Bockstaller