US-Präsidenten in Deutschland Auftritte, die Geschichte machten


Jeder der elf amerikanischen Staatschefs seit 1945 kam mindestens einmal nach Deutschland. Der Besuch von US-Präsident John F. Kennedy inmitten des Kalten Krieges blieb bis heute der bedeutendste.

John F. Kennedy ging auf Nummer sicher. An der entscheidenden Stelle seiner Berliner Rede am 26. Juni 1963 wollte der damalige US-Präsident nicht patzen. Auf einem Spickzettel notierte er handschriftlich die deutsche Aussprache des letzten Satzes: "Ish bin ein Bearleener". Die Wirkung war überwältigend: Rund 300.000 Berliner, die sich vor dem Schöneberger Rathaus versammelt hatten, bedankten sich mit stürmischem Jubel für das Bekenntnis des Präsidenten. Der Satz "Ich bin ein Berliner" hat seitdem einen Stammplatz in den Geschichtsbüchern.

Der Besuch Kennedys inmitten des Kalten Krieges blieb bis heute der bedeutendste eines US-Präsidenten in Deutschland. Insgesamt gab es seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs 18 solcher Visiten. Jeder der elf amerikanischen Staatschefs seit 1945 kam mindestens einmal nach Deutschland.

Den Anfang machte Truman

Der erste war Harry S. Truman. Gut zwei Monate nach Kriegsende handelte er in Potsdam mit den britischen Premierministern Winston Churchill und Clement Attlee sowie dem sowjetischen Staats- und Parteichef Josef Stalin die europäische Nachkriegsordnung aus. Mehr als zwei Wochen residierte Truman im Villenviertel Neubabelsberg, die Gespräche fanden im Schloss Cecilienhof statt. Am 2. August wurde das Potsdamer Abkommen unterzeichnet, das die Demokratisierung, Entmilitarisierung, Entnazifizierung und Dezentralisierung Deutschlands regelte.

Anschließend dauerte es 14 Jahre, bis mit Dwight D. Eisenhower erneut ein amerikanischer Präsident nach Deutschland kam. In Bonn traf er sich 1959 mit Bundeskanzler Konrad Adenauer, vor allem um sein Gipfeltreffen mit dem sowjetischen Staatschef Nikita Chruschtschow im selben Jahr vorzubereiten.

Vier Jahre später besuchte Kennedy als erster US-Präsident das geteilte Berlin. Hunderttausende Menschen säumten die Straßen, als er mit seiner Wagenkolonne durch den Westteil der Stadt fuhr, um den nur zwei Jahre zuvor die Mauer errichtet worden war. "Die Mauer ist die abscheulichste und die stärkste Demonstration für das Versagen des kommunistischen Systems", sagte Kennedy vor dem Schöneberger Rathaus. "Die Freiheit ist unteilbar, und wenn auch nur einer versklavt ist, dann sind alle nicht frei."

"Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!"

Ein ähnlich geschichtsträchtiger Auftritt gelang lediglich Ronald Reagan. 1987 richtete er in seiner Rede an der Mauer auf der Westseite des Brandenburger Tores einen unvergessenen Appell an den sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow. "Herr Gorbatschow, öffnen Sie dieses Tor! Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!" In Erinnerung blieb der Reagan-Besuch aber auch wegen heftiger Straßenschlachten zwischen Demonstranten und der Polizei.

Reagan kam insgesamt drei Mal nach Deutschland. Übertroffen wurde er nur von Bill Clinton, der es in seiner achtjährigen Amtszeit auf fünf Visiten brachte. Im Juli 1994 sprach Clinton als erster US-Präsident im Ostteil der Stadt: im früheren Sperrgebiet an der Ostseite des Brandenburger Tors. Nach dem Vorbild Kennedys formulierte Clinton den zentralen Satz seiner Rede auf Deutsch: "Amerika steht an ihrer Seite, jetzt und für immer."

George W. Bush blieb bei seinem ersten Deutschland-Besuch vor drei Jahren nur 19 Stunden. In Berlin traf er sich mit Bundeskanzler Gerhard Schröder und hielt als dritter US-Präsident nach Nixon und Reagan eine Rede vor dem Bundestag. "Amerika und Europa brauchen einander, um den Krieg gegen den Terrorismus zu führen", sagte er vor den Abgeordneten. Auch beim zweiten Mal wird sich Bush nur wenige Stunden in Deutschland aufhalten.

In den Fußstapfen des Vaters

Mit seinem Besuch in Mainz tritt er in die Fußstapfen seines Vaters. Auch George Bush senior kam 1989 in die rheinland-pfälzische Hauptstadt. In seiner Rede in der Rheingoldhalle beschrieb er das deutsch-amerikanische Verhältnis mit dem viel zitierten Begriff der "Partners in Leadership": "Die Amerikaner und die Bundesrepublik waren immer enge Freunde und Verbündete. Heute übernehmen wir darüber hinaus noch eine gemeinsame Aufgabe - als Partner in einer Führungsrolle."

Michael Fischer/AP AP

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