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Podcast "heute wichtig" Holocaust-Überlebende Dita Kraus: "Hass ist etwas, das man lernt"

Dita Kraus
Dita Kraus über ihre Gefangenschaft in Bergen Belsen: "Am Ende lebten wir zwischen Leichen. Da lagen die unbegrabenen Toten herum. Man wurde gefühlslos. Die Gefühle wurden eingefroren, als wären sie hinter einer Eiswand."
© Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte
Theresienstadt, Auschwitz, Neuengamme, Bergen-Belsen. Diese Namen stehen für eine Odyssee des Grauens – Dita Kraus hat sie überlebt. Sie ist eine der letzten Zeitzeug:innen, die noch darüber sprechen kann, was ihr während des Holocaust widerfahren ist.

"Es ist, als könnte ich immer nur die Randerscheinungen erzählen, nie die Wunde selbst", schreibt Dita Kraus in ihren Memoiren "Ein aufgeschobenes Leben". Der Satz beschreibt die Unaussprechlichkeit dessen, was sie erleben musste.

Dita Kraus wird 1929 in Prag geboren, wächst unbeschwert auf. Bis die Deutschen 1938 das Sudetengebiet annektieren, hat sie den Begriff "Jude" noch nicht einmal gehört. Dann ändert sich alles. 1942 wird sie nach Theresienstadt deportiert. Als Jugendliche verliert sie ihren Vater in Auschwitz, ihre Mutter stirbt kurz nach der Befreiung von Bergen-Belsen. Nach dem Krieg kehrt Dita Kraus nach Prag zurück. Heute ist sie 93 Jahre alt und lebt in Israel.

Die Grauen der Konzentrationslager: "Man wurde gefühllos"

Im Gespräch mit "heute wichtig"-Redakteurin Laura Csapó erzählt sie in der 448. Folge des Podcast von Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit, von unvorstellbarer Grausamkeit. Sie spricht davon, was Hunger bedeutet und was es heißt, als Mädchen in der Pubertät in einem Konzentrationslager aufzuwachsen.

"Man wurde gefühlslos. Die Gefühle wurden eingefroren, als wären sie hinter einer Eiswand", erzählt sie über die letzten Tage in Bergen-Belsen. Man sei eingesperrt worden, um zu sterben. Inmitten des Grauens kommt einem das Fühlen völlig abhanden, schildert die 93-Jährige. "Es dauerte sehr lange, bevor ich wieder Mitleid oder Freude empfand", sagt Dita Kraus im Podcast. Mit ihrem Mann Otto – ebenfalls ein Auschwitz-Überlebender – lernt sie das auszusprechen, was eigentlich nicht auszusprechen war.

Holocaust-Überlebende Dita Kraus: "Hass ist nicht natürlich, Hass ist etwas, das man lernt"

Seit den 1990er-Jahren berichtet sie als Zeitzeugin von ihrer Geschichte, von ihrem "aufgeschobenen Leben", das sie inzwischen eingeholt hat, wie sie sagt. Ihre Erzählungen erschüttern und rütteln auf, aber sie sind auch voller Lebensmut. Wenn Sie mit Schüler:innen spricht und gefragt wird, was man mitnehmen kann von ihrer Geschichte, hat sie eine klare Botschaft: "Hass ist nicht natürlich. Hass ist etwas, das man lernt. Man muss erziehen gegen den Hass. Und wenn wir damit heute beginnen und die nächste Generation so weitermacht, gibt es Hoffnung."

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