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"heute wichtig" Missbrauch in der Manege: Warum es ein Wildtierverbot braucht

Der Dompteur Martin Lacey jr. während eines Auftritts mit einem Löwen im iCircus Krone (Archivbild)
Der Dompteur Martin Lacey jr. während eines Auftritts mit einem Löwen im Circus Krone (Archivbild)
© Ursula Düren / DPA
"Zirkus mit Tieren ist überhaupt nicht zeitgemäß", sagt die Peta-Expertin, Dr. Yvonne Würz. Trotzdem ist Deutschland eines von nur drei Ländern in der EU, das Wildtiere im Zirkus noch uneingeschränkt zulässt.

"Zirkus ja, aber ohne Tiere", sagt Yvonne Würz von "Peta" in der aktuellen Podcast-Folge. Man wisse heute, wie sehr Tiere im Zirkus leiden. "In den Zirkussen liegt der Fokus auf der Dressur, der Vorführung der Tiere – das heißt, da kommt oftmals Gewalt und Zwang dazu."

"Es braucht ein ordentliches Wildtierverbot in Deutschland"

Mehr als ein Drittel der Deutschen lehne Wildtiere im Zirkus bereits ab. Und während namhafte Zirkusunternehmen wie der Cirque du Soleil oder Roncalli seit Jahren auf Auftritte mit Tieren verzichten, hält zum Beispiel der Circus Krone immer noch daran fest. Der ist aktuell am Heiligengeistfeld in Hamburg zu Gast und hat wieder viele Tierschützer:innen mobilisiert, sich für ein Wildtierverbot im Zirkus starkzumachen. Auch "Peta" fordert ein Verbot von Wildtieren, bestenfalls aber von allen Tieren, im Zirkus. Die Politik müsse ran, sagt Yvonne Würz. Der letzte Versuch, unter der damaligen Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner, sei ein "Feigenblatt" gewesen. Es brauche ein "ordentliches Wildtierverbot".

Missstände und Verhaltensstörungen in Zoos

Nicht nur bei Zirkussen, auch in Zoos und Tierparks beklagt "Peta" Missstände und Verhaltensstörungen bei den Tieren. "Zoos rühmen sich mit Artenschutz, aber wenn man kritisch hinsieht, ist das nicht der Fall", sagt die Biologin. Der Platzmangel sei nach wie vor enorm, dazu komme die soziale Komponente. "Normalerweise sind Tiere ihr Leben lang in Familienverbänden, im Zoo werden sie getrennt." Auf der anderen Seite werden laut Würz Tiere miteinander vergesellschaftet, die sich eigentlich gar nicht vertragen. "Da sehen wir ganz viele körperliche und seelische Erkrankungen."

Auch Laien können das Leid der Tiere sofort erkennen, sagt die Biologin, etwa, wenn ein Tier unruhig auf und ab schreitet oder den Kopf schüttelt. Das Wichtigste wäre ihrer Meinung nach sensible Tierarten wie Menschenaffen, Elefanten, Delfine oder Großkatzen sofort über Zuchtstopps auslaufen zu lassen. "Ein Tier, was sein Leben lang in Gefangenschaft gelebt hat, auszuwildern, könne aber sehr riskant sein. Abhilfe schaffen zum Beispiel Auffangstationen, weitläufige Parks, etwa für Bären, oder betreute Meeresbuchten. Solche Stationen seien außerdem eine gute Alternative für Tierpark-Liebhaber, denn für die gibt es eine klare Antwort von Yvonne Würz: "Wir sehen es so, dass Tiere nicht zur menschlichen Unterhaltung da sind und man Zoos ganz klar nicht unterstützen sollte."

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