VG-Wort Pixel

Ohne klimaschädliche Subventionen Neue Regierung könnte mit Umweltschutz Milliarden sparen

Das Kohlekraftwerk Mehrum in Niedersachsen
Laut einer Studie müsste der Kohleausstieg weltweit fünf Mal schneller ablaufen. Für die neue Regierung könnte sich der Klimaschutz auch finanziell lohnen. (Symbolfoto)
© Julian Stratenschulte / DPA
Klimaschutz ist teuer? Ganz im Gegenteil! Das hat jetzt das Umweltbundesamt mit einer Kalkulation errechnet. Demnach könnte die neue Regierung Beträge in zweistelliger Milliardenhöhe sparen.

Klimaschutz ist mit hohen Kosten verbunden und hemmt die Wirtschaft – das ist ein häufig vorgetragenes Argument, wenn es darum geht, umweltfreundliche Alternativen für die unterschiedlichsten Bereiche zu schaffen. Doch das ist ein Irrtum, hat nun das Umweltbundesamt (UBA) festgestellt. 

Laut einer neuen Studie subventionierte die Bundesregierung 2018 mit etwa 65,4 Milliarden Euro klimaschädliche Industrie. Mit 30,8 Milliarden Euro entfiel knapp die Hälfte auf den Straßen- und Flugverkehr. Zum Beispiel in Form von Steuervergünstigungen für die Nutzung von Dieselfahrzeugen. Trotz gesteigerter Bemühungen, die Umwelt zu schützen, seien die klimaschädlichen Subventionen sogar gestiegen, erklärt der Präsident des UBA Dirk Messner. 2012 hätten solche staatlichen Unterstützungen 57 Milliarden Euro betragen. 

Somit könnte jährlich eine zweistellige Milliardensumme frei werden, sollte sich die neue Bundesregierung dafür entscheiden, umweltschädliche Subventionen zurückzufahren. Zudem zeige die Studie, dass vor allem Besserverdienende von den Subventionen profitieren. Das UBA gibt etwa das "Dienstwagenprivileg" als Beispiel an, das Oberklassewagen mit hohem Verbrauch steuerlich besonders attraktiv macht.

"Diese Subventionen sind aus der Zeit gefallen"

Etwa 54 Milliarden Euro an Subventionen würden zur Luftverschmutzung beitragen und der Gesundheit der Bevölkerung schaden. "Diese Subventionen sind aus der Zeit gefallen", resümiert Messner. Der UBA-Chef appelliert an die neue Bundesregierung die Subventionen, zu verringern und in klimafreundliche Projekte davon profitieren. 

Auch in der Landwirtschaft könnte ordentlich gespart werden. Etwa durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer auf tierische Produkte. Hier wären Summen von etwa fünf Milliarden Euro in Aussicht, die wiederum in mehr Klimaschutz investiert werden könnten, so Messner.

Die Vorschläge des UBA, in mehr klimafreundliche Alternativen zu investieren, stützen eine weitere Studie, die das World Ressources Institute veröffentlicht hat. Die Wissenschaftler des Institutes untersuchten insgesamt 40 Bereiche der Wirtschaft. Das Hauptaugenmerk lag dabei darauf, ob und wie schnell die Branchen sich transformieren, um möglichst klimaneutral zu werden und somit das Pariser Klimaabkommen einhalten. 

Welt "versagt" dabei, klimatischen Zusammenbruch zu verhindern

Untersucht wurden unter anderem der Energiesektor, die Schwerindustrie, die Agrarwirtschaft, Logistik, Finanzen und die Technologiebranche. Das Ergebnis: Keine der Branchen wandele sich derzeit schnell genug, um das 1,5 Grad-Ziel zu erreichen. Die Wissenschaftler gehen sogar soweit, zu sagen, dass die Welt derzeit dabei versage, die Veränderungen umzusetzen, die einen klimatischen Zusammenbruch verhindern. 

Dabei habe der Wert von Gasen in der Atmosphäre, die zur Erderwärmung beitragen, im vergangenen Jahr ein Allzeitrekord gebrochen.

Derweil warnt die UNO genau hiervor. Die Förderung fossiler Brennstoffe übersteige "bei weitem" die Grenze, um das 1,5 Grad-Ziel einzuhalten. "Wir müssen jetzt in jedem Sektor alle Register ziehen, um unsere Stromerzeugung, Ernährung, unsere Landwirtschaft und noch vieles mehr gleichzeitig zu verändern", betont die Co-Autorin der Studie, Kelly Levin.

Kohleausstieg müsste fünf Mal so schnell gehen

Der Kohleausstieg müsse der Studie zu Folge fünf Mal so schnell ablaufen, wie bisher geplant, während die Aufforstung dreimal schneller geschehen müsse. Instrumente zur Finanzierung von Klimaschutz müsse zudem 13 mal schneller realisiert werden.

Doch nicht nur die Industrie müsse Verantwortung übernehmen, so die Autoren der Studie. Es komme auf jeden Einzelnen an. Insbesondere in wohlhabenden Ländern, etwa in Nordamerika und Europa sei es nötig, den Konsum von Rindfleisch 1,5 mal schneller zu reduzieren als derzeit. Die Studie gibt ein ungefähres Ziel von etwa anderthalb Portionen Fleisch pro Person und Woche an, das zu signifikanten Einsparungen der Treibhausgas-Emissionen führen würde.

Kurz vor der Weltklimakonferenz in Schottland betonen die Autoren deshalb: "Wenn das so weitergeht, werden wir die Ziele zur Vermeidung eines katastrophalen Klimawandels kläglich verfehlen. Es ist sehr besorgniserregend, dass wir in keinem dieser Zielbereiche auf dem richtigen Weg sind", sagt Levin. 

Quelle: Umweltbundesamt, World Ressources Institute, mit Material von DPA


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker