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Verena Pausder "Ich bin eine Gründer-Quotenfrau"

Die Unternehmerin Verena Pausder glaubt, in Deutschland habe es die Frauenquote schwerer, weil die Deutschen weniger risikofreudig sind. Dabei seien gemischte Teams besser, bringen mehr Leistung und damit mehr Wirtschaftskraft.

Frau Pausder, ist die Frauenquote ein Wagnis für Unternehmen?

Wir haben uns 100 Jahre getraut, die Frauenquote nicht einzuführen, wenn man von der Einführung des Wahlrechts für Frauen bis heute geht. Das war eigentlich das wesentlich größere Experiment und Wagnis. Denn alle Studien sagen gemischte Teams sind besser, bringen mehr Leistung und damit mehr Wirtschaftskraft. 

In welchen Momenten haben Sie gemerkt, Sie werden als Frau anders behandelt?

Wenn ich zum ersten Mal in männerdominierte Runden komme. Dann heißt es häufig, wie charmant, dass sie uns heute beglücken, wie schön, sie bringen Farbe in den Raum – aber die inhaltlichen Gründe, weshalb ich da bin, spielen dann zunächst nicht die Hauptrolle. Und häufig kommt dann noch: Wie machen Sie das dann mit Ihren Kindern heute Abend? Wer passt denn auf die gerade auf? Mein Mann wird das nie gefragt, obwohl er sich genauso in die Betreuung einbringt. 

Warum tut sich insbesondere in Deutschland so wenig?

Wir sind generell ein Land, das Sicherheit vor Mut und Risiko stellt. Wir mögen das, was wir kennen, mit Veränderung tun wir uns schwer. Und so sehen wir auch bei der Einführung der Frauenquote hauptsächlich die Risiken statt die Chancen. 

Das kann man auf alle Bereiche übertragen. Wir gründen wenig, wir legen unser Geld wenig in Aktien an. Überall, wo wir ins Risiko gehen müssen, tun wir uns schwerer als viele andere Länder. 

© Carolin Windel / stern

Sind Sie eine Quotenfrau? 

Ich bin eine Art Gründer-Quotenfrau. Denn von uns gibt es sehr wenige in der Gründerszene, etwa 15% und da ist man immer noch eine Exotin. Die berühmte gläserne Decke ist beim Gründen zwar nicht so sichtbar, aber sie ist da, wenn es um die Beschaffung von Risikokapital geht. 96% der Partner von Venture Capital Gebern sind Männer und diese geben ihr Geld besonders gerne an männliche Gründer. Das führt dazu, dass weltweit nur 2,5% des gesamten Risikokapitals in frauengeführte Startups investiert werden.

Und wenn man es geschafft hat?

Dann bekommt man viel mehr Aufmerksamkeit und Reichweite, als ein Mann, der etwas Vergleichbares geschafft hat. Und bei Preisverleihungen eventuell einen Frauenbonus, um die wenigen Gründerinnen, die es gibt, ans Licht zu heben. Deshalb ist es für mich persönlich sehr wichtig, dass ich diese besondere Sichtbarkeit nutze, um mehr Frauen für Unternehmertum zu begeistern. 

Uns interessieren auch Ihre Erfahrungen und Ihre Meinung. Wie sieht es in Ihrem Job aus? Könnten Sie mehr Frauen oder Männer gebrauchen? Schreiben Sie uns unter quotenfrau@stern.de


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