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Infografiken zur stern-Studie Was die SPD über die SPD denkt


Vergangene Woche veröffentlichte der stern Teile einer umfangreichen Studie zur SPD. Hier der Nachtrag - aufbereitet in übersichtlichen Infografiken.
Von Florian Gossy und Lutz Kinkel

Vorsitzender der SPD zu sein - das sei das schönste Amt neben Papst, sagte Franz Müntefering einst. Und er meinte es vermutlich nicht einmal ironisch. Von seinen Nachfolgern ist kein vergleichbarer Satz bekannt. Wie auch. Der Parteichef der Sozialdemokraten hat einen ähnlich erfreulichen Arbeitsalltag wie, sagen wir: der Chef des Berliner Großflughafens BER. Überall hakt es, ständig pöbelt einer rum, Baustelle, soweit das Auge reicht.

Um nur ein Beispiel zu nennen: Kürzlich meldete sichTorsten Albig, Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, und empfahl seiner Partei indirekt, den Bundestagswahlkampf 2017 abzusagen. Es habe keinen Sinn, einen Kanzlerkandidaten aufzustellen, ein Spitzenkandidat sei ausreichend. Weil: Angela Merkel sei ja kaum zu besiegen, sie mache ihre Sache "ausgezeichnet".

Das Lob für Merkel war natürlich auch eine knallige Kritik an Sigmar Gabriel, den aktuellen Parteichef der Sozialdemokraten. Denn es wird aller Wahrscheinlichkeit nach er sein, der bei den Bundestagswahlen 2017 gegen Merkel antreten muss. Was aber denken die normalen SPD-Mitglieder über Gabriel? Hier das Resultat - inklusive eines Vergleichs mit einer Erhebung über Kurt Beck in dessen Krisenjahr 2008. Das sieht nicht gut aus Gabriel - aber es gibt zumindest einen kleinen Trost. "Die SPD-Mitglieder sind demoralisiert und frustriert, sehen aber die Schuld für schlechten Umfragewerte nicht bei sich selbst", sagt Forsa-Chef Manfred Güldner, der die Untersuchung geleitet hat. "Ich bin mir nicht sicher, ob ein anderer Parteivorsitzender sie besser motivieren könnte."

Erstaunlich weit oben in der Gunst der Genossen steht Außenminister Frank-Walter Steinmeier - obwohl die SPD mit ihm die Wahl 2009 krachend verloren hatte. Er ist in seiner Partei auch der mit Abstand beliebteste sozialdemokratische Minister der Großen Koalition. Wie unglücklich die Sozialdemokraten mit der Großen Koalition sind, lässt sich an den folgenden beiden Grafiken ablesen. Die Mehrheit hat das Gefühl, in der Regierung gingen die sozialdemokratischen Grundwerte verloren. Was an Erfolgen übrig bleibt, macht in ihren Augen die Kanzlerin kaputt. Wie stark das Regieren eine Programmpartei wie die SPD traumatisieren kann, zeigt der Streit um die Agenda 2010, der noch immer noch in den Eingeweiden der Partei rumort. 54 Prozent der SPD-Mitglieder findet es richtig, dass Gabriel die Agenda teilweise rückgängig gemacht hat. 39 Prozent aber lehnen die Korrekturen ab. "Die SPD hat beim Regieren ständig ein schlechtes Gewissen, weil sie ihre geheiligten Grundsätze nicht einhalten kann", sagt Güllner. "Bei der CDU ist das ganz anders. Das gilt die Regel: Hauptsache wir stellen den Kanzler."

Weil den Genossen so viel an der reinen Lehre liegt, haben sie zumindest eine klare Präferenz für die Koalitionsbildung nach der nächsten Bundestagswahl: Sie wollen Rot-Rot-Grün und damit einen klaren Linkskurs. Bei den Wählern der SPD ist das Meinungsbild übrigens ein anderes: 36 Prozent plädieren für Rot-Rot-Grün, ein ebenso hoher Anteil der Befragten kann sich vorstellen, die Großen Koalition fortzusetzen. Unter der Gesamtheit der Wahlberechtigten halten nur 24 Prozent Rot-Rot-Grün für eine Option. Was bedeutet: Die Parteibasis tickt linker als die Wählerschaft. Das zwingt den Parteichef in einen schmerzhaften Spagat.

Wie kann ein sozialdemokratischer Spitzenpolitiker in dieser zerklüfteten Meinungslage erfolgreich regieren, ohne sich ständig Widerspruch und Zurechtweisungen von den eigenen Leuten einzufangen? Vielleicht sollte Gabriel mal Müntefering fragen.

Grafiken: Florian Gossy

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