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Tumulte bei Parteitag: Pauli wirft ihre Stellvertreter aus dem Saal

Selbst in ihrer eigenen Partei findet Gabriele Pauli keine Ruhe: Auf dem Parteitag der Freien Union haben sich chaotische Szenen abgespielt. Pauli warf zwei ihrer Stellvertreter aus dem Saal, es kam fast zu Handgreiflichkeiten. Danach wurde sie zur Vorsitzenden wiedergewählt.

Beim Bundesparteitag der Freien Union um die frühere CSU-Politikerin Gabriele Pauli ist es in Celle zu Tumulten gekommen. Kritiker Paulis, die ihr einen autoritären Führungsstil vorwerfen, prallten mit ihren Sympathisanten zusammen. Es kam beinahe zu Handgreiflichkeiten. Pauli, die die Mehrheit der Mitglieder in Celle hinter sich hat, verwies ihre entlassene Stellvertreterin Sabrina Olsson aus dem Saal. Sie und der ebenfalls von Pauli aus seinem Amt entlassene Vorstandsvize Michael Meier wurden nicht mehr in die Halle gelassen. Nach den chaotischen Szenen verwies Pauli auch die Journalisten des Saales.

Die zwei Vorstandsmitglieder hatten Pauli zuvor einen antidemokratischen Führungsstil vorgeworfen, zudem hielten sie den Bundesparteitag für rechtswidrig. Die Mehrheit der Mitglieder - rund 150 Menschen waren zu der Versammlung nach Celle gekommen - stützten Pauli jedoch. Angesichts teils chaotischer Szenen hatte die Parteivorsitzende noch zur Geschlossenheit aufgerufen. "Wir müssen nach vorne schauen und uns neu aufstellen."

Pauli hatte die Freie Union am 21. Juni gegründet, vier Wochen später hatte sie sich von ihren Stellvertretern Olsson und Meier getrennt. Diese gehen juristisch gegen die Amtsenthebung vor, saßen am Sonntag in Celle aber zunächst mit auf dem Podium. Pauli sagte, die Freie Union solle sich weniger mit juristischen Auseinandersetzungen und wieder mehr mit politischen Inhalten beschäftigen.

Konkret hatte Pauli-Kritiker Meier der Vorsitzenden offen vorgeworfen, sie habe ihn und die zweite Stellvertreterin "einfach abgeschossen" - ohne Präsidiums- und Vorstandsbeschluss. Kritische Mitglieder würden nicht geduldet. Die stellvertretende Bundesvorsitzende Olsson sagte: "Wir sind doch hier nicht in einer Monarchie." Der Parteitag ist aus ihrer Sicht gar nicht beschlussfähig und verstößt gegen die Satzung. Sie werde sich weiter gegen eine Amtsenthebung wehren, sagte Olsson. Die beiden Kritiker standen beim Parteitag aber weitgehend alleine da. "Sie machen Frau Pauli den Weg schwer", hieß es bei den Mitgliedern. Pauli solle freie Hand bekommen.

Trotz der Querelen ist Pauli als Bundesvorsitzende der Freien Union wiedergewählt worden. Nach eigenen Angaben erhielt sie 93 Prozent der Stimmen. Bei der Bundestagswahl wird die Freie Union nach eigenen Angaben nur in Bayern antreten können, in den anderen Bundesländer reichen die Unterstützerunterschriften nicht. Pauli, die 2007 nach heftigen Streitereien die CSU verlassen hatte, fordert unter anderem eine Direktwahl des Bundeskanzlers und der Ministerpräsidenten sowie ein bundesweit einheitliches Bildungssystem.

DPA / DPA