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Gabriele Pauli: Zurück ins Amt über Westerland

Die 13.000-Einwohner Gemeinde Sylt wählt heute einen neuen Bürgermeister. Sechs Kandidaten bewerben sich - für Aufsehen sorgt aber vor allem eine Frau aus Bayern: Gabriele Pauli.

Früher Landrätin und "CSU-Rebellin", will sie jetzt Bürgermeisterin von Sylt werden: Gabriele Pauli

Früher Landrätin und "CSU-Rebellin", will sie jetzt Bürgermeisterin von Sylt werden: Gabriele Pauli

Sie hat zuletzt viele Niederlagen einstecken müssen - doch ihre Wirkung auf die Öffentlichkeit hat sie nicht verloren: Nach bitteren Jahren in Bayern will Gabriele Pauli auf der Nordseeinsel Sylt einen Neuanfang wagen. Noch nie wurde bundesweit so viel über eine Bürgermeisterwahl auf der bei den Schönen und Reichen beliebten Insel berichtet wie vor der Abstimmung am Sonntag.

Die als CSU-Rebellin zu bundesweiter Bekanntheit gelangte Pauli tritt als einzige Frau gegen fünf Männer an. Als Erfolg darf die 57-Jährige verbuchen, dass ihre Kandidatur auf Sylt mittlerweile ernst genommen wird. Ob die Forderung nach einem Begrüßungsgeld von 5000 Euro für Neugeborene als Mittel gegen den fehlenden Nachwuchs oder eine effizientere Verwaltung: Was Pauli sich in ihrem Wahlprogramm überlegt hat, wird dort diskutiert.

Wohnung in Tinnum

"Es ist eine Herzentscheidung. Sylt ist allen Einsatz wert", sagte Pauli der "Sylter Rundschau" über ihre Bewerbung. Als die Bayerin im September die für eine Bewerbung formal nötigen 135 Unterschriften sammelte, brauchte sie nur zwei Stunden, um diese auf dem Hausfrauen-Markt auf Westerland zu sammeln. In der von der Punkrock-Gruppe "Die Ärzte" legendär besungenen Gemeinde lebt sie allerdings nicht - sie hat sich eine kleine Wohnung in Tinnum gemietet, der zentralsten der Sylter Gemeinden.

Aus München nach Tinnum - für Pauli scheint dies der einzige Weg, um noch einmal politisch Fuß fassen zu können. Nach der Landtagswahl 2013 hatte sie ihr Mandat verloren und musste damit auch ihre politische Karriere in Bayern beenden.

Paulis Bekanntheit rührt aus dem Jahr 2006. Damals war sie noch Landrätin für die CSU im fränkischen Fürth. Den Posten hatte sie 1990 als Außenseiterin gewonnen und danach 18 Jahre gehalten. Und Pauli wagte etwas: Sie kritisierte offen Edmund Stoiber. Die damals mit ihrem Motorrad durch die Lande bretternde alleinerziehende Mutter einer Tochter ließ wenige Gelegenheiten aus, dem CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten Seitenhiebe zu verpassen.

Von der eigenen Partei abgelehnt

Stoiber bekam seine schärfste Kritikerin nicht mehr in den Griff. Als diese kurz vor Weihnachten 2006 im CSU-Vorstand öffentlich machte, dass der Büroleiter Stoibers über Männergeschichten und mögliche Alkoholprobleme geschnüffelt habe, beschleunigte sich die politische Erosion Stoibers. Kurz darauf wurde er in Wildbad Kreuth gestürzt - und Pauli wähnte sich auf dem Weg nach ganz oben.

Als Ministerin sah sich Pauli. Stellvertretende CSU-Chefin wollte sie werden. "Ich will durchstarten", sagte sie. Doch die neue CSU-Führung ließ sie eiskalt abblitzen. Auf die Ablehnung ihrer Partei reagierte Pauli mit immer größeren Provokationen. Für erste Aufregung sorgte, als sie sich in gewagten Posen mit Latex-Handschuhen fotografieren ließ. Als nächsten Schritt kandidierte sie um den CSU-Vorsitz. Bevor sie Ende September 2007 klar gegen Erwin Huber und den damals zweitplatzierten Horst Seehofer verlor, sorgte sie wieder für Aufregung. Pauli forderte, die Dauer von Ehen auf sieben Jahre zu begrenzen.

Während die CSU gerade mit der Forderung nach einer Deutschpflicht für Ausländer auch in den eigenen Familien selbst einen etwas wirren Vorschlag machte, erklärten damals führende CSU-Politiker Pauli zum Fall für den Psychiater. Diese wechselte zu den Freien Wählern und zog 2008 mit einem glänzenden Ergebnis in den Landtag ein.

yps/Reuters/DPA / DPA / Reuters