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Brauchtum: Sonne, Fasching, Narrensturm

Petrus muss ein Jecke sein: Pünktlich zum Höhepunkt des Karnevals wird Deutschland mit viel Sonnenschein verwöhnt. Mit dem Sturm auf die Rathäuser wurde jetzt die heiße Phase der Straßenfastnacht eingeläutet.

Rund 1000 Kostümierte stürmten drei Mal gegen das Saarbrücker Rathaus an, bis Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) den Schlüssel herausrückte. Auch in den hessischen Städten Frankfurt, Wiesbaden und Kassel wollten die Narren die Amtsstuben stürmen. In Mainz bereiteten sich rund 4000 Nachwuchs-Narren für den Jugendmaskenzug am Nachmittag vor. In den rheinischen Karnevalshochburgen wurde am Samstag zunächst vorwiegend in den Kneipen und auf privaten Partys gefeiert. Erst für den Abend war "Open-Air-Karneval" geplant. In Düsseldorf startete der traditionelle "Tuntenlauf": Männer in heißen Fummeln und auf hochhackigen Pumps rennen zur Erheiterung der Damen um die Wette. In Köln setzte sich der "Geisterzug" in Bewegung - die politisch-alternative Konkurrenz zum Rosenmontagszug. Dieses Jahr heißt das Motto "Iesije Zigge" (Eisige Zeiten). Mit "heißen Sambarhythmen und schaurigen Masken" wollen die Alternativ-Jecken "der sozialen Eiszeit den Garaus machen".

Sonne strahlt auf die Narren

Glück scheinen die Karnevalisten mit dem Wetter zu haben: Bis einschließlich Faschingsdienstag soll es ausgesprochen freundlich bleiben, wie der Deutsche Wetterdienst am Samstag in Offenbach mitteilte. Nur örtlich hält sich am Bodensee oder an der Donau zäher Nebel. Tagsüber erreichen die Temperaturen Höchstwerte zwischen 1 Grad an der Donau und 7 Grad am Rhein. Kälter bleibt es der Vorhersage zufolge mit minus 4 Grad in den Nebelgebieten Süddeutschlands. Nachts gibt es Frost zwischen minus 1 Grad im Nordwesten und minus 20 Grad am Alpenrand.

In Baden-Württemberg wurden die Fastnachtsfeiern in Königsbronn (Kreis Heidenheim) von einem Zwischenfall getrübt: Aus "Jux und Tollerei" hatte ein 16-Jähriger am Freitag das Kleid einer 15-Jährigen angezündet, wie die Polizei mitteilte. Das Mädchen musste mit schweren Brandverletzungen in ein Krankenhaus gebracht werden. Im Schwarzwald nutzten unbekannte Täter den Trubel, um Falschgeld in Umlauf zu bringen. Wie die Polizei am Samstag mitteilte, waren bei einer Feier in Heitersheim mehrere falsche 50-Euro-Banknoten eingelöst worden.

Jeder zweite Deutsche ist ein Karnevalsmuffel

Allerdings wächst nicht automatisch jedem eine rote Nase: Mehr als die Hälfte der Deutschen kann dem närrischen Treiben nichts abgewinnen. 54 Prozent der Bundesbürger sehen sich selbst als "Karnevalsmuffel", dagegen bezeichnen sich 27 Prozent als "Karnevalfans", wie eine repräsentative polis-Umfrage ergab. Fast ein Fünftel (19 Prozent) wollte sich keiner der beiden Gruppen anschließen. Besonders unbeliebt ist der Karneval bei Akademikern (61 Prozent). Auch die 30- bis 39-Jährigen können mit Weiberfastnacht, Fasnet und Schunkeln kaum etwas anfangen - von ihnen bekennen sich 62 Prozent dazu, Karnevalsverweigerer zu sein. 28 Prozent der insgesamt 1008 Befragten ab 14 Jahren gaben an, aktiv Karneval zu feiern, die große Mehrheit (71 Prozent) bleibt aber passiv.In Westdeutschland nehmen 30 Prozent an Sitzungen, Umzügen und Feiern teil, im Osten sind es 21 Prozent. Auch das Alter spielt ein Rolle: 36 Prozent der 14- bis 34-Jährigen feiern Karneval, in der Gruppe der über 55-Jährigen sind es nur knapp ein Fünftel. Von den bekennenden Karnevalsfans hingegen machen 67 Prozent aktiv mit. Vor allem die jüngeren und mittelalten Anhänger beteiligen sich: Bei den 14- bis 34-Jährigen sind es 80 Prozent, bei den 35- bis 54-Jährigen immerhin 79 Prozent.

DPA / DPA

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