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38 Insassen verschollen Auf dem Weg in die Antarktis: Das rätselhafte Verschwinden der Herkules C-130

Ski am Fahrwerk: Für Versorgungsflüge von Forschungsstationen in den Polaregionen wurden einige Herkules umgerüstet, um auf Schneepisten zu landen.
Ski am Fahrwerk: Für Versorgungsflüge von Forschungsstationen in den Polaregionen wurden einige Herkules umgerüstet, um auf Schneepisten zu landen.
© Getty Images
Seit Montag wird ein chilenisches Militärflugzeug vom Typ C-130 Herkules mit 38 Personen an Bord vermisst. Es war auf dem Weg in die Antarktis. Vor genau 40 Jahren ereignete sich in der Antarktis eine Flugzeugkatastrophe mit 257 Toten.

Die Propellermaschine des chilenischen Militärs war am Montagmorgen in Santiago gestartet und über Punta Arenas im Süden des Landes weiter über Feuerland in Richtung des antarktischen Kontinents geflogen. Dort sollte die Lockheed C-130 Herkules gegen 19.17 Uhr auf der Piste der chilenischen Station Presidente Eduardo Frei Montalva aufsetzen.

Doch bereits über der Drake-Passage, wie das Meer zwischen Kap Horn und den nördlichen Ausläufern der Antarktis genannt wird, riss der Funkkontakt ab – zehn Minuten vor dem nächsten Meldepunkt. Zu dem Zeitpunkt war die Hercules KC-130R 390 Meilen vom südamerikanischen Festland und 280 Meilen von der Station Frei entfernt.

Warum die Maschine von den Radarschirmen verschwand, dafür gibt es bisher keinerlei Erklärung. Auch wurde kein Notruf von der Crew empfangen. Die Fuerza Aérea de Chile, die chilenische Luftwaffe, leitete bereits eine Suchaktion mit Schiffen und Flugzeugen ein.

Nach Medienangaben befanden sich 17 Crew-Mitglieder und 21 Passagiere an Bord, darunter 15 Luftwaffe-Angehörige, drei vom Heer, zwei Journalisten und ein Wissenschaftler.

Bewährte Transportmaschine vom Typ Herkules

Bei der vermissten Maschine handelt es sich um eines der Arbeitstiere der Luftwaffe. Die Transportmaschine gehört zu den am längsten produzierten Flugzeugen der Luftfahrtgeschichte. Seit 1956 wurden von Lockheed 2500 Exemplare gebaut. Der viermotorige Schulterdecker ist bei mehr als 80 Staaten im Einsatz. Durch die hydraulisch absenkbare Rampenauffahrt im Heck lässt sich das Flugzeug schnell be- und entladen sowie für verschiedene Einsätze vom Material- bis zum Truppentransport umrüsten.

In der trockenen Wüste von Arizona hat die US Air Force Dutzende von nicht mehr benötigten C-130-Maschinen vorübergehend geparkt, die jederzeit ihren Flugbetrieb wieder aufnehmen können.
In der trockenen Wüste von Arizona hat die US Air Force Dutzende von nicht mehr benötigten C-130-Maschinen vorübergehend geparkt, die jederzeit ihren Flugbetrieb wieder aufnehmen können.
© Till Bartels

Dank des robusten Fahrwerks kann die Herkules auch von Graspisten operieren. Auch bei Versorgungsflügen zu Forschungsstationen in der Antarktis haben sich die als zuverlässig geltenden Flugzeuge seit Jahrzehnten bewährt.

Die deutsche Luftwaffe hat sechs Exemplare der Herkules - davon drei als Tanker-Version - bestellt, die ab 2021 ausgeliefert und zusammen beim gemeinsamen Luftransportgeschwader mit den Franzosen in Evreux stationiert werden. Sie sollen die in die Jahre gekommenen Transall-Maschinen ersetzen und zusätzlich zum größeren Airbus A400M die Transportkapazitäten der Luftwaffe erhöhen.

Der tragische Flug Air New Zealand 901

Erst vor wenigen Tagen jährte sich der 40. Jahrestag einer der schlimmsten Flugzeugkatastrophen: Am 28. November 1979 kamen bei einem Rundflug über der Antarktis alle 237 Passagiere und 20 Besatzungsmitglieder ums Leben, als eine DC10-30 von Air New Zealand am Mount Erebus zerschellte. Der Flug mit dem Kürzel 901 war in Auckland wie viele andere Antarktis-Rundflüge zuvor gestartet, es hatte jedoch eine Routenänderung gegeben, die intern nicht richtig kommuniziert wurde.

Überreste der 1979 am Mount Erebus in der Antarktis abgestürzten DC-10 von Air New Zealand
Überreste der 1979 am Mount Erebus in der Antarktis abgestürzten DC-10 von Air New Zealand
© The_Dominion_Post/ / Picture Alliance

In tiefen Wolken fliegend glaubten sich damals die Piloten schon über dem Meer. Stattdessen flogen sie in nur 600 Metern Höhe gegen die Flanke des fast 4000 Meter hohen Vulkans. Das Unglück ging als nationales Trauma in die Geschichte Neuseelands ein, weil auch anschließend bei den Untersuchungen versucht wurde, einige Fehler zu vertuschen.

Erst vor knapp zwei Wochen entschuldigte sich Jacinda Ardern, Neuseelands Premierministerin, bei den Hinterbliebenen. Air New Zealand war damals in Staatsbesitz und daher mit verantwortlich. "Ich weiß, die Zeit ist gekommen, um zu sagen, es tut mir leid", sagte sie 40 Jahre nach dem Unglück in Antarktis.

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