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Zwischenfall bei Eurowings: Panne beim Start des neuen Billigfliegers von Lufthansa

War der Airbus schlecht gewartet? Beim Abflug einer Langstreckenmaschine der Eurowings hat sich in Köln ein Triebwerksteil gelöst. Die Piloten flogen dennoch weiter. Schon in zwei Wochen will die Lufthansa-Tochter mit dem Jet Ziele in aller Welt ansteuern.

Der Airbus A330-200 im Hangar

Der erste Airbus A330-200 für Eurowings steht Anfang September bei der Lufthansa Technik im Hamburger Wartungshangar. Links im Bild das CF6-Triebwerk von General Electric, an dem Dienstagmorgen die Außenklappe abfiel.

"Neue Eurowings verliert Teile beim Start in Köln und keiner merkt es?", fragte Flugkapitän Jörg Handwerg am Dienstagabend auf Twitter. Das Vorstandsmitglied der Vereinigung Cockpit wunderte sich über den Zwischenfall, der sich mit einer Airbus A330-200 von Eurowings am Flughafen Köln am Dienstag ereignet hat.


Was war geschehen? Beim Start am frühen Dienstagmorgen noch in Dunkelheit hatte sich ein großes Teil der Triebwerksabdeckung gelöst und war auf das Flughafengelände gefallen. Trotzdem flogen die Piloten weiter nach Mallorca. Eine Gefahr für die 169 Fluggäste und 13 Besatzungsmitglieder bestand nicht.

Das Pikante an dem Zwischenfall des Germanwing-Fluges 4U592: Statt eines kleineren Airbus vom Typ A320/A319, wie auf dieser Route üblich, kam ein großer Airbus vom Typ A330-200 zum Einsatz. Bei dieser Maschine handelt es sich um das erste Exemplar der neuen Langstreckenflotte der Marke Eurowings, mit der die Billigtochter ab dem zweiten November regelmäßig ab Köln zu weit entfernten Urlaubszielen wie Dubai, Phuket in Thailand, Varadero und Punta Cana in der Karibik fliegen möchte.

Bevor das Großraumflugzeug im Liniendienst unterwegs ist, wird es auf ausgewählten Strecken wie von Köln und Hamburg nach Mallorca eingesetzt, damit sich die Crews mit dem Flottenzugang vertraut machen können.


Pilot entdeckt Triebwerksabdeckung

"Im Cockpit gab es keinerlei Indikationen, dass das Teil der Ummantelung des Triebwerks gefehlt hat", heißt es in einer Presseerklärung von Germanwings. "Die Abdeckung wurde neben der Startbahn des Flughafens Köln/Bonn, nach Abheben des A330, sichergestellt. Bei dem Teil handelt es sich um eine Ummantelung des mittleren Rings des Triebwerks."


Im Gegensatz zur Meldung auf der Website "Aviation Herald" wurde der Verlust der Triebwerksabdeckung nicht vom Tower beobachtet, sagte ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung. "Erst der Pilot eines nachfolgenden Flugzeugs habe Flugzeugteile auf der Bahn entdeckt und dies dem Tower mitgeteilt", heißt es auf "aero.de". Der über zwölf Jahre alte Airbus mit der Kennung D-AXGA war zuvor lange bei der asiatischen Eva Air im Einsatz, wurde in Taiwan in den Farben der Eurowings lackiert und erhielt im September bei Lufthansa Technik in Hamburg den letzten Schliff.

Inzwischen untersucht die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) den Verlust der Triebwerksabdeckung. Der Zwischenfall ist kein Drama, wirft jedoch kein gutes Licht auf die Wartung der Maschine und die Marke Eurowings, die mit kostengünstigen Crews der deutsch-türkischen SunExpress die Langstreckenziele bedienen wird. "Ohne Klappe zu fliegen ist zumindest kein Standard", äußerte sich diplomatisch ein Sprecher der Pilotengewerkschaft "Vereinigung Cockpit" noch am Dienstag in Frankfurt zu der Panne.

Die Tage der Germanwings sind gezählt

Nach einem Relaunch der Marke Germanwings vor gut zwei Jahren, wird sich Lufthansa von der Marke verabschieden. Mit Beginn des Winterfluges am Sonntag, den 25. Oktober, wird das Geschäft von Germanwings auf Eurowings übergehen. Dann wird die bisher in Düsseldorf beheimatete Lufthansa-Tochter in Köln angesiedelt und zum Vertragspartner der Germanwings-Kunden.

 Mit der neuen Günstig-Fluggesellschaft möchte sich Lufthansa gegen die Konkurrenz von Billigfliegern wie Ryanair, Easyjet und den Airlines aus den Golfstaaten behaupten und hofft, weiter wachsen zu können. Doch noch viele Monate wird der Germanwings-Schriftzug auf den Flugzeugen zu sehen sein.

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