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Nach Abstürzen: Jetzt auch deutscher Luftraum für 737 Max gesperrt - für Boeing beginnt ein Albtraum

Nach dem verheerenden Absturz einer Maschine der Ethiopian Airlines stoppen immer mehr Airlines und Länder die Boeing 737 Max - jetzt auch Deutschland, Großbritannien und Tuifly. Dem Flugzeugbauer droht ein Desaster.

Mehrere Boeing 737 Max 8 werden hier im Boeing-Werk im US-Bundesstaat Washington gefertigt

Nach dem jüngsten Absturz einer Boeing 737 Max 8 der Ethiopian Airlines und dem Absturz einer Lion-Air-Maschine des gleichen Typs im Oktober haben weitere Länder und Airlines der Boeing 737 Max vorerst ein Flugverbot erteilt, jetzt auch Deutschland. Das bestätigte das Bundesverkehrsministerium auf Stern-Anfrage: "Sicherheit geht absolut vor.", sagte Minister Andreas Scheuer. Mehr als vierzig Prozent der in Dienst gestellten Boeing 737 Max bleiben derzeit am Boden, davon allein 97 in China, Boeings größtem Markt für diesen Flugzeugtyp.

Chinas Luftfahrtbehörde hatte bereits kurz nach dem Absturz der Ethiopian-Airlines-Maschine allen Max-Jets die Flugerlaubnis entzogen. Es folgten Indonesien, Singapur, Australien und nun auch Großbritannien. Das gab die "UK Civil Aviation Authority" in einem Statement bekannt. Auch die französische Luftfahrtbehörde DGAC erteilte ein Flugverbot, teilte die Behörde auf Twitter mit. Fluggesellschaften, die in diese Länder fliegen, dürfen dort keine Boeing 737 Max mehr fliegen. Inzwischen erteilten auch weitere Länder ein Flugverbot, berichten "Flightradar24" und die Nachrichtenagentur DPA. Dazu gehören Irland, Malaysia, Italien, Österreich, die Niederlande und der Oman. Auch Ethiopian Airlines hatte aus Sicherheitsgründen vorerst alle seine Boeing 737 Max gestoppt. Vietnam will bis zur Klärung der Absturzursache keine Lizenzen an örtliche Airlines für den Betrieb des Flugzeugtyps vergeben.

Eine Boeing 737 Max auf dem Rollfeld

Immer mehr Airlines stoppen die 737 Max

Nachdem bereits die Airlines MIAT Mongolian Airlines, Cayman Airways und Royal Air Maroc ihre Boeing 737 Max am Boden lassen, haben weitere Fluggesellschaften nachgezogen. Der Onlinedienst "Flightradar24" berichtet, dass Aerolinas Argentinas, Aeromexico, die südafrikanische Comair, Icelandair und die brasilianische GOL entschieden haben, den Betrieb mit ihren 737-Max-Flugzeugen vorerst einzustellen. Auch die Billigfluglinie Norwegian Airlines stellt den Betrieb des Flugzeugtyps ein, berichtet der norwegische Sender NRK. Zudem wurde auch der norwegische Luftraum für das Flugzeug gesperrt. Auch Tuifly will alle Maschinen des Typs am Boden lassen, teilte ein Sprecher mit. Bei Turkish Airlines sind sämtliche 737 Max-Maschinen nach Istanbul umgekehrt. Die Airline gab in einer Pressemitteilung bekannt, dass alle Flüge mit dem Max-Jet gestoppt werden. Auch die polnische Fluglinie LOT, die unter anderem auch mit der 737 Max nach Deutschland flog, lässt ihre Maschinen vorerst am Boden, berichtet die "Washington Post". 

Trotz teils großer Bedenken in der Luftfahrt halten viele Fluggesellschaften weiter an dem umstrittenen Flugzeugtyp fest. Von den 69 Bestellern der Boeing 737 Max fliegen unter anderem die US-Fluglinien American Airlines, Southwest Airlines und United, Air Canada, WestJet und die panamaische Copa Airlines, wie "Flightradar24" unter anderem zeigt. Die Airlines würden die Entwicklung der Absturzuntersuchung im Auge behalten und sich eng mit Boeing absprechen. Auch die indische Luftfahrtbehörde sieht keine Probleme bei der Boeing 737 Max, verschärfte aber die Sicherheitsmaßnahmen.

Softwareupdate von Boeing

Obwohl die US-Luftfahrtbehörde FAA keinen Anlass sieht, die Boeing 737 Max mit einem Flugverbot zu belegen, verlangte sie zugleich, dass alle amerikanischen Fluggesellschaften bis spätestens April ein Softwareupdate durchführen müssen. Dies soll Mängel beim sogenannten MCAS-System beheben. Das System soll verhindern, dass es zu einem Strömungsabriss kommt. Die 737 Max versucht dann die Nase des Flugzeugs nach unten zu drücken, wenn die Sensoren einen Strömungsabriss erkennen. Wenn die Sensoren falsche Werte liefern, könnte das Flugzeug aber einen Sinkflug einleiten, ohne dass es nötig wäre. Boeing-Chef Dennis Muilenburg sagte: "Wir vertrauen auf die Sicherheit der 737 Max und in die Arbeit der Männer und Frauen, die sie gebaut haben."

Inzwischen äußerte sich Boeing zu den jüngsten Entscheidungen der Airlines und Luftfahrtbehörden: 

Sicherheit steht bei Boeing an erster Stelle und wir haben volles Vertrauen in die Sicherheit der 737 Max. Wir wissen, dass Regulierungsbehörden und Kunden Entscheidungen getroffen haben, die ihrer Meinung nach am besten für ihre Heimatmärkte geeignet sind. Wir werden weiterhin mit ihnen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass sie über die erforderlichen Informationen verfügen, um Vertrauen in den Betrieb ihrer Flotten zu haben. Die Luftfahrtbehörde der Vereinigten Staaten schreibt derzeit keine weiteren Maßnahmen vor. Aufgrund der derzeit verfügbaren Informationen haben wir keine Grundlage, um den Betreibern neue Leitlinien zu geben.

Die Turbulenzen mit der Boeing 737 Max könnte den Flugzeughersteller Boeing wirtschaftlich ins Trudeln bringen. Das Flugzeug ist erst seit Mai 2017 im Dienst. Mehr als 5000 Maschinen des Typs wurden bestellt. Damit ist das Flugzeug eine wichtige Stütze von Boeing.

Bereits nach dem Absturz des Ethiopian-Airlines-Fliegers stürzte die Aktie von Boeing um zwölf Prozent ab, schloss aber mit einem Minus von fünf Prozent. Falls weitere Sicherheitsmängel auftreten oder ein ausnahmsloses Flugverbot verhängt wird, könnten Stornierungen von Aufträgen bei Boeing und damit finanzielle Einbußen eine mögliche Folge sein. Außerdem wäre der Ruf von Boeing angekratzt. Die Vorstellung der Boeing 777X, eine modernisierte Version des Großraumfliegers, wurde inzwischen verschoben.

In Deutschland hat noch keine Airline die Boeing 737 Max im aktiven Dienst. Tuifly will als erste deutsche Airline den Max-Jet ab Mitte April starten lassen. Ob der Termin verschoben wird, ist noch unklar. 

Quellen: "aero Telegraph", CNN, Nachrichtenagentur Reuters, "FlightGlobal", Boeing, "Flightradar24", "UK Civil Aviation Authority", NRK, Nachrichtenagentur DPA, "Washington Post"


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