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Ärger um Klo-Kabinen: Wie soll man sich da reinzwängen? Boeing fliegt mit Mini-Toiletten

Flugzeuge werden auf immer mehr Effizienz getrimmt: engere Bestuhlung, schmale Sitze und  - jetzt auch winzige Klos. Über die Boeing 737 Max beschweren sich bei American Airlines nicht nur Passagiere.

Handwaschbecken in einer Boeing 737 Max

Ein Handwaschbecken in einer der beiden Toiletten der Economy Class in der neuen Boeing 737 Max von American Airlines.

Die 737 ist Boeings Verkaufsschlager. Allein im Jahre 2017 haben 529 Maschinen die Werkshallen verlassen. Seit mehr als 50 Jahren wird der Kurz- und Mittelstreckenflieger produziert. Im vergangenen Jahr lieferte der Flugzeugbauer bei Seattle im Bundesstaat Washington auch die ersten Exemplare der inzwischen vierten Generation dieses Typs aus.

Äußerlich hat sich die Boeing 737 nur wenig verändert: Über die Jahre wurde der Rumpf mehr und mehr gestreckt und die Triebwerke dem neuesten Stand der Technik angepasst. Nicht nur die unter den Flügeln angebrachten Turbinen sind immer effizienter geworden. Auch das Interieur.

Das merken die Passagiere, wenn sie Platz nehmen. Passten in die Ursprungsversion, in die Boeing 737-100, nur maximal 124 Sitze, können in der neuesten Variante sogar bis zu 200 Fluggäste Platz nehmen.

Boeing 737 Max: Auf Effizienz getrimmt

Um so viele Passagiere aufnehmen zu können, wurde nicht nur der Rumpf von 29 auf 39 Metern verlängert, sondern auch die Bestuhlung durch dünnere Sitze und engere Stuhlreihen "optimiert". Bei der seit wenigen Monaten zum Einsatz kommende 737 Max gab es weitere Modifikationen, um Raum für 16 zusätzliche Sitze zu schaffen: Die in Anspruch genommen Flächen für die Bordküchen und für die Toiletten im Heck wurden minimiert.

Eine Boeing 737 Max, die bereits auch an den Billigflieger Norwegian ausgeliefert wurde.

Eine Boeing 737 Max, die bereits auch an den Billigflieger Norwegian ausgeliefert wurde.


Die ersten Boeings vom Typ 737 Max 8 sind inzwischen bei American Airlines im Einsatz. Kunden beschweren sich im Vergleich zur Boeing 737-800 um den um nochmals einen Inch geschrumpften Sitzabstand - das entspricht 2,5 Zentimetern. Und über die Toiletten: Diese sind in der Economy Class mit nur noch 61 Zentimeter dermaßen schmal, dass dickleibige Menschen kaum ein Geschäft verrichten können.

"Auf einem der ersten Flüge bekam ich mit, wie einige Passagiere in den Toiletten regelrecht festhingen", schreibt JT Genter auf der Website "The Points Guy". Er gibt anderen den Tipp, sich zu entscheiden, in welche Richtung man die Klos betreten möchte. "Rückwärts oder vorwärts, denn es besteht keine Möglichkeit sich innen umzudrehen."

Eingesperrte Flugbegleiter

Der weitere Kritikpunkt betrifft die Hygiene. Die Größe der Handwaschbecken schrumpfte so sehr, dass unter dem Wasserstrahl nur noch Platz für eine Hand bleibt. Außerdem verteilt sich viel Spritzwasser auf die Kleidung der Reisenden und den Fußboden.

Die neue Boeing 737 MAX 8


Die neue Konstruktion ist auch für die Flugbegleiter fatal: "Die Fluglinie muss ein anderes Problem lösen, das den Flugbegleitern aufgefallen ist", schreibt "Forbes". "Wenn beide Toilettentüren geöffnet werden, sind die Flugbegleiter in der Bordküche eingesperrt."

Inzwischen hat sich sogar eine Vertretung der Flugbegleiter mit dem Vorstandsvorsitzenden der American Airlines Group getroffen, um die Probleme zu erörtern, wie die "Los Angeles Times" berichtet. In einem ersten Schritt wurde der Wasserdruck bei den Hähnen verringert.

Für die Boeing 737 Max liegen dem Hersteller mehr als 4000 Bestellungen vor. Zu den Kunden gehört bereits der Billigflieger Norwegian, der damit auf Transatlantikstrecken unterwegs ist, und auch Ryanair. Die Iren haben 100 Exemplare mit 197 Sitzplätzen geordert. Die Iren liebäugeln auch mit der Boeing 737 Max 10X, in die sogar 220 bis 230 Passagiere passen.

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tib

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