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Nur der Krebs konnte ihn besiegen

Joe Frazier prägte gemeinsam mit dem legendären Muhammad Ali die goldenen 70er Jahre des Boxsports. Seine drei Kämpfe gegen Ali sind in die Geschichte eingegangen - besonders der "Thriller von Manila". Es war eine Schlacht um Leben und Tod. Ein Rückblick.

Um 5.25 Uhr kam am Dienstagfrüh eine Nachricht, die die Sportwelt in tiefe Trauer gestürzt hat: Der legendäre frühere Schwergewichtsweltmeister im Boxen, Joe Frazier, ist im Alter von 67 Jahren an Leberkrebs gestorben. In seiner Heimatstadt Philadelphia legten die Menschen spontan Blumen vor Kirchen nieder. In den nächsten Tagen soll es neben der Trauerfeier auch eine Schweigeminute in der Stadt geben. Auch nach seiner aktiven Karriere war der Boxsport Fraziers Leben. Sein Trainingscamp dürfte jetzt zu einer Pilgerstätte für die Fans werden.

Frazier, Kampfname "Smokin Joe", prägte im Boxsport die goldenen Ära der 70er Jahre. Damals lieferten sich Kämpfer mit so klangvollen Namen wie Frazier, Muhammad Ali, George Foreman, Ken Liston, Ernie Shavers, Leon Spinks, Floyd Patterson, Jerry Quarry, Ron Lyle, Chuck Wepner unvergessene Schlachten im Ring. Im Vergleich zu jenen Jahren ist das Schwergewichtsboxen von heute zu einer Kirmesveranstaltung verkommen.

Der Boxkampf des Jahrhunderts: Am 8. März 1971 lieferten sich der größte Boxer aller Zeiten, Muhammad Ali und Joe Frazier im New Yorker Madison Square Garden vor 20.000 begeisterten Fans einen Schlagabtausch, der bis heute seinesgleichen sucht. Ali kassiert einen schweren Kopftreffer seines Kontrahenten. Am Ende geschah das für die Boxwelt Unfassbare: "Smokin Joe" gelang es, den Herausforderer in der 15. Runde mit einem linken Schwinger auszuheben und Ali seine erste Niederlage als Profi beizubringen. Beide Boxer erhielten als Kampfbörse jeweils eine für damalige Verhältnisse unglaubliche Summe von 2,5 Millionen Dollar.

Der unvergessene "Thriller von Manila"

Ali geht nach Fraziers Punch zu Boden, wird wenig später angezählt, kann noch kurz weiterboxen, aber am Ende der Runde war dann endgültig Schluss. Frazier gewann nach Punkten. Es war sein einziger Sieg über "The Greatest". Zwei spätere Duelle verlor Frazier jedoch gegen Ali - beide waren nicht weniger spektakulär.

Drei Jahre nach dem "Kampf des Jahrhunderts" trafen die beiden Boxlegenden erneut an gleicher Stelle aufeinander. Dieses Mal hatte Ali das bessere Ende für sich. Der Name Frazier wird auf ewig mit Muhammad Ali verbunden sein. Trotz seines Sieges von 1971 konnte "Smokin Joe" nie aus Alis Schatten tretten. Das Verhältnis war auch nach Beendigung ihrer Karrieren gestört. Ali bezeichnete Frazier gern als "Gorilla" oder "Uncle Tom". Auslöser für derartige Verunglimpfungen war das letzte der drei großen Duelle zwischen den beiden: der unvergessene "Thriller von Manila".

Wenn der Kampf in New York 1971 der vielleicht technisch stärkste Boxkampf aller Zeiten war, so war der Fight vor einer aufgeputschten Kulisse und bei tropischen Temperaturen in Manila das brutalste Duell in der Geschichte des Boxsports. Nie zuvor hatten sich zwei Kämpfer einen so harten Schlagabtausch geliefert. Ali behauptete später, er habe dem "Tod bereits ins Auge gesehen". Beide Kämpfer standen immer wieder dicht vor der Aufgabe. Es war schließlich Frazier, der in der Ringpause vor der 15. Runde das Handtuch warf. Besser gesagt sein Trainer, Eddie Futch. Der stellte fest, dass sein Schützling kurzzeitig sein Augenlicht verloren hatte und kampfunfähig war. Beide Boxer lagen nach dem "Thriller von Manila" über vier Wochen in Krankenhäusern. Danach zog sich Frazier aus dem aktiven Boxsport zurück.

Das Verhältnis zu Ali normalisierte sich

Joe Frazier wurde 1990 in die International Boxing Hall of Fame aufgenommen. Was im Hype um die Kämpfe zwischen ihm und Ali gern vergessen wird: Der Amerikaner, jüngster Spross einer Familie mit zwölf Kindern, gewann als erster Schwergewichtler überhaupt die erste olympische Goldmedaille im Boxen - 1964 in Tokio im Finale gegen Hans Huber aus Regensburg.

Erst in den letzten Jahren normalisierte sich das Verhältnis zwischen Frazier und Ali. Der größte Boxer aller Zeiten, selber seit Jahren von der Parkinson-Krankheit schwer gezeichnet, reagierte mit Bestürzung auf die Nachricht des Todes: "Ich werde Joe immer mit Respekt und Bewunderung in Erinnerung halten. Meine Gedanken sind bei seiner Familie und denjenigen, die ihn lieben", sagte Ali in einem Statement der Nachrichtenagentur AP.

Auch der aktuelle WBC-Weltmeister im Schwerggewicht, Vitali Klitschko, äußerte sich bereits zum Tod von Joe Frazier: "Mein Bruder und ich sind sehr traurig über den Tod von Joe Frazier. Er war einer der ganz Großen des Schwergewichts. Seine drei Kämpfe gegen Muhammad Ali gehören zweifellos zu den Klassikern der Sportgeschichte. Als großartiger Champion und durch sein soziales Engagement hat Joe sehr viel für den Boxsport getan."

Die Leidenszeit von Joe Frazier war nicht lang. Der Leberkrebs setzte der Boxlegende Frazier vor allem in den letzten vier Wochen zu. Am Montagabend schlief er im Kreise seiner Familie in seinem Haus in Philadelphia ein. Rest in peace, "Smokin Joe"!

kbe

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