HOME

Geheim gehaltene Tricksereien: Zoff in der Formel 1: Teams gehen gemeinsam auf Ferrari und die Fia los

In der vergangenen Saison hat Ferrari wohl massiv getrickst. Doch das Untersuchungsergebnis des  Motorsport-Weltverbands Fia bleibt geheim. Das bringt die Konkurrenz auf die Barrikaden. Die Italiener stehen als große Betrüger da.

Die Ferrari-Boxencrew im Einsatz am Auto von Charles Lecclerc bei den Testfahrten in Barcelona

Die Ferrari-Boxencrew im Einsatz am Auto von Charles Lecclerc bei den Testfahrten in Barcelona

DPA

Vor dem Start der Formel 1 am 15. März in Australien ist ein Streit eskaliert, der den Rennzirkus noch lange beschäftigen wird. Sieben Teams werfen Ferrari und dem Motorsport-Weltverband Fia massive Mauschelei vor. Der italienische Rennstall soll in der vergangenen Saison massiv getrickst haben. Die Fia untersuchte die Vorwürfe zwar, teilte aber Ende Februar mit, dass man die Ergebnisse der Untersuchung geheim halten wird. Das brachte die Konkurrenz auf die Barrikaden. "Wir, die unterzeichnenden Teams, waren überrascht und geschockt", teilten Mercedes, McLaren, Red Bull, Alpha Taurin, Renault, Racing Point und Williams am Mittwoch mit.

Was dahinter steckt, erzählt man am besten chronologisch: Offen zu Tage traten Ferraris mutmaßliche Tricksereien beim Grand Prix in Austin, dem drittletzten Grand Prix der Saison, der ein ziemlich merkwürdiges Ergebnis hatte. Die sonst so pfeilschnellen Ferraris waren der Konkurrenz auf den Geraden auf einmal nicht mehr himmelweit überlegen. Die Folge war, dass die Roten in Austin hinterherfuhren. Sebastian Vettel fiel ganz aus und Charles Leclerc kroch als Vierter mit über 52 Sekunden Rückstand auf Sieger Valtteri Bottas (Mercedes) über die Ziellinie. Einen Tag später sprach Red-Bull-Pilot Max Verstappen aus, was schon längst ein mehr oder weniger offenes Geheimnis im Formel-1-Zirkus war: "Das bekommst du, wenn du aufhören musst zu schummeln."

Ferrari dementiert die Vorwürfe 

Gemeint war, dass die Fia vor Austin eine neue Direktive ausgegeben hatte, den Benzindurchfluss permanent zu kontrollieren, und nicht mehr stichprobenartig. 100 Kilogramm sind pro Stunde erlaubt. Die Konkurrenz vermutete, dass Ferrari diese Schwachstelle bei den Sensormessungen ausnutzte und den Bezindurchfluss gezielt steigern konnte, was mehr Leistung zur Folge hatte. In den beiden letzten Rennen der Saison spielten die Roten ebenfalls keine Rolle mehr.

Ferrari dementierte die Vorwürfe zwar, aber nur, um das Gesicht zu wahren, und die Fia leitete eine Untersuchung ein. Vor wenigen Tagen dann gab der Verband in wenigen Zeilen bekannt, dass man über die Ergebnisse Stillschweigen bewahre. Von einer Bestrafung Ferraris war auch nicht die Rede. Stattdessen werden die Italiener verpflichtet, eine erhebliche Summe für die Erforschung künstlicher Kraftstoffe zu spendieren. Zudem sollen sie in Zukunft technische Mittel bereitstellen, mit denen die Technik-Kommissare einfacher illegalen Praktiken auf die Spur kommen.

Diese Regelung kam bei den anderen Teams nicht so gut an. In dem scharfen Statement vom Mittwoch heißt es, eine internationale Sportbehörde habe die Verantwortung, mit den höchsten Ansprüchen an Führung, Integrität und Transparenz zu handeln. Die Teams fordern die Fia auf, die Ergebnisse der Untersuchung offenzulegen. "Wir tun das im Interesse der Fans, der Teilnehmer und der Besitzer der Formel 1", wird betont. Die sieben Teams, denen sich nur Ferraris Partner-Teams Haas und Alfa Romeo nicht anschlossen, drohten außerdem rechtliche Schritte vor.

Fia gibt zu: Ihr fehlen die Mittel, um Beweise gegen Ferrari zu liefern

Die Fia wehrte sich mit einem lauwarmen Statement ihrerseits. Sie gab darin zu, dass sie nicht restlos davon überzeugt gewesen sei, dass der Ferrari-Antrieb gänzlich dem Reglement entspreche. Man habe andererseits aber auch nicht die Hoffnung gehabt, Ferrari einen Regelverstoß konkret nachweisen zu können - "aufgrund der Komplexität der Angelegenheit und der materiellen Unmöglichkeit, unwiderlegbare Beweise vorzulegen". Um negative Konsequenzen" eines langwierigen Prozesses abzuwenden, zumal der Ausgang eines solchen Rechtsstreits als "offen" eingestuft worden sei, habe man sich "in bestem Interesse der Meisterschaft (...)" und mit Verweis auf die Fia-Statuten um eine außergerichtliche Einigung mit Ferrari bemüht, "um das Verfahren zu beenden".

Video: Formel 1: Lewis Hamilton mit neuem Silberpfeil auf Rekordjagd

Mit der Begründung dürften sich die Teams nicht zufriedengeben. Für geht es auch um viel Geld. Würden Ferrari Punkte abgezogen oder gar die gesamte Saison 2019 aberkannt werden, würden die anderen Rennställe umso mehr Geld kassieren. Wütend ist man aber auch, weil die Fia erst auf Initiative von Red Bull überhaupt mit Untersuchungen begann. Die Zögerlichkeit der Fia hängt damit zusammen, dass Ferrari in der Formel-1-Welt einen besonderen Status genießt, weil die Italiener von Anfang an dabei sind, die meisten Starts haben und die Marke die größte Strahlkraft bei den Fans hat. Zudem ist es im Interesse der Fia, die totale Dominanz von Mercedes zu brechen. Auch das dürfte einen Rolle gespielt haben, Ferrari zu schonen.

Bei den Vor-Saison-Tests in Barcelona präsentierte sich Ferrari schwach. Aber Mercedes-Chef Toto Wolff warnte schon: "Die sind bei weitem nicht so schlecht, wie sie aussehen, die zeigen nur noch nicht viel, da ist mindestens noch eine Sekunde drin." Getrickst wird immer in der Formel 1.

Quellen: "Süddeutsche Zeitung", "Auto Motor Sport", "Formel 1", DPA

Wissenscommunity