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FORMEL 1: Barrichello holt Ferrari den Markentitel

Der sechste Doppelschlag dieser Formel-1-Saison bescherte den »Roten« aus Maranello beim Großen Preis von Ungarn die zwölfte Marken-Weltmeisterschaft.

Beim »Schaulaufen« von Budapest hat Weltmeister Michael Schumacher seinem Teamkollegen Rubens Barrichello siegbringende Schützenhilfe geleistet und damit zugleich das historische Dutzend für Ferrari vollgemacht. Der sechste Doppelschlag dieser Formel-1-Saison bescherte den »Roten« aus Maranello am Sonntag beim Großen Preis von Ungarn den zwölften Siegerpokal in der Marken-Weltmeisterschaft seit 1961 und erhöhte die Chancen des Brasilianers auf die Vizeweltmeisterschaft hinter seinem deutschen Kollegen beträchtlich. Zwölf Konstrukteurs-Kronen hat in der Geschichte der Königsklasse noch kein Rennstall erobert; Williams holte bisher neun, McLaren acht Team-Titel.

Rubens jetzt Zweiter

Fünf Wochen nach seiner Triumph-Fahrt von Magny-Cours konnte der fünfmalige Champion Schumacher seine Fahrkünste voll in den Dienst der Scuderia und seines Teamkollegen stellen, der nach 77 Runden auf dem Hungaroring als erster die Zielflagge sah und sich mit nunmehr 45 Punkten auf WM-Platz zwei hinter den Kerpener (112) vorschob. In der Ferrari-Box feierten die Crew den 30-Jährigen aus Sao Paulo für dessen dritten Sieg im 158. Rennen. Barrichello hatte nach 306,069 Kilometern weniger als eine Sekunde Vorsprung auf Vorjahressieger »Schumi«.

Schumi II schließt zu Montoya auf

Als Dritter der Hitze- und Reifenschlacht konnte Williams-BMW- Pilot Ralf Schumacher seinen dritten Rang zusammen mit seinem punktgleichen Teamkollegen Juan Pablo Montoya (beide 40) in der WM behaupten. Der Heißsporn aus Kolumbien musste dagegen im Vierkampf um den Vize-Titel einen herben Rückschlag einstecken: Bei einem Überholmanöver des Finnen Kimi Räikkönen (McLaren-Mercedes) wurde der Südamerikaner abgedrängt und fiel nach einem außerplanmäßigen Boxenstopp zunächst auf den 18. Platz zurück; Montoya wurde am Ende noch Elfter. Der Mönchengladbacher Nick Heidfeld kam im Sauber auf den 9. Platz. In der Markenwertung ist Ferrari mit 157 Punkten auch in den ausstehenden vier Rennen von seinen Verfolgern Williams-BMW (80) und McLaren-Mercedes (54) nicht mehr einzuholen.

Kein heißes Rennen

Die 80 000 Zuschauer im Glutofen Hungaroring erlebten trotz 30 Grad im Schatten kein »heißes« Rennen, zu klar war die Dominanz der beiden einsamen roten Renner an der Spitze. Während die Ferrari- Taktik im 13. Saisonrennen auch bei den Boxenstopps voll aufging. Die Silberpfeile von McLaren-Mercedes holten durch den finnischen Jungstar Räikkönen (4.) und den Schotten David Coulthard (5.) fünf Punkte. Coulthard kann trotz der mageren Ausbeute mit nunmehr 34 Punkten weiter vom zweiten WM-Platz träumen.

Verlierer Montoya

Barrichello raste los wie die Feuerwehr und ließ sich die sechste Pole Position seiner Karriere nicht streitig machen. Den besten Start aller 20 Fahrer erwischte allerdings Ralf Schumacher, der den Ferrari seines Bruders in der ersten Kurve hart attackierte, aber nicht alles riskierte. Verlierer auf den ersten 500 Metern war ganz klar Montoya - der auf vier gestartete Kolumbianer büßte gleich drei Plätze ein, während Renault-Pilot Jenson Button vier Ränge gut machte.

Heinz-Harald Frentzen ist derzeit arbeitslos - und auf der Suche nach einem neuen Rennstall. Viele Team-Manager und Motorsportchefs könnten sich eine Verpflichtung des 35-Jährigen durchaus vorstellen. Nur Ferrari, McLaren-Mercedes, Williams-BMW und Renault haben überhaupt keine Verwendung für den Mönchengladbacher, der beim finanzschwachen Arrows-Team ausgestiegen war. »Obwohl ich ihn als Rennfahrer sehr hoch einschätze, haben wir keinen Platz für ihn«, bedauert Mercedes-Mann Norbert Haug. »Grundsätzlich hat er einen Platz in der Formel 1 verdient.« Doch nur Ove Andersson von Toyota und Paul Stoddart von Minardi outeten sich als Frentzen-Fans.

Von Volker Gundrum, dpa

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