Formel 1 Hamilton spottet über Räikkönen


Spa-Sünder Lewis Hamilton hat nach seiner umstrittenen Zeitstrafe mit Spott auf die Fahrkünste seines Rivalen Kimi Räikkönen beim Regenrennen von Belgien reagiert. Dafür stieß seine Aktion unter den anderen Fahrern auf wenig Verständnis.

"Er hatte nicht weniger Haftung als ich. Kimi bremste nur früh. Wenn er nicht den Mut hat, spät zu bremsen, ist das sein Problem. So fährt er halt", höhnte der McLaren-Mercedes-Pilot in Monza über den finnischen Formel-1- Weltmeister. Die drei Rennkommissare hatten gegen den Briten nach dem erbitterten Zweikampf mit dem Ferrari-Kontrahenten in Spa-Francorchamps wegen Abkürzung einer Schikane 25 Sekunden Strafe verhängt.

Trotz dieses herben Rückschlags im Titelrennen lässt sich Hamilton nicht vom WM-Kurs abbringen. "Ich will sicherstellen, dass diese Entscheidung keinen entscheidenden Einfluss auf die Weltmeisterschaft hat", sagte er Brite am Donnerstag vor dem Großen Preis von Italien. "Ich werde mir das Herz aus dem Leib fahren."

Bei seinen Kollegen stieß Hamilton wegen seiner Abkürzung durch die Schikane in Spa-Francorchamps allerdings auf wenig Verständnis, auch wenn die meisten das Urteil als zu hart empfanden. Logisch, dass Felipe Massa die Bestrafung als gerecht bezeichnete: "Lewis hat dadurch einen Vorteil gewonnen. Das ist klar." Der auf der Piste deutlich geschlagene Brasilianer profitierte von der Entscheidung am Grünen Tisch am meisten. Als nachträglicher Spa-Sieger rückte er dem auf Rang drei zurückgestuften WM-Spitzenreiter bis auf zwei Zähler heran. Statt 80:72 führt Hamilton vor dem Großen Preis von Italien an diesem Sonntag (Start: 14.00 Uhr/RTL und Premiere) nur noch mit 76:74 Punkten vor dem Ferrari-Rivalen.

Alonso findet Entscheidung gerecht

Fernando Alonso Alonso sprach ebenfalls von einer "gerechten" Entscheidung: "Die Notausgänge dienen der Sicherheit und nicht zum Überholen. Er hat durch die Abkürzung einen klaren Vorteil gehabt und wäre sonst nicht so nah an Kimi dran gewesen." Allerdings ist das Verhältnis des Spaniers zu seinem einstigen Teamkollegen bei McLaren- Mercedes seit der damaligen Dauerfehde getrübt.

Aber auch neutrale Fahrer argumentierten ähnlich. "Die Strafe ist etwas hart, aber ohne die Abkürzung wäre er nie so nah an Kimi herangekommen", urteilte Nico Rosberg (Wiesbaden) von Williams- Toyota. Der französische Toro-Rosso-Pilot Sebastian Bourdais wies auf die "klare Regel" hin. Zudem habe Hamilton "den gleichen Fehler schon zum zweiten Mal gemacht". In Magny-Cours hatten die Stewards dessen Verstoß mit einer Durchfahrtsstrafe geahndet, was in Spa wegen des späten Zeitpunkts Ende der drittletzten Runde nicht mehr möglich war.

Nick Heidfeld wollte sich zum Urteil nicht äußern. Den Gang des britisch-schwäbischen Teams vor das Berufungsgericht befürwortete der BMW-Sauber-Pilot aus Mönchengladbach: "Wenn es um die WM geht, sollte man das machen. Aber das hatte bislang fast nie Aussicht auf Erfolg." Die Verhandlung in Paris soll nach Angaben einer Sprecherin des Internationalen Automobil-Verbandes Fia noch vor dem Großen Preis von Singapur Ende September stattfinden.

Wegen des anhängigen Verfahrens verzichtete Hamilton auf Anweisung seines Teams auf Kommentare zum Spruch der Kommissare. Ansonsten gab er sich aber ähnlich angriffslustig wie zuletzt auf der Strecke in Spa. "Ich werde weiter attackieren", versicherte der 23 Jahre alte Titelkandidat. "Die Entscheidung ändert nichts an meiner Herangehensweise: Ich überhole immer, wenn es geht." Auf die Frage, ob er sich nach dem regelwidrigen Überholen zunächst nicht zu wenig hinter Räikkönen zurückfallen lassen habe, reagierte Hamilton sarkastisch: "Ich weiß nicht, wie viel Platz ich lassen muss - vielleicht eine Runde?"

Elmar Dreher/DPA DPA

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