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Formel 1: Vettel patzt, Button siegt

Der Brite Jenson Button ist in dieser Saison das Maß der Dinge in der Formel 1. Der Sieg im Großen Preis der Türkei war bereits seiner sechster im siebten Rennen. Auf seinem Weg zum Weltmeistertitel ist er kaum noch aufzuhalten. Sebastian Vettel hatte seine Pole-Position schon in der ersten Runde eingebüßt.

Ein fataler Fahrfehler hat Sebastian Vettel schon nach wenigen Metern aller Siegchancen beraubt und Formel-1-Dominator Jenson Button am Bosporus den Weg zum erneuten Triumph freigemacht. Beim Großen Preis der Türkei geriet die deutsche WM-Hoffnung in der tückischen Kurve 10 aufs Gras und musste nach einem Klasse-Start von der Pole Position aus den BrawnGP-Piloten an sich vorbeiziehen lassen. Eine Dreistopp-Strategie kostete Vettel dann auch noch Rang zwei: So feierte der Brite Button im siebten Saisonlauf schon seinen sechsten Sieg vor Vettels Teamkollege Mark Webber und machte fast im Schongang vor beinahe leeren Rängen im türkischen Niemandsland den nächsten Schritt zur Besteigung des WM-Throns.

"Was soll ich sagen, Jungs, was soll ich sagen, Jungs. Danke, danke", sagte Button via Boxen-Funk. "Das Auto war von einer anderen Welt", meinte er kurz vor der Siegerehrung.

Vettel fällt weiter zurück

Im Kampf um die Krone der "Königsklasse" büßte Vettel (29) weitere vier Punkte gegenüber Button (61) ein. Fünfter wurde in Istanbul der Wiesbadener Williams-Mann Nico Rosberg. Timo Glock aus Wersau rettete im Toyota noch einen Punkt als Achter, der Mönchengladbacher Nick Heidfeld kommt im BMW-Sauber auch weiterhin nicht zurecht und erreichte nur Rang 11. Adrian Sutil kam im Force India mit Mercedes-Motor nicht über Platz 17 hinaus. Weltmeister Lewis Hamilton dürfte es im McLaren-Mercedes auf Rang 13 die Laune noch mehr verhagelt haben, die Ferraris mit Ex-Champion Kimi Räikkönen und Felipe Massa spielten im sonnigen Istanbul ebenfalls nur eine Statistenrolle mit den Rängen sechs und neun.

In der WM-Wertung führt Button mit 61 Punkten vor Teamkollege Rubens Barrichello (35), der nach völlig verpatztem Start sein Auto zehn Runden vor Schluss in der Garage abstellen musste. In der Teamwertung holte das Red-Bull-Duo dagegen etwas auf: Brawn führt dennoch mit 96 Zählern immer noch klar vor Vettel und Webber (56,5 Punkte).

Vorteil durch Fahrfehler verspielt

Die Freude über seinen Top-Start währte bei Vettel nur kurz. Den ersten Angriff des voll auf Attacke gepolten Button, der sein Auto ungewöhnlicherweise schräg in seiner Start-Box postiert hatte, wehrte der Heppenheimer ab. Doch bei der Anfahrt auf die Schikane passierte ihm der Fauxpas: Vettel lenkte seinen Boliden übers Gras, konnte den Red Bull zwar noch abfangen, doch Button zog mit seinem weißen Brawn-Mercedes am "Roten Bullen" vorbei. "Es gab viel Rückenwind. Das Auto wurde extrem unstabil und ist ausgebrochen", versuchte Vettel eine Erklärung. Und weiter: "Das war heute die schwierigste Kurve. Aber das war mein Fehler. Ich hätte fast das Auto verloren. Jenson konnte locker vorbeiziehen. In der zweiten Runde wäre mir das beinahe nochmals passiert. Aber ich hätte eh keine Chance gegen Jenson gehabt. Er war einfach schneller. Er fuhr auf einem anderen Planeten. Er hat uns gezeigt, wozu BrawnGP fähig ist."

Ganz im Gegensatz zu Rubens Barrichello: Der Brasilianer blieb am Start fast stehen und wurde nach Runde eins auf Rang 12 registriert, später fiel er aus. Rosberg, der neben Vettel zu den begehrtesten Fahrern auf dem Markt gehört, betrieb weitere Werbung in eigener Sache und raste mit seinem Williams-Toyota vom 9. Startrang erstmal auf Platz fünf vor.

Als erster zum Nachtanken an die Box kam Vettel in der 15. Runde - nicht überraschend, sein Auto war nach dem Qualifying am Samstag das zweitleichteste. Button kam einen Umlauf danach zum Pitstop. Vettels Strategie, sich mit einem erneut leichteren Auto an den "Brawnie" heranzupirschen, ging zunächst auf. Nach 24 Runden saß Vettel Button im Nacken. Nur kam der Hesse an dem 29-Jährigen einfach nicht vorbei, im 28. Durchgang musste er dann die Verfolgungsjagd wieder aufgeben und erneut an die Box zum Tanken.

Vor seinem finalen Stopp musste sich Vettel wieder einen Vosprung gegenüber Webber herausfahren. Während Button ungefährdet seinem Sieg in 1:26:24,848 Stunden über die Gesamtdistanz von 309,396 Kilometern entgegenfuhr, kam Vettel nach seinem dritten Halt hinter Webber zurück auf die Strecke. "Sebastian, schone dein Auto", so die Anweisung fünf Runden vor Schluss über den Funk an Vettel, "Mark ist schneller". Im Ziel war aber auch der Australier um über sechs Sekunden langsamer als "Boost"-Button.

Großer Preis der Türkei in Istanbul (Endstand)
1. Jenson Button (Brawn GP)
2. Mark Webber (Red Bull)
3. Sebastian Vettel (Red Bull)
4. Jarno Trulli (Toyota)
5. Nico Rosberg (Williams)
6. Felipe Massa (Ferrari)
7. Robert Kubica (BMW-Sauber)
8. Timo Glock (Toyota)
11. Nick Heidfeld (BMW-Sauber)
17. Adrian Sutil (Force India)
DPA / DPA

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