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Großer Preis von Spanien: Schlechte Stimmung bei deutschen Piloten

Sebastian Vettel hatte sich für den Europa-Auftakt der Formel 1 mehr als den dritten Platz vorgenommen. Am Ende fuhr er beim Sieg seines Teamkollegen Mark Webber mit viel Glück noch auf das Podium. Bei Michael Schumacher und Nico Rosberg sorgte der Spanien-Grand-Prix auch nicht für beste Stimmung.

Von Elmar Brümmer, Barcelona

Die Trophäe für den dritten Platz beim Großen Preis von Spanien wirkt so mickrig, dass sie eher wie ein Pokal fürs Kartfahren aussieht. Trost kann das spitze Ding auch nicht spenden, Sebastian Vettel nimmt es mit Verachtung entgegen. Den Sieg hat er sich ausgerechnet beim Europastart der Formel 1, zumindest aber Rang zwei. Wäre nicht Lewis Hamilton in der Vorschlussrunde spektakulär der linke Vorderreifen geplatzt, dann wäre es gar nichts mit dem Sprung aufs Podium geworden für den Heppenheimer. Dass mit Mark Webber ausgerechnet der Teamkollege in Barcelona abräumen konnte, war ein zusätzlicher Grund für Vettel, die Unterlippe beleidigt nach vorn zu schieben.

Zehn Punkte Rückstand auf den WM-Führenden Jenson Button sind durch das neue Punkteschema für den Dritten der Gesamtwertung zwar nicht viel, aber angesichts bereits zweier durch technische Schwächen verloren gegangene Rennen zuvor, rechnet er sich im Kopf wohl aus, wo er hätte stehen können, wenn der Red-Bull-Rennwagen endlich mal so laufen würde, wie er es sich nach der Qualifikation in Spanien wünschte: "Dass die Kiste am Sonntag mal hält." Denn was nützt ein überlegenes Auto, wenn es so zickt? Zumal Bremsversagen nicht gerade ein auf die leichte Schulter zu nehmendes Malheur ist: "Am Ende war es dann doch noch ein glücklicher Tag."

Verheerender Mängelbericht


Aber der Mängelbericht klingt verheerend: "Da ist eine Menge schiefgelaufen, es war eine wilde Fahrt. Ich war im Gegensatz zu Mark nicht schnell genug, die Balance am Auto stimmte nicht, ich habe mich nicht wohlgefühlt und nie den Rhythmus gefunden. Dann war ich zur früh beim Boxenstopp und habe dort eine Menge an Boden verloren. Es war ein schreckliches Rennen, die letzten 15 Runden bin ich ohne Bremse gefahren." Die Muttertagsgrüße, die er anschließend übers Fernsehen ausrichtete, wirkten wie purer Sarkasmus.

Der Ausfall von Lewis Hamilton bescherte auch Michael Schumacher ein kostenloses Upgrade auf den vierten Rang. Der generalüberholte Mercedes ist zwar noch nicht da, wo ihn der Altmeister haben will, aber immerhin entschädigte ihn der Zweikampf mit WM-Tabellenführer Button für die Demütigungen der ersten vier Rennen. Schumacher war durch den besser terminierten Reifenwechsel am Briten vorbei gekommen, und musste sich wehren. Der britische Silberpfeil, in dem ebenfalls ein Mercedes-Achtzylinder steckt, besitzt durch sein steuerbares Luftschachtsystem auf der ultralangen Gerade einen Geschwindigkeitsvorteil von acht km/h. Aber Schumacher ("Ich habe das Auto wieder mehr in der Hand") wehrte sich wie in besten Tagen - erfolgreich.

Kaum bessere Laune bei Schumacher


Die Laune des 41-Jährigen war, wenn überhaupt, nur um ein paar Nuancen besser als die von Vettel: "Die richtige Freude kommt nicht auf. Wir mussten auf Probleme der anderen hoffen um nach vorn gespült zu werden. Es war interessant, Jenson hinter mir zu halten und am Ende noch weg zu fahren. Danach habe ich ihm wenig Möglichkeiten gegeben, mich zu überholen - so wie man das von mir erwartet." Immerhin, ein erster Ego-Erfolg in diesem Jahr.

Nico Rosberg, bis dato WM-Zweiter ruiniert sich sein bereits am Start verlorenes Rennen endgültig, als er beim Boxenstopp zu früh los braust und zurückgeschoben werden muss. Der Wiesbadener, der erstmals in allen Vergleichen eines Rennwochenendes gegenüber Schumacher das Nachsehen hat, kommt mit dem neuen Mercedes nicht zurecht. Sofort werden Unkenrufe laut, dass der Umbau zu Gunsten von Schumacher geschehen ist. "Wir haben das Auto nach den Wünschen beider Fahrer und für beide Fahrer umgebaut", widerspricht Teamchef Ross Brawn vehement. Die schwankende Form zeigt, dass die aerodynamischen Änderungen zwar revolutionär aussehen, aber noch keine entscheidende Evolution gelungen ist. "Da gibt es noch viele unbekannte Bereiche", vermutet Schumacher. Rosberg belegt am Ende überrundet nur Rang 13 und fasst seinen Sonntag in einem Wort zusammen: "Katastrophe!" Sebastian Vettel kann daraus schließen: Ich bin doch nicht allein mit meinen Problemen. Aber ob das nun ein Trost ist?

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