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Massa-Triumph in Valencia: Flaschen, Tüten, Peinlichkeiten

Felipe Massa hat die Grand-Prix-Premiere in Valencia gewonnen. Die Rundfahrt auf dem schnellen Stadtkurs erlebte einen viel versprechenden Auftakt. Nur wäre es schön, wenn beim nächsten Mal ein richtiges Rennen dazu kommen würde - mit ein bisschen weniger Müll auf der Strecke.

Von Elmar Brümmer, Valencia

Der berühmteste Daumen des Rennsports, der von Rekordweltmeister Michael Schumacher, trommelte auf die Konsole am Kommandostand von Ferrari. Ob gelangweilt oder nervös bleibt der Wertung der Betrachter vorbehalten. Der prominente Zaungast beim ersten Hafen-Grand-Prix von Valencia erlebte wie alle Ferraristi ein Wechselbad der Gefühle: Felipe Massas vierter Saisonsieg wurde nach dem Rennen noch durch eine Geldstrafe von 10.000 Euro ergänzt, nachdem der Brasilianer bei seinem Boxenstopp fast mit dem Gräfelfinger Adrian Sutil kollidiert wäre. "Gefährliche Ausfahrt" hatten die Rennkommissare nach der Szene notiert, die die spektakulärste Aktion der 57 Runden dauernden Hafenrundfahrt war. Massa gab den Unschuldsengel: "Das kam ziemlich unerwartet, Adrian hätte mich vorlassen müssen."

Es sollte nicht die einzige Panne im italienischen Garagenbereich bleiben. In der 44. Runde wurde Kimi Räikkönen freie Fahrt signalisiert, als noch der Tankschlauch im Heck seines Autos steckte. Als der Finne lospreschte, riss er erst den Tankwart mit und überfuhr dann einen Mechaniker, der sich am Boden krümmte und ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Auf der Strecke wurde es anschließend ähnlich dramatisch für die Scuderia: Zwölf Runden vor Schluss explodierte der Achtzylinder im Heck von Räikkönens Auto, eine weiße Rauchwolke legte sich über die Geraden. Was für ein Deja-Vu: Beim letzten Rennen in Budapest war Felipe Massa drei Runden vor der Zielflagge das Triebwerk explodiert. Entsprechend groß war Massas Erleichterung diesmal.

Flaschen, Tüten und Dosen auf der Strecke

Die Aufzählung der Missgeschicke zu Beginn eines Premieren-Berichts haben nichts mit berufsmäßiger Miesmacherei zu tun: Die Kulisse in Valencia, wenn auch mit 115.000 Zuschauern nicht ganz ausverkauft, war grandios. Der zwölfte WM-Lauf lief in geordneteren Bahnen ab als viele andere in dieser Saison, es gab außer Fernando Alonsos Ausfall nach einem Rammstoß von Kazuki Nakajima gleich in der Auftaktrunde und einem Verbremser von Adrian Sutil in die Barrikaden keine bösen Zwischenfälle auf der Piste – sieht man mal von den Flaschen, Tüten und Dosen ab, die auf die Ideallinie geweht wurden. Allerdings war auch das Renngeschehen entlang der Yachten, Fähren und über die Brücke weitesgehend unspektakulär. Siesta statt Fiesta.

Silberpfeil-Pilot Lewis Hamilton konnte sich über seinen zweiten Platz freuen, nachdem er anderthalb Stunden lang keine richtige Chance hatte, den siegreichen Ferrari anzugreifen. Der Start des Briten war am Samstag wegen eines eingeklemmten Nervs noch fraglich gewesen, in der sengenden Hitze fuhr er ein tadelloses Rennen und wurde mit dem Ausbau seiner WM-Führung belohnt. In der WM-Wertung führt Hamilton mit 70 Punkten vor Massa (64), Kimi Räikkönen (57) und dem drittplatzierten BMW-Piloten Robert Kubica (55). Diese Konstellation ist bei sechs verbleibenden Rennen kurzweiliger als es der zwölfte WM-Lauf über weite Strecken gewesen ist.

Heidfeld punktlos und selbstkritisch

Die deutschen Valencia-Debütanten punkteten als Sechster/Siebter/Achter im Punkte-Ryhthmus Drei-zwei-eins und der Reihenfolge Sebastian Vettel, Timo Glock und Nico Rosberg. Nur Nick Heidfeld als Neunter ging punktlos aus, und bescheinigte sich und seinem Auto eine "absolute Katastrophe". Selbstkritik eingeschlossen: "Ich krieg’s einfach nicht immer hin." Sebastian Vettel, der seinen hervorragenden sechsten Startplatz mit dem Außenseiter-Auto ToroRosso souverän bis ins Ziel verteidigen konnte, feierte die vierte Punktankunft seines Rennjahres: "Wir haben alle hundert Prozent aus uns herausgeholt." Timo Glock, der Zweite von Budapest, hatte mit der riskanten Ein-Stopp-Strategie richtig gelegen und auch seine fiebrige Erkältung besiegt.

Manche mögen's heiß – Valencia hat einen viel versprechenden Auftakt erlebt. Es wäre schön, wenn beim zweiten Mal noch ein richtiges Rennen dazu kommen würde. Und wenn sich die Alonso-Fanatiker ihr Pfeifkonzert gegen Lewis Hamilton bei der Siegerehrung künftig sparen könnten. Aber wenn das die einzige Peinlichkeit bleibt ...

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