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"Was machen Strunz?": Werder übersteht die "Todesgruppe"

stern.de-Experte Thomas Strunz hat sich die Auslosung für die Champions League genau angeschaut. Trotz "Monster-Gruppe" mit Barca und Chelsea räumt er Werder Bremen Chancen auf ein Weiterkommen ein - genauso wie den Bayern und dem HSV.

Eines schnell vorweg: Die Champions-League-Auslosung am Donnersagabend in Monaco hat die Entwicklung der letzten Jahre im internationalen Vereinsfußball deutlich widergespiegelt: Erstmals war kein deutsches Team mehr in Topf 1 vertreten, der Topf also mit den vermeintlich stärksten Mannschaften aus den wirtschaftlich stärksten Ligen Spanien, England und Italien. Bayern München lag erstmals in Topf 2, während Werder Bremen und der HSV sich gar in den Losgruppen 3 bzw. 4 wieder fanden und sehr starke Gegner zu erwarten hatten - und so kam es dann ja auch...

Der deutsche Meister FC Bayern ist in der Gruppe mit Inter Mailand, Sporting Lissabon und dem russischen Vize-Meister Spartak Moskau sicherlich Mitfavorit auf das Weiterkommen in die K.O.-Runde. Bei allem Respekt: Sporting Lissabon und Spartak Moskau, die ich vor einigen Wochen live in Moskau habe spielen sehen, dürften keine Stolpersteine für die Münchner sein. Ich erwarte hier Inter Mailand und Bayern München in der nächsten Runde.

Werder am Ende der lachende Dritte

In der schwersten aller möglichen Gruppen, manche sprechen bereits von der "Todesgruppe", spielt Werder Bremen. Mit Titelverteidiger FC Barcelona und der Millionen-Truppe des russischen Öl-Moguls Roman Abramowitsch, dem FC Chelsea, als Gegner, ist das Team von Trainer Thomas Schaaf und dem gewieften Manager Klaus Allofs auf dem Papier sicherlich nur Außenseiter. Dennoch glaube ich, dass sie eine realistische Chance auf ein Weiterkommen haben.

Vorraussetzung ist sicher, dass die Bremer beide Spiele gegen den vierten im Bunde, Levski Sofia, gewinnen. Da sich sowohl in Barcelona, als auch an der Stamford Bridge in London alles um die Revanche des letzt jährigen Halbfinals drehen wird, könnte Werder am Ende der lachende Dritte sein. Mein Gefühl sagt mir, dass das Team von der Weser als Gruppenzweiter in die nächste Runde einziehen wird und damit einen der Top-Favoriten auf den Titel ausschalten.

Kluft nach oben verkleinern

Kommen wir zum HSV, der in einer ausgeglichenen Gruppe mit dem Favoriten Arsenal London und den beiden weiteren Konkurrenten FC Porto und ZSKA Moskau sicherlich auch Chancen haben wird, die nächste Runde zu erreichen. Die Mannschaft von Thomas Doll hat mich im Qualifikations-Spiel gegen Osasuna überzeugt. Ich traue ihr nicht nur kämpferisch, sondern auch spielerisch einiges in dieser Saison zu. Das noch sehr junge Team hat in Spanien dem enormen Druck standgehalten. So etwas kann sehr beflügeln. Ich erwarte Arsenal und den Hamburger SV in der nächsten Runde.

Am 12./13. September geht es also los und dann muss sich der deutsche Klub-Fußball mit den europäischen Top-Teams messen. Vielleicht gelingt es ja auch unseren Vereinen die Kluft nach ganz oben etwas zu verkleinern. So wie es die National-Mannschaft im Sommer unter Jürgen Klinsmann vorgemacht hat. Ich bin sehr gespannt.

Thomas Strunz

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