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1. Bundesliga: 1. FC Köln steht als zweiter Absteiger fest - Hertha in Relegation

Änis Ben-Hatira heißt der strahlende Hertha-Held. Sein Doppelpack gegen Hoffenheim sicherte Berlin den Relegationsplatz. Tränen wurden in Köln vergossen: Über Poldis Abschied, den fünften Abstieg, aber auch über ausrastende Fans, die den Platz stürmten, Rauchbomben schmissen und die Polizei auf den Plan riefen.

Als nach 90 Minuten im Berliner Olympiastadion der Schlusspfiff ertönte, kannte der Jubel bei Hertha BSC kaum Grenzen. Im Mittelpunkt stand vor allem Änis Ben-Hatira, der mit seinem Doppelpack maßgeblich zum 3:1-Sieg über die TSG Hoffenheim beigetragen hatte, der den Berlinern den fast nicht mehr zu erhoffenden Sprung auf den Relegationsplatz gesichert hatte. Getrübt wurde die Freude allerdings von der Knieverletzung von Pierre-Michel Lasogga, der nun für die Relegationspartien auszufallen droht.

Dabei profitierte die Hertha von der parallel stattfindenden 1:4-Niederlage des 1. FC Köln gegen den FC Bayern München, der den bereits fünften Bundesliga-Abstieg in der Clubgeschichte der Geißböcke besiegelte. Um angesichts der sportlichen Tragödie und des Abschieds von Lukas Podolski Tränen der Trauer auf dem Platz zu vergießen, blieb dem FC Köln allerdings keine Zeit.

"Wir trauern um den 1. FC Köln", stand auf den Plakaten, die aufgebrachte Kölner Zuschauer Minuten vor dem Schlusspfiff enthüllten. Doch bei einigen Anhängern schlug die Trauer in Aggressionen um, Rauchbomben wurden auf der Tribüne gezündet, die den Platz in Nebel hüllten, ehe sie nach Schlusspfiff auch noch das Spielfeld stürmten und von der Polizei zurück gedrängt werden mussten. Trotz der sportlich desolaten Saison hätte Köln einen würdigeren Abgang in die Zweite Liga verdient gehabt.

Hertha ab der 14. Minute in der Relegation

Der Vorsprung des 1. FC Köln, der zu Beginn des 34. Spieltags noch zwei Punkte vor den Berlinern auf dem Relegationsplatz gelegen hatte, war bereits nach der Anfangsviertelstunde Makulatur. Zwar hatten die Geißböcke gegen Bayern in der Anfangsphase einen ordentlichen und vor allem selbstbewussten Eindruck hinterlassen, doch in Berlin konnte die Hertha mit 1:0 in Führung gehen.

Ben-Hatiras (14.) Freistoß aus halbrechter Position segelte von Freund und Feind unberührt am schlecht postierten Tom Starke vorbei direkt ins Tor. Hertha verbesserte sich damit auf Rang 16 und drückte Köln virtuell in die Abstiegszone. Der FC hatte zeitgleich im eigenen Stadion trotz zunächst guten Beginns gegen die Bayern viel Mühe. Die Münchner - ohne ihre in der Champions League gesperrten Spieler - hatten mehr und mehr das Kommando übernommen, ehe Müller (34.) eine Franck Ribéry-Flanke und einen Stellungsfehler von Miso Brecko zum 0:1 nutzte.

Und als wäre das noch nicht genug Pech für die Kölner, spielte eine eklatante Fehlentscheidung von Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer kurz vor der Pause in Berlin Hertha in die Karten. Hoffenheim war dort mittlerweile besser in der Partie, zeigte gute Kombinationen und hatte auch ein paar Strafraumszenen. Doch dann zeigte der Referee Ryan Babel, der geschubst worden war und in Peter Niemeyer fiel, zunächst völlig überzogen Gelb und direkt im Anschluss, als sich Levan Kobiashvili theatralisch fallen ließ Gelb-Rot. Auf Seiten Herthas übersah Kinhöfer dann noch ein elfmeterreifes Foul an Pierre-Michel Lasogga und verwehrte den Berlinern die Chance, auszubauen.

Köln schießt sich selbst ins Schlamassel

Angesichts der Berliner Führung zum Siegen verdammt, kam Köln mit Milivoje Novakovic für Mato Jajalo und damit deutlich offensiver aus der Kabine. Doch dann gelang es den Bayern mit einem Angriff die ganze Unordnung in der Hintermannschaft des FC aufzudecken. Beim Versuch eine Ribéry-Hereingabe zu klären, schossen sich Pedro Geromel und Kevin McKenna gegenseitig an, ehe der Ball von Geromels Fuß (52.) zum 0:2 ins eigene Tor prallte. Kurz darauf verwertete Robben (54.) ein Toni Kroos-Zuspiel mit einem trockenen Schlenzer zum 0:3.

Die letzte Hoffnung der Geißböcke ruhte nun darauf, dass Hoffenheim trotz Unterzahl in Berlin wenigstens einen Punkt holen könnte. Darauf deutete zunächst aber nichts hin. Die Kraichgauer zogen sich weit zurück und ließen Hertha machen. Doch die nutzten ihre Chancen nicht. Lasogga verfehlte, einen Schuss des zur zweiten Halbzeit eingewechselten Ronny entschärfte Starke. Und dann knickte auch noch Herthas Lasogga um und musste mit dick bandagiertem Knie und Verdacht auf Kreuzbandriss ausgewechselt werden.

Anschlusstreffer bringen Köln nur kurzzeitig Hoffnung

Derweil keimte in Köln noch einmal ein bisschen Hoffnung auf. Denn nach einem Konter und einer Vorlage von Podolski staubte Novakovic (63.), der schneller als Diego Contento schaltete, zum 1:3-Anschlusstreffer ab. Nach einem Freistoß köpfte McKenna knapp über die Querlatte, ansonsten blieben die Geißböcke in der Offensive allerdings ungefährlich. Die Stoßgebete der an den Radios und Smartphones klebenden Geißbockfans gingen daher in Richtung Hoffenheim, wurden jedoch nicht erhört. Denn nachdem Raffael auf Adrian Ramos gepasst hatte, schob Ben-Hatira (77.) dessen Zuspiel zum 2:0 für die Berliner ein.

Doch der Jubel, der ob der vermeintlich bereits erreichten Relegation im Olympiastadion bereits aufgebrandet war, verstummte schlagartig. Denn wie aus dem Nichts hatte Marvin Compper (85.) verkürzt, als er einen Freistoß seiner Hoffenheimer per Fußspitze zum 2:1 einnetzte. Dass Müller (85.) parallel dazu in Köln für Bayern das 4:1 erzielte, war da schon bedeutungslos. In Berlin wurde bis in die letzte Sekunde der Nachspielzeit gezittert, als Berlin eine Ecke abwehrte, einen Konter fuhr und Raffael (90.) zum umjubelten 3:1-Endstand traf.

Malte Asmus

sportal.de / sportal

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