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1. Bundesliga: Augsburg verschärft mit dem ersten Sieg die Krise in Mainz

Sie liegen nur einen Punkt auseinander, aber unterschiedlicher könnte die Stimmungslage in Mainz und Augsburg nach dem ersten Bundesliga-Sieg des Aufsteigers kaum sein. Der FSV und Trainer Thomas Tuchel scheinen ratlos.

Im Kollektiv hat der FC Augsburg den Makel der Sieglosigkeit abgestreift und mit dem ersten Erfolg in der Bundesliga Fußball-Historisches geschafft. Frostig ist die Gefühlslage hingegen beim FSV Mainz 05, der in eine tiefe Krise schlittert.

Leidenschaft, Kampf und Siegeswillen - mit Tugenden, die einst Gegner FSV Mainz 05 starkmachten, feierte der FC Augsburg seinen ersten Sieg in der Bundesliga. Das 1:0 (0:0) bei den schwächelnden Rheinhessen durch einen späten Foulelfmeter von Jan-Ingwer Callsen-Bracker (88. Minute) war Belohnung für couragierte Arbeit.

"Siege sind wie Medizin. Wir haben lange darauf gewartet", sagte Trainer Jos Luhukay nach dem fußballhistorischen Moment. Die einstigen Überflieger aus Mainz müssen nach der siebten Partie ohne Erfolg in Serie den Blick nach unten richten.

Weiter auf einem Abstiegsplatz

Nach acht vergeblichen Anläufen mit vier Unentschieden war Aufsteiger Augsburg zuvor schon die Erstliga-Reife abgesprochen worden. "Ich hoffe, dass wir den vielen Kritikern jetzt die Mäuler gestopft haben und die Unkenrufe aufhören", meinte Axel Bellinghausen, der als gefoulter Wegbereiter des Premierenerfolges war. Der Dreier ist gut für das Selbstvertrauen, spiegelt sich aber noch nicht in der Tabelle wider. Der Neuling steht weiter auf einem Abstiegsplatz.

"Der Bock ist umgestoßen", jubelte Kapitän Uwe Möhrle. "Wir haben Woche für Woche hart gearbeitet. Wir waren einfach mal dran", meinte der seit dem zweiten Spieltag torlose Stürmer Sascha Mölders. Nach dem 0:4-Debakel bei Borussia Dortmund habe man die Länderspielpause optimal genutzt, ergänzte Torschütze Callsen-Bracker. Die Spieler besprachen ohne Trainer und Manager die Situation, und vor 30.195 Zuschauern stand eine homogene Einheit auf dem Rasen. "Jeder ist für jeden gerannt", lobte Möhrle.

Mainz belohnt sich nicht

Die konsequente Defensivausrichtung ging gegen oft zu ideenlos agierende Mainzer auf. Hohe Investition an Kraft, wenig Ertrag lautet für die Rheinhessen die Bilanz der vergangenen sieben Spiele. Der Sinkflug von der Tabellenspitze hält an, der Fünfte der vergangenen Saison liegt knapp vor der Abstiegszone. Eine Region, die der FSV nach zwei Jahren des Erfolges gar nicht mehr kannte.

Vier Heimniederlagen in Serie sind negativer Vereinsrekord, der auch Thomas Tuchel sprachlos werden ließ. Seine viel gerühmten Matchpläne greifen immer weniger. "Im Moment fühlt es sich so an, dass wir dreimal durchs Dorf laufen, ehe wir in die Kirche gehen", versuchte der 38-Jährige die mangelhafte Gier auf einen Torerfolg zu erklären.

Tuchel bleibt gelassen

Die Abstiegsangst wird in den nächsten Wochen zum ständigen Begleiter des letztjährigen Überfliegers. "Die Tabelle können wir auch lesen und der Situation müssen wir uns stellen", sagte Manager Christian Heidel. "Wir müssen das Glück auch mal erzwingen, effektiver und stringenter spielen", forderte Malik Fathi.

Erfahrung im Kampf um den Klassenverbleib hat Tuchel nicht. "Muss man den kennen, um ihn zu können", fragte der 38-Jährige rhetorisch. Er werde die Trainingsarbeit jedenfalls nicht umstellen. "Die ist nicht abhängig vom Tabellenplatz", meinte der 05-Coach. Kritik richtete er gegen Schiedsrichter Marco Fritz, der aus seiner Sicht "keinen roten Faden" in den Entscheidungen hatte. Insbesondere das vermeintliche Führungstor von Nicolai Müller, das wegen einer Abseitsstellung von Eric Maxim Choupo-Moting nicht anerkannt wurde, regte Tuchel auf.

sportal.de / sportal

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