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1. Bundesliga: Borussia Dortmund siegt im Topspiel beim FC Bayern

Eine Halbzeit lang beschränkte sich Borussia Dortmund auf die Zerstörung des Bayern-Spiels und die Sicherung des eigenen Tores. Das klappte so gut, dass Jürgen Klopp die taktischen Zwänge lockern ließ – die Belohnung folgte mit dem Siegtreffer von Mario Götze. An dieser Pleite werden die Bayern zu knacken haben.

Nach dem 13. Spieltag steht fest: Es wird in der Bundesliga keinen Alleingang des FC Bayern geben. Nach einer taktischen Meisterleistung hat Borussia Dortmund mit 1:0 in der Allianz-Arena gewonnen und den Rückstand in der Tabelle auf zwei Punkte verkürzt.

Wie schon in der vergangenen Saison fanden die Dortmunder die richtigen taktischen Mittel, um die Lauf- und Passwege der dominanten Bayern zuzustellen. Eine Halbzeit lang sah es dabei so aus, als würde dem BVB ein torloses Remis und damit ein Punkt reichen, doch nach der Pause lockerte die Borussia nach und nach die Fesseln und verdiente sich mit tollen Kombinationen den Sieg.

Das Tor des Tages erzielte Jungstar Mario Götze (65.), als er eine Orientierungslosigkeit von Jerome Boateng nutzte. Die Bayern wirkten dagegen über weite Strecken ideenlos, liefen sich immer wieder an der bestens organisierten Defensive der Dortmunder fest und sind somit auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

Robben kehrt zurück

Bayern-Trainer Jupp Heynckes beorderte Arjen Robben nach seiner langen Verletzungspause etwas überraschend in die Startelf und beantwortete damit auch die Frage, wer den verletzten Bastian Schweinsteiger ersetzen sollte. Toni Kroos rückte neben Luiz Gustavo auf die Doppelsechs, diese Aufstellung war extrem offensiv und gab gleich die Richtung der Bayern vor.

Wie die Bayern musste auch BVB-Coach Jürgen Klopp auf einen Schlüsselspieler verzichten, Neven Subotic fällt nach seinem Gesichtsbruch bis zur Winterpause aus. Wie erwartet stand dafür Felipe Santana in der Innenverteidigung, ansonsten setzte Klopp auf Bewährtes, auch Nationalspieler Marcel Schmelzer gab Grünes Licht und sollte – wie schon in der vergangenen Saison beim 3:1-Erfolg in München – das Stoppschild für Robben mimen.

In jedem Fall wussten die Dortmunder, wie konzentriert sie die Anfangsphase angehen mussten, denn in den vergangenen fünf Heimspielen erzielten die Bayern in der Anfangsviertelstunde jeweils einen Treffer – und die Gegner wirkten ob des Tempos regelrecht geschockt. Das ließ der Deutsche Meister nicht mit sich machen, die ersten Minuten gehörten im Gegenteil sogar dem BVB.

Die defensive Taktik geht auf, mehr aber auch nicht

Klopp sprach vor dem Spiel von taktischen Maßnahmen, mit denen er die bisher so überragenden Bayern auf das Dortmunder Niveau runterziehen wolle. Ob die beiden Teams überhaupt soweit auseinander sind, sei mal dahingestellt, aber Klopps Ideen gingen zunächst zu 100 Prozent auf. Früh wurden die Bayern bereits in der eigenen Hälfte angegriffen, Sven Bender in der Zentrale gab immer wieder das Signal zur Attacke und so brauchte es bis zur 22. Minute, bis die Gastgeber zur ersten kleinen Torchance kamen.

Die Borussia kombinierte dagegen gepflegt, die große Torgefahr wollte dabei aber auch nicht entstehen. Jerome Boateng, der mal wieder in der Mitte spielen durfte und dem Revierderby erprobten Rafinha so einen Einsatz auf der rechten Seite ermöglichte, klärte früh einen Erfolg versprechenden Konter über Shinji Kagawa (2.) und ein Freistoß von Mario Götze ging deutlich vorbei (11.).

Mitte der ersten Halbzeit verflachte die Partie für Freunde eines spektakulären Spitzenspiels, Taktikfanatiker bekamen dagegen einiges zu sehen. Der BVB musste sich aber den Vorwurf gefallen lassen, sich am laufintensiven Zustellen der Bayern zu sehr zu ergötzen und zu wenig für die eigene Offensive zu tun. Klopps Maßnahmen ließen das Spiel der Gastgeber sogar ein wenig an die vergangene Saison erinnern – viel Ballbesitz, wenig Tempo, kaum überraschende Momente.

Der Leader fehlt

Schweinsteiger wurde dabei dann doch mehr vermisst, als zunächst gedacht, Kroos hielt den bayrischen Taktstock nicht fest genug in seinen Händen und auch Thomas Müller konnte hinter der einzigen Spitze Mario Gomez nicht so glänzen, wie zuletzt in der Nationalmannschaft. Zu einer Großchance reichte es nach einer guten Kombination dann doch, Müller schickte auf der rechten Seite Robben, dessen Rückpass erreichte den völlig freien Franck Ribéry, aber der Franzose setzte den Schuss in Rücklage weit drüber (29.).

Auf der Gegenseite vereitelte Rafinha die beste Gelegenheit der Gäste. Robert Lewandowski vernaschte auf der rechten Seite Holger Badstuber per Beinschuss, die Flanke des Polen war perfekt getimed, doch der Brasilianer klärte vor dem einköpfbereiten Kevin Großkreutz (33.). Zwei sich über weite Strecken egalisierende Teams gingen dann auch folgerichtig ohne Torerfolg in die Kabinen.

Dortmund lockert die Fesseln

Auf Wechsel verzichteten beide Trainer in der Pause. Klopp hatte keinen Grund und Heynckes wusste, dass ein neuer Spieler am Konzept des Spiels nichts ändern würde. Die Fragen vor dem zweiten Durchgang lauteten stattdessen wie folgt: Würde Dortmund die Leistung über 90 Minuten durchhalten können, entwickelt der BVB vielleicht sogar eigene Ambitionen in der Offensive oder welcher Individualist der Bayern könnte mit einer Einzelaktion für den entscheidenden Akzent sorgen?

Der erste hätte Lewandowski im Zusammenspiel mit Landsmann Lukasz Piszczek sein können. Der Außenverteidiger flankte präzise und Lewandowski kam frei zum Kopfball, doch der Ball ging weit über das von Manuel Neuer gehütete Tor (51.). Kurz darauf gab auch Gomez nach guter Balleroberung von Kroos sein erstes Lebenszeichen, sein Flachschuss ging aber knapp am langen Pfosten vorbei (55.).

Attraktiver wurde das Spiel in jedem Fall, denn die Borussia lockerte tatsächlich die taktischen Fesseln ein wenig. Nach Pass von Mats Hummels legte Lewandowski in gewohnter Manier per Hacke ab, Kagawa stand frei vor Neuer, aber der Nationaltorwart blieb lange stehen und vereitelte den Heber, der Nachschuss von Götze ging ebenfalls knapp vorbei (58.).

Götze hat die Antwort

Die endgültige Antwort auf die zweite Frage gab dann Götze. Lewandowski eroberte den Ball, spielte auf Kagawa und der Japaner leitete direkt auf den 19-Jährigen weiter. Eine wirklich gute Schussposition hatte Götze aber eigentlich nicht, doch Boateng verlor die Orientierung und so könnte Götze trocken abziehen und Neuer keine Chance lassen (65.).

Die Bayern wirkten nun total verunsichert und Heynckes reagierte doch. Der insgesamt blasse Robben verließ wie Müller den Rasen, David Alaba und Ivica Olic sollten für die Wende sorgen (72.). Doch fast wäre die endgültige Entscheidung auf der Gegenseite gefallen, Lewandowski stand bei seinem Tor aber im Abseits (74.).

Das bayrische Signal gab dann mit Gustavo ein Mann fürs Grobe. Sein Schuss aus 25 Metern lenkte Weidenfeller zur Ecke (76.). Doch die Bayern-Fans waren wieder da, prompt hatte Ribéry eine Riesenchance, die Weidenfeller aber auch vereitelte (78.). Als ein direkter Freistoß von Badstuber knapp drüber ging (82.), war klar, hier konnte nur noch ein Lucky Punch für ein positives Bayern-Ende sorgen.

Der eingewechselte Nils Petersen (88.) und Ribéry (90.) hätten noch für den Ausgleich sorgen können, doch beide Chancen verpufften und so jubelten am Ende nur die Gelb-Schwarzen. Für die Dortmunder geht die Woche der Wahrheit mit dem Spiel in der Champions League beim FC Arsenal weiter, am kommenden Spieltag kommt dann Erzrivale FC Schalke ins Westfalenstadion. Auf die Bayern wartet unter der Woche der FC Villarreal, danach geht es dann zum FSV Mainz. Spätestens dann wird man wissen, ob dieses Spiel Spuren hinterlassen wird.

Marcus Krämer

sportal.de / sportal

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