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1. Bundesliga: Bundesliga-Vorschau - Der 1. FC Kaiserslautern

Das ist Wahnsinn, erklärten viele Bundesligisten regelmäßig, wenn es zum Auswärtsspiel auf den Betzenberg ging, warum schickt ihr mich in die Hölle? Doch nach Platz sieben in der Vorsaison hat der 1. FC Kaiserslautern nun nicht mehr als ein kleines Fegefeuer zu bieten, wie wir im ersten Teil der Bundesliga-Vorschau erklären.

Das ist Wahnsinn, erklärten viele Bundesligisten regelmäßig, wenn es zum Auswärtsspiel auf den Betzenberg ging, warum schickt ihr mich in die Hölle? Doch nach Platz sieben in der Vorsaison hat der 1. FC Kaiserslautern nun nicht mehr als ein kleines Fegefeuer zu bieten, wie wir im ersten Teil der Bundesliga-Vorschau erklären.

Der FCK darf für sich behaupten, einer der konstantesten Aufsteiger in der Geschichte der Bundesliga zu sein. In der Saison 1997/98 holte man nach einem Abstecher in die 2. Bundesliga gleich den Meistertitel, nun fuhren die Roten Teufel mit Platz sieben gleich das beste Ergebnis der letzten zehn Jahre ein. Floskeln gibt es viele, doch um nur eine zu bemühen: Das zweite Jahr ist immer das schwierigste und auch der FCK wird dies zu spüren bekommen.

Gute Sommer-Zeit
Es ist nicht immer unbedingt von Nachteil, wenn eine Mannschaft wenig Abgänge zu verkraften hat und die Abläufe nicht neu einstudiert werden müssen. Beim FCK ist zumindest die komplette Defensivreihe um Florian Dick, Leon Jessen, Rodnei, Martin Amedick und Mathias Abel beisammengeblieben. So konnten Trainer Marco Kurz und Manager Stefan Kunz den Fokus bei der Sichtung von möglichen Neuverpflichtungen ganz auf die Offensive legen.

Es wurden alle Wunschspieler, zu denen wir gleich noch kommen werden, verpflichtet und ansonsten ging es ziemlich ruhig zu im pfälzischen Land. Zumindest, was Hiobsbotschaften wegen Verletzungen angeht. Weniger Zeit die Füße hochzulegen hatten nämlich die Angestellten der Geschäftsstelle, die einen erneuten Run auf die Dauerkarten bewältigen mussten. Der Verein stoppte den Verkauf, nachdem die Marke von 27.000 überschritten war. "Das ist erneut ein großartiges Zeichen der Unterstützung unserer Fans", lobte Amedick die Anhänger.

In den bisherigen Testspielen konnten die Lauterer bisher zwar nicht vollends überzeugen, leisteten sich dennoch keine Niederlage. Der SC Hauenstein (3:1), die SV Elversberg (6:1) und der FSV Frankfurt (3:0) wurden klar besiegt, gegen den SV Sandhausen und den FC Metz spielte man jeweils remis - zudem holte Lautern noch den Saar-Pfalz-Cup.

Das sind zwar nicht unbedingt die Vorboten einer grandiosen Saison, doch beim FCK weiß man, das Platz sieben aus dem Vorjahr wohl kaum zu wiederholen ist und nimmt schon im Vorfeld jeglichen Druck aus etwaigen Erwartungshaltungen. "Unser Ziel ist ganz klar der Klassenverbleib. Wir wollen am Ende drei Mannschaften hinter uns lassen", erklärte Kurz.

Schlechte Sommer-Zeit
Die Offensive war sicherlich nicht unbedingt das Prunkstück der Pfälzer, die am Betzenberg oft Probleme bekamen, wenn der Gegner defensiv gut stand. Auf der-betze-brennt.de erklärte auch Mathias Abel: "In der Konstellation war es gerade gegen Ende der Saison, als wir eine Serie von vier Auswärtssiegen in Folge hinlegten, einfacher auswärts anzutreten, weil wir dort seltener das Spiel machen mussten. Bei unseren Heimspielen stellten sich die gegnerischen Mannschaften oft hinten rein und wir waren am Zug, womit wir nicht so zurechtkamen."

Da passt es nicht unbedingt ins Konzept, dass mit Erwin Hoffer (Frankfurt/5 Tore und 2 Vorlagen), Jan Moravek (Schalke/5 Tore und 3 Vorlagen) und Srdjan Lakic (Wolfsburg/16 Tore und 2 Vorlagen) gleich das komplette Herz der Offensive in einem Akt der Grausamkeit aus dem Leib der Roten Teufel gerissen wurde. Der Verein bemühte sich um Neuzugänge und fand sie in Israel bei Hapoel Tel Aviv.

Störgeräusche gab es beim Abgang von Moravek. Denn Schalke wollte Torhüter Kevin Trapp verpflichten, bekam ihn aber nicht. Im Gegenzug und ganz im Stil einer beleidigten Leberwurst verweigerte der S04 die Freigabe für den Tschechen. "Von so etwas habe ich auch gehört", bestätigte Moravek auf stirnberg-zeitung.de.

Itay Shechter und Gil Vermouth heißen also - neben Olcay Sahan (Duisburg) - die Hoffnungsträger aus Israel und sollen für Furore in des Gegners Hälfte sorgen. Shechter traf immerhin bei der 1:3-Niederlage in der Champions League gegen den FC Schalke, doch so wirklich ist man sich auch in der Pfalz nicht sicher, ob die beiden Spieler nach der Umstellung einschlagen werden. Zudem kam Richard Sukuta-Pasu, der auch nicht gerade die eingebaute Torgarantie in seinem Personalausweis stehen hat - Gleiches gilt für Dorge Rostand Kouemaha, der aus Brügge kam.

Neben den Problemen in der Offensivabteilung leisteten sich drei Spieler der Roten Teufen noch einen gewaltigen Fauxpass. Nach diversen Medienberichten wollten es Tobias Sippel, Ivo Ilicevic und Thanos Petsos in ihrer Freizeit ordentlich krachen lassen, was sich bildlich gesehen auch taten. Denn nach einem Disco-Besuch sollte es noch auf einen Absacker in einen Nachtclub gehen. Bei Abstellen des motorisierten Gefährts bauten sie aber einen Unfall, begingen Fahrerflucht und wurden von der Polizei alkoholisiert aus dem Etablissement gezogen. Beim FCK war man not amused.

Wer darf sich nicht verletzen?
In der Defensive war und ist der FCK gut aufgestellt, in der Offensive ist es im Vorfeld schwer zu beurteilen, ob einer der Neuverpflichtungen die Lücke schließen kann, die Lakic mit seinem Weggang gerissen hat. Allerdings ist man sich bei den Pfälzern einig, was man an Kevin Trapp hat. In der schwierigen Phase der abgelaufenen Saison, als man in den Sog des Abstiegsstrudels zu geraten schien, war es der junge Schlussmann, der für die Wende sorgte.

Sieben Siege holte man mit ihm aus den letzten neun Spielen, in denen er nur neun Gegentore zuließ - drei Mal hielt er seinen Kasten sauber. Ob Ersatzmann Tobias Sippel den Lauterern erhalten bleibt, ist noch ungewiss. Er ist sicherlich ein sehr guter Backup, doch erst mit dem Einsatz von Trapp, der von einer Krankheit Sippels profitierte, kam die Wende. Und die soll nach Vorstellung der Verantwortlichen noch länger anhalten.

Die Frage an den Fachmann
Wer, wenn nicht Fabian Müller und Sebastian Frisch vom fck-blog.de, könnten uns die Frage beantworten, wo die Probleme des FCK liegen und warum der Abstieg verhindert werden könnte: "Natürlich ist das zweite Jahr nach dem Aufstieg schwerere als das erste. Mit Srdjan Lakic und Jan Moravek haben zwei entscheidende Akteure den Verein verlassen, Hauptaufgabe des Clubs war es also, auf den Schlüsselpositionen für adequaten Ersatz zu sorgen. Das ist mit der Verpflichtung der beiden Israelis Gil Vermouth und Itay Shechter sowie des Duisburgers Olcay Sahan zumindest nominell geglückt. Allerdings steht hinter allen drei Spielern ein Fragezeichen, ob und wie sie in der Bundesliga einschlagen werden.

Der Schlüssel zum Klassenerhalt ist derselbe wie im Vorjahr. Es hat sich in der vergangenen Saison bewährt, auch in schlechten Phasen nicht in Unruhe zu verfallen und dem Trainer immer den Rücken zu stärken. Anderen Vereinen ist das nicht gelungen, wie die vielen Trainerwechsel in der Vorsaison beweisen. Den sensationellen siebten Platz zu wiederholen, wäre utopisch. Wenn aber Verein und Mannschaft ähnlich professionell und ruhig arbeiten wie 2010/2011, dürfte ein Platz über dem Strich in erreichbarer Nähe sein."

Prognose
Wie schon mehrfach angesprochen, hat der Club in der abgelaufenen Spielzeit über seinen Verhältnissen gespielt und dank eines famosen Schlussspurts den Kopf nicht nur aus der Schlinge ziehen, sondern auch noch einen respektablen siebten Platz erreichen können. "Wir werden jeden Punkt brutal erkämpfen müssen, damit wir hoffentlich frühzeitig den erhofften Klassenerhalt schaffen werden", sagte Abel der Allgemeinen Zeitung und hat zumindest in dem Punkt recht, dass es ein harter Kampf wird.

Die Neuzugänge müssen sich erst beweisen und mit dem hohen Tempo in der Bundesliga zurecht kommen. Im Vergleich zum Vorjahr hat man aber an Qualität verloren und es müsste schon mit dem Teufel zugehen, wenn den Lauterern am Ende wieder so ein Spurt a la Usain Bolt gelingt. Daher geht es für den 1. FC Kaiserslautern auf Platz 17 liegend wieder zurück in die 2. Liga. Aber ärgern sollte man sich nicht, denn nach dem dann angepeilten Aufstieg weiß man ja, zu was man in der Lage ist.

Gunnar Beuth

sportal.de / sportal

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