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1. Bundesliga: Fünf Fragen an den Spieltag

In Hoffenheim wurden blühende Landschaften versprochen, doch was ist geblieben? In Stuttgart wurde Bastian Schweinsteiger gefoult, doch wird sein Double auflaufen? Schalke bereitet sich auf den Angriff der Nasenschwalbe vor und Leverkusen will Dortmund den Spielwitz aussaugen. Die Bundesligavorschau auf den 21. Spieltag.

Unter der Woche gab es eine Hiobsbotschaft in Stuttgart, eine Nasenschwalbe in Berlin und Trainerentzauberung im Kraichgau zu bestaunen. Was vom Tage übrig blieb, sind wichtige Fragen. Warum sind die "Hells Bells" in Sinsheim verstummt, wer wird den Schweini doubeln und was ist eine Nasenschwalbe? 

Wer gewinnt: Meckerkäse oder Nasenschwalbe?

Das Spiel Gladbach gegen Schalke ist eigentlich das Spiel der besten Defensive (Gladbach hat erst zwölf Gegentore bekommen) gegen die zweitbeste Offensive (Schalke schoss bereits 46 Treffer). Aber beide Teams haben noch ganz andere Qualitäten. Igor de Carmago zum Beispiel ist ein speziell dressiertes Fohlen, dass die Nasenschwalbe perfekt beherrscht.

Nur gut, dass Benedikt Höwedes eine Gesichtsmaske trägt. Wenn de Carmargo also erneut wie vom Blitz getroffen der Erdanziehung nachgeben muss, kann Schalkes Kapitän einfach behaupten, der Gladbacher sei von der Teflonbeschichtung seiner Schutzplastik abgerutscht. Weitere Experten in Sachen "Wer früh duschen geht, kriegt trotzdem die Siegprämie“ sind Klaas-Jan Huntelaar und Jermaine Jones.

Letzterer weilte zu einem ausgiebigen USA-Urlaub, bei dem er zwischen Klinsmanns Buddha-Figuren am Strand von Kalifornien seine innere Mitte zurückfinden sollte. Der Meckerkäse Klaas-Jan Huntelaar ist am Samstag wieder mit von der Partie und hat scheinbar aus seiner Gelb-Roten Karte bei der Pokalniederlage in Gladbach gelernt.

"Vor allem sollten wir diesmal mit elf Mann zu Ende spielen“, sagte er unlängst im kicker. Applaus für die Schiedsrichterentscheidungen wird er sich wohl dieses Mal sparen. Es sei denn, de Carmargo gelingt es erneut, vom bloßen Mundgeruch seines Gegenspielers in Ohmacht zu fallen. Das ist schon einen Applaus wert.

Saugt Bayer Dortmund den Spielwitz aus?

Gegen Dortmund will Bayer 04 die "eigenen Stärken ausspielen“ und "dem Gegner Energie abziehen“, so Trainer Robin Dutt im kicker. Das Prinzip heißt: Mattsetzung des Gegners bei eigener Ideenlosigkeit. Jedes zweite, der letzten zehn Spiele, endete für Bayer Leverkusen mit einem Unentschieden. Schaut man sich einmal das Mittelfeld an, also den Mannschaftsteil, in dem Kreativität, Ideen und Spielaufbau beheimatet sein sollten, dann wird klar, wo das Hauptaugenmerk bei Bayer derzeit liegt. Zuletzt trat Leverkusen mit einem Mittelfeld aus Simon Rolfes, Stefan Reinartz, Lars Bender und Gonzalo Castro an. Das ist eigentlich eine verkappte Abwehrkette.

Bayer tut sich nach den Abgängen von Toni Kroos und Arturo Vidal sowie den Verletzungen von Renato Augusto (könnte in die Startelf zurückkehren) und Sindey Sam enorm schwer, Kreativität und Spielwitz zu erzeugen. Allerdings verloren die Leverkusener auch keine der letzten sechs Auswärtspartien.

Das Resultat ist immerhin Platz sechs in der Bundesliga. Doch mal ehrlich, in den letzten Spielen von Bayer wurde alles andere als ansehnlicher Offensivfußball geboten. Das blutleere Gekicke nervt den Bayer-Fan fast noch mehr, als das epische Ballack-Theater. Der BVB-Fan dagegen hofft, dass sein Team Knoblauchketten unter den Trikots trägt, und sich von den Bayer-Vampiren nicht die Spielfreude aussaugen lässt.

Das Klischee des geizigen Schwaben am Ende?

Am letzten Spieltag gab es in neun Bundesligapartien wie viele Heimsiege? Genau, keinen einzigen! Das wird sich ziemlich sicher am 21. Spieltag nicht wiederholen. Dabei ruht die Hoffnung allerdings nicht auf dem VfB Stuttgart. Seit sieben Bundesligaspieltagen sieglos, präsentierten sich die Schwaben unter der Woche als Geburtstagsspielverderber.

Zum 46. Jahrestages ihres Trainers Bruno Labbadia zeigten sich die Spieler des VfB zwar in Geberlaune, aber in eine ganz andere Richtung. Ihnen lag mehr daran, Geschenke an den Gegner zu verteilen, als an den eigenen Trainer. Beim zweiten Treffer des Abends bemühte man sich, Mario Gomez am Elfmeterpunkt so viel Freiraum wie irgend möglich zu lassen.

Als der, ob seiner Freiheiten verwirrte Ex-Schwabe, Stuttgarts Keeper anschoss, der extra in Deckung gesprungen war, durfte er noch einmal zielen und traf zum 2:0. Das ist wahre Nachbarschaftshilfe und vielleicht das Ende des Klischees der geizigen Schwaben.

Gegen den Großstadtclub aus Berlin trainierte Bruno Labbadia unter der Woche aber nicht mehr unkompaktes Auftreten bei völliger Desillusioniertheit, sondern geschicktes zu Boden werfen, bei minimalem Körpereinsatz. Was den Gladbachern in Berlin zum Sieg verholfen hat, könnte auch Krisenkönig Bruno die verspätete Geburtstagsfeier einbringen. Wir zweifeln trotzdem am ersten Heimspielerfolg in der Bundesliga seit dem 20. November.

Warum sind die  "Hells Bells“ in Sinsheim verstummt?

In Hoffenheim versprach Dietmar Hopp einst blühende Landschaften. Doch nach dem kometenhaften Aufstieg des Dorfclubs folgte der Absturz. Die einstigen Stars (Demba Ba, Chinedu Obasi, Carlos Eduardo, Luiz Gustavo und Vedad Ibisevic) wurden abgegeben.

Der Zuschauerschnitt sinkt und die Spieler spiegeln mit ihrem Auftritt das leblose Treiben des Retortenvereins wieder. Mit einem Trainer Marke "dufter Typ“ wollte man den Eindruck der grauen Maus zu Saisonbeginn loswerden. Der Kult-Trainer vom bunten Kiezclub sollte das Image des SAP-Startups aufpolieren. Letztlich wurde aber einzig und allein das Image von Holger Stanislawski beschädigt.

Doch war der "Stani“ überhaupt je das, was er zu sein schien? Öffnete man die mediale Klischee-Schublade, dann hüpfte dort ein mit Totenkopf-Sweatshirt bekleideter Kumpeltyp aus der Trainerkiste. Stanislawski, so wurde suggeriert, sei direkt der St. Pauli-Subkultur entnommen. Man stellte sich vor, er wohnt auf dem Kiez, hört ACDC, spielt Tischkicker und ist ein linksautonomer unangepasster Rebell.

Doch das war ein Trugbild. Die TSG, der Dietmar - wir alle sind einem medialen Spuk aufgesessen! Stanislawski wohnte am Hamburger Standrand, aß am liebsten im gesitteten Barmbek, hört am liebsten Schlagerstar Andrea Berg und bewundert Helmut Kohl und Angela Merkel. Als man in Hoffenheim hinter diese Wahrheit kam, war es höchste Zeit, die Notbremse zu ziehen. Dabei passen die blühenden Landschaften doch eigentlich zu Kohl-Fan Stanislawski. Doch den Dietmar scherte es nicht, die Hells Bells sind verstummt.

Wer gibt das Schweini-Double?

Hiobsbotschaft, so nennt man es, wenn sich ein Leistungsträger verletzt. Bastian Schweinsteiger riss sich im Pokalspiel in Stuttgart das Außenband des Sprunggelenks. Bei einem Besuch bei Dr. Müller-Wohlfarth wurde er von der geifernden Reportermeute verfolgt und ließ sich etwas Besonderes einfallen, um dem Blitzlichtgewitter zu entgehen. Sein Bruder Tobias (spielt bei Drittligist Jahn Regensburg), der ebenfalls bei Müller-Wohlfarth zur Untersuchung weilte, vermummte sich mit Schal und Mütze und verließ mit Sarah Brandner, der Freundin seines Bruders, die Praxis. Der wahre Schweini entkam durch die Hintertür.

Doch wer wird am Samstag beim 1. FC Kaiserslautern den Schweini geben? Auf dem Feld dürfte vermutlich Luiz Gustavo als Schweinsteiger-Double auflaufen, denn Tobias ist für Bayern München nicht spielberechtigt. Wenn sich der Brasilianer die Haare blond färbt, eine Schweine-Nase aus dem Karnevalsortiment aussucht und sein Leistungsvermögen um 20 Prozent steigert, vielleicht fallen die Lauterer Spieler dann auf das neue Schweini-Double herein und machen Gustavo ehrfürchtig Platz. Ob der Luiz allerdings die Sarah Brandner mit nach Hause nehmen darf, dazu enthalten wir uns jeglicher Spekulation.

Michel Massing 

sportal.de / sportal

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