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1. Bundesliga: Schalke 04 gewinnt beim FSV Mainz 05 mit 4 -2

Gut vier Jahre hatte der FC Schalke 04 in des Gegners Stadion keinen Rückstand mehr drehen können und bei 0:2 zur Pause in der Coface-Arena schien das Spiel gelaufen. Doch mit einem Doppelwechsel sorgte Ralf Rangnick für die Wende und der FSV Mainz musste in Durchgang zwei noch vier Gegentreffer einstecken.

In einer in der zweiten Hälfte hochklassigen Partie hat der FC Schalke einen 4:2-Sieg beim FSV Mainz eingefahren und erstmals seit gut vier Jahren einen Rückstand noch umwandeln können. Dabei verpassten es die Hausherren nach einer 2:0-Pausenführung, ihren dritten Sieg in Folge einzufahren.

Dabei sorgten die Gastgeber innerhalb von nur fünf Minuten für zunächst klare Verhältnisse. Erst traf Andreas Ivanschitz nach einem Freistoß von Zoltan Stieber zur frühen Führung (7.), dann legte Elkin Soto nach Fehler von Ralf Fährmann nur vier Minuten später nach. Das Spiel schien gelaufen, doch Klaas-Jan Huntelaar (57.), Benedikt Höwedes (64.) und Joel Matip (81.) drehten die Partie. Zu allem Überfluss sorgte der von Mainz gekommene Christian Fuchs dann in der Schlussminute für den 4:2-Endstand.

Tuchel und Rangnick lassen rotieren

Thomas Tuchel baute seine Mannschaft wie gewohnt um und brachte im Vergleich zum 2:1-Erfolg in Freiburg zwei neue Spieler. Bo Svensson kehrte zurück in die Innenverteidigung neben Nikolce Noveski und der quirlige Zoltan Stieber durfte sich auf der linken Außenbahn beweisen und ersetzte Eric Maxim Choupo-Moting.

Ralf Rangnick baute seine Elf, die sich in der Europa League gegen Helsinki bis auf die Knochen blamiert hatte, auf drei Positionen um. Atsuto Uchida, Julian Draxler und Ciprian Marica fanden sich auf der harten Bank wieder, Christian Fuchs - der das gesamte Spiel über ausgepfiffen wurde - durfte dafür gegen seine alten Kollegen auflaufen und wurde unterstützt von José Manuel Jurado und Raúl.

Der Münchner Schiedsrichter Günter Perl zeigte sich für die Leitung der Partie in der Coface Arena verantwortlich und sah zusammen mit den 34.034 Zuschauern zwei unterschiedliche Systeme aufeinanderprallen. Die Heimelf agierte in einem 4-2-3-1, während Königsblau nominell in einem 4-1-4-1 agierte und Kyriakos Papadopoulos als Abräumer vor der Abwehr aufbot.

Neues System - alte Schwäche

Doch das neue System brachte nicht das von Rangnick gewünschte Resultat, denn sein Team agierte zerfahren und ließ sich innerhalb kürzester Zeit den Schneid vom Gastgeber abkaufen. Zwar hatte Klaas-Jan Huntelaar die erste kleine Chance (4.), doch nur kurze Zeit später lagen die Gäste bereits im Hintertreffen und hatten mit einem Blick auf die Statistik keine Chancen mehr, die drei Punkte zu holen.

Denn erst sorgte Ivanschitz nach Freistoß-Flanke von Stieber und schönem Block von Nikolce Noveski für das 1:0 (7.), dann traf Soto nach einem Schuss von Sami Allagui und folgendem Fehler von Fährmann, der den Ball abprallen ließ, allein gelassen aus kurzer Distanz zum 2:0 (12.). Die Hintermannschaft der Gäste fiel gleich doppelt in einen lauen Sommernachtstraum, und diese Inkonsequenz übertrug sich über die gesamte Halbzeit auf das komplette Team.

Denn von zwingenden Aktionen, Torchancen oder gelungenen Kombinationen fehlte jede auch noch so winzige Spur und zur Halbzeit durften die Gäste dann froh sein, dass sie nach einer Doppelchance von Noveski und Ivanschitz sowie einem schönen Schuss von Allagui mit 0:2 in die Kabine schlendern durften. Die letzten 124 Spiele auf des Gegners Platz hatte der Pokalsieger aus dem Vorjahr kein Spiel nach Rückstand noch drehen können, und es sah nicht so aus, als ob die 125 in irgendeiner Form verhindert werden könnte.

Doppelter Wechsel zum Sieg

Moravek und Jurado hatten in keinster Weise überzeugen können und so brachte Rangnick Draxler und Jefferson Farfán, stellte damit auch auf 4-4-2 um. Und Königsblau kam gut aus der Pause, versuchte mit frühem Pressing direkt für Fehler beim Gegner zu sorgen, und der Schachzug ging auf. Erst bediente Holtby per Tunnel gegen Noveski den gut gestarteten Raúl, der dann auf Huntelaar ablegte. Der Niederländer hatte dann keine Mühe, den Ball über die Linie zu bugsieren (57.)

Das Spiel der Schalker wurde nun zwingender, und Mainz schien den Faden zu verlieren. Bestes Beispiel war die verunglückte Kopfball-Rückgabe von Marco Caligiuri, der Heinz Müller zu einer Parade zwang. Schlimmer war allerdings der daraus resultierende Eckball von Farfán, den Benedikt Höwedes am langen Pfosten aus spitzem Winkel zum 2:2 verwertete (64.).

Dank der Steigerung der Gäste sahen die Zuschauer nun eine packende Begegnung, in der Mainz ein wenig brauchte, um sich von dem Schock zu erholen, dann aber durch Eugen Polanski den Pfosten traf (75.). Auf der Gegenseite verzog Huntelaar einen Kopfball nur knapp (79.), doch Joel Matip drehte die Partie per Flugkopfball aus kurzer Distanz erneut nach einem Eckball und folgendem Gewühl im Strafraum (82.). Als dann der permanent ausgepfiffene Fuchs mit einem direkten Freistoß in das Eck von Müller zum 4:2 traf, war der Bann gebrochen.

Schalke gewann erstmals seit 124 Versuchen wieder eine Partie nach einem Rückstand und Rangnick darf sich darüber freuen, mit den Einwechslungen von Farfán und Draxler genau den richtigen Riecher gehabt zu haben. Mainz verpasste es nach starker erster Hälfte, den Deckel auf die Geschichte zu machen und den Sprung - wie in der vergangenen Saison - auf Platz eins zu realisieren.

Gunnar Beuth

sportal.de / sportal

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