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2. Bundesliga: Die 2. Liga im sportal.de-Check Teil IV

Im vierten Teil des sportal.de-Checks der 2. Liga beschäftigen wir uns mit den Plätzen 9 bis 7. Dabei ist uns aufgefallen, dass Claus-Dieter Wollitz es liebt Problemfälle in der Lausitz-Klinik wieder aufzupäppeln. Peter Hyballa setzt in Aachen lieber auf ein Mark van Bommel-Double und der FC St. Pauli klagt trotz Abwehrbollwerk über Ebbe im Sturm.

Im vierten Teil des sportal.de-Checks der 2. Liga beschäftigen wir uns mit den Plätzen 9 bis 7. Dabei ist uns aufgefallen, dass Claus-Dieter Wollitz es liebt Problemfälle in der Lausitz-Klinik wieder aufzupäppeln. Peter Hyballa setzt in Aachen lieber auf ein Mark van Bommel-Double und der FC St. Pauli klagt trotz Abwehrbollwerk über Ebbe im Sturm.

Viele Fragezeichen aus der Wundertüte

Energie Cottbus-Trainer Claus-Dieter Wollitz gab sich zuletzt nostalgisch. Petersen und Jula könne man "von ihrer Art, wie sie miteinander gespielt haben, nicht ersetzen. Dass Spieler so harmonieren, findet man ganz selten", sagte Wollitz im kicker. Der Verlust des Sturmduos Nils Petersen (FC Bayern München) und Emil Jula (MSV Duisburg) wiegt in der Tat schwer. Zusammen schossen die beiden Angreifer 35 der 65 Energie-Treffer. Auf Neuzugang und Rückkehrer Dimitar Rangelov (Dortmund) lastet nun ein schweres Gewicht. Hinter den anderen Neuen in Cottbus steht allerdings ein noch viel größeres Fragezeichen.

Der 20-jährige Charles Uchenna Nwaogu kommt aus der zweiten polnischen Liga, wo der seit seinem 15-Lebensjahr spielende Nigerianer in der Offensive eingesetzt wurde. Mustafa Kucukovic (kommt von Sönderjysk Elitesport) hat bereits 50 Zweitligaspiele für Greuther Fürth und 1860 München bestritten. Der ehemalige Juniorennationalspieler spielte einst beim HSV, konnte sich aber nicht durchsetzen. "Das Talent von Mustafa Kucukovic wurde bereits sehr früh erkannt", erklärte Wollitz im kicker. "Nun ist es an uns, ihn so zu begleiten, dass er seine unbestrittenen Fähigkeiten ausschöpft."

Ebenfalls große Fähigkeiten werden Alexander Ludwig nachgesagt. Der Mittelfeldspieler konnte dies aber beim FC St. Pauli und zuletzt bei 1860 München nur phasenweise unter Beweis stellen. Damit der Problemfälle nicht genug. Mit Christian Müller (Arminia Bielefeld) kommt ein Spieler, der schon einmal in Cottbus spielte, über die Stationen Koblenz und Bielefeld wieder in der Lausitz zurück. Für den 27-Jährigen wohl die letzte Chance im Profifußball. "Ich hatte schlechte Manieren und Flausen im Kopf. Ich weiß jetzt, wie man sich als Profi-Fußballer verhalten, seinen Körper pflegen und sich ernähren muss. Ich bin reifer geworden", sagte Müller auf bild.de.

Als hätte man im eigenen Team nicht genug Spieler, die ihr Potenzial nicht ausnutzen. Einer davon ist der Niederländer Jules Reimerink. "Er könnte noch viel wertvoller sein. Bei ihm hat vieles mit Einstellung zu tun", bestätigte sein Trainer die Problemlage in der Bild. Insgesamt gesehen ist Cottbus also vor allem in der Defensive eine absolute Wundertüte. Aber auch die Abwehr lässt viele Fragen offen. In der letzten Saison kassierte Cottbus 52 Gegentore. Sogar Ingolstadt auf Platz 14. hatte eine bessere Defensive (47 Gegentore).

Alexander Bittroff (links), Markus Brzenska, Uwe Hünemeier und Adam Straith (rechts) bilden die Viererkette, davor agiert Marc-André Kruska als Abräumer. Im letzten Test zeigte die Defensive ihre bekannte Anfälligkeit und das, obwohl sie in den Freundschaftsspielen zuvor eigentlich sehr sicher stand. "Das ist ärgerlich, keine Frage. Es hält uns aber auch wieder deutlich vor Augen, dass wir keinen Schritt nachlassen dürfen", kommentierte Wollitz die Abwehrleistung auf der eignen Homepage. Die zwei Treffer beim 2:2 gegen Dukla Prag erzielten Tobias Steffen (Neuzugang von Leverkusen II) und Jules Reimerink.

Platz sechs zu erreichen, wie in der Vorsaison, ist durch den Abgang des Sturmduos und aufgrund der vielen Fragezeichen im Kader für Energie eher unwahrscheinlich. Cottbus wird am Ende auf dem neunten Tabellenplatz einlaufen.

Van Bommel-Double soll es richten

Für Alemannia Aachen steht nach einer Saison der Extreme, die im Mittelmaß endete, erneut eine Kraftaufgabe an. In der Offensive zauberten sich die Aachener in der letzten Saison häufig in die Herzen des Publikums, aber die Defensive war mit 60 Gegentoren fast so schlecht, wie die von Absteiger Osnabrück (62). Mit Marco Höger (Schalke 04) und Zoltan Stieber (Mainz 05) verließen den Club zwei Leistungsträger. Mit neuen Talenten versucht Manager Erik Meijer die Alten zu ersetzen. Reinhold Yabo (19 Jahre/Köln) und Marco Stiepermann (20 Jahre/Dortmund) haben schon Erstligaluft geschnuppert und müssen sich gleich in ihrer ersten Zweitligasaison als Treffer erweisen.

Bas Sibum (Nijmegen) soll Routine ins Team bringen. Erik Meijer wollte den Mittelfeldspieler unbedingt. Der 28-Jährige Sibum wird gern mit Mark van Bommel verglichen. "In zwei Wochen tragen alle auch im Training Schienbeinschoner", kommentierte Eric Meijer laut an-online.de die Qualitäten von Sibum. "Ich verliere nicht gerne", sagte Sibum nur kurz zu diesem Thema. Sibum gilt als Königstransfer in der Kaiserstadt. "Wir wollten einen Typen auf den Platz, der vorangeht, der Kommandos gibt. Da hat uns etwas gefehlt", sagt Hyballa - einen solchen Typen haben sie in Sibum gefunden.

In der Vorbereitung lief es allerdings alles andere als rund. Beim Blitzturnier mit Fortuna Düsseldorf (0:1) und Borussia Mönchengladbach (2:3 i.E.) blieb die Alemannia ohne eigenes Tor aus dem Spiel heraus. "Beamten-Fußball", kommentierte Trainer Peter Hyballa laut az-web.de. Die Generalprobe für den Ligaauftakt in Aue gegen den niederländischen Zweitligisten FC Volendam gelang mit 3:0. Benny Auer, Thomas Stehle und Daniel Engelbrecht erzielten die Treffer. Dabei vergaben die Aachener allerdings ein halbes Dutzend Großchancen. "In der ersten Halbzeit waren wir in der Ball-Umschaltbewegung manchmal etwas zu transusig, danach haben wir viele gute Kombinationen gespielt", urteilte Hyballa anschließend.

Aachen hat eine junge und dynamische Mannschaft. Dazu haben sie mit Peter Hyballa einen der besten Trainer der zweiten Liga. Stiepermann und Yabo müssen allerdings sofort funktionieren. Entscheidend wird sein, ob Aachen als Mannschaft wieder so temporeich und offensiv Fußball spielen kann, wie in der letzten Spielzeit. Dann werden sie am Ende auf Platz Neun landen.

Abwehrbollwerk und Ebbe im Sturm

Der FC St. Pauli hat in einer Region des neuen Kaders definitiv Zweitligaspitze zu bieten. In der zentralen Verteidigung gibt es ein Hauen und Stechen zwischen Fabio Morena (hat die besten Chancen), Lasse Sobiech (Neuzugang aus Dortmund), Ralph Gunesch und Markus Thorandt. In den Konkurrenzkampf könnte auch Carlos Zambrano noch eingreifen. Der Peruaner ist derzeit noch nicht wieder fit und würde gerne erstklassig spielen, aber ein Verkauf scheint ob seiner mangelnden Fitness unwahrscheinlich.

Anders als in der Defensive sieht es in vorderster Front aus. Sturmführer Marius Ebbers fällt mit einem Muskelfaserriss im Adduktorenbereich zum Auftakt aus. Nun muss es wohl Mahir Saglik (kam aus Bochum) richten. Oder man improvisiert, wie im Test gegen Bröndby Kopenhagen (2:0). Dort spielte Charles Takyi in Angriff und machte seine Sache gut. Auch sein Trainer Andre Schubert war zufrieden. "Zum einen entwickelt er so eine ganz andere Torgefahr. Zum anderen agiert er mit viel Risiko, und ein eventueller Ballverlust in der gegnerischen Hälfte ist für uns leichter zu verteidigen als einer an der Mittellinie", sagte der neue Coach laut mopo.de.

Ebbers (verletzt), Saglik, Notlösung Takyi und Rouwen Hennings (verletzt). Mit dieser Sturmreihe dürfte St. Pauli mit dem Aufstieg nichts zu tun bekommen. Wenn da nicht die Qualität des außerordentlich gut besetzten Mittelfeldes wäre. Mit Max Kruse, Deniz Naki, Fin Bartels oder eben Charles Takyi hat Andre Schubert alle Möglichkeiten eine variable Angriffsreihe hinter der einzigen Spitze zu bilden. In der Vorbereitung testete er eine Art 4-1-4-1-System mit nur einem klassischen Sechser (Fabian Boll oder Patrick Funk) und einer Viererreihe davor. Da könnten dann Kruse, Naki und Bartels zusammen mit einem Achter (Florian Bruns, Dennis Daube) wirbeln.

Der Erstliga-Absteiger aus Hamburg ist auf einem guten Weg den Umbruch zuschaffen. Neun Abgänge, vier davon Stammspieler mussten ersetzt werden. Dazu kommt die Eingewöhnungszeit für den neuen Trainer. Das größte Manko ist allerdings der qualitativ und quantitativ dünn besetzte Sturm. Sollte Ebbers ausfallen und Saglik nicht einschlagen, hat St. Pauli ein großes Problem. Deshalb sind wir der Meinung, dass die Kiezkicker trotz der guten Abwehr und des hohen Kreativ-Potenzials im Mittelfeld nur auf Platz Sieben landen werden.

Michel Massing

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