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4:0-Sieg gegen Augsburg: Dortmunds Glitzerboy

Er schoss drei der vier Dortmunder Tore: Neuzugang Aubameyang setzte die Glanzlichter im Spiel gegen Augsburg – und überdeckte die Tatsache, dass es beim Klopp-Team lange rumpelte.

Von Tim Schulze

Eine der ersten Anweisungen, die Dortmunds Coach Jürgen Klopp seinem neuen Angreifer erteilte, war nicht sportlicher Natur. Klopp machte Pierre-Emerick Aubameyang während der Vorbereitung auf die neue Saison unmissverständlich klar, dass man in Dortmund nicht in grell-leuchtenden Fußballschuhen aufzulaufen habe. Nicht im Training und nicht im Spiel.

Aubameyang ist für seinen extravaganten Geschmack bei Schuhen bekannt. Sie dürfen auch gern mal mit kleinen Glitzersteinchen besetzt sein. Damit ist bei seinem neuen Arbeitgeber also schnell Schluss gewesen. Mit seinem Ferrari darf der 24-Jährige weiter zum Training fahren. Die Wuschel-Iro-Frisur hat Klopp dem Neuankömmling ebenfalls nicht ausgeredet.

Welchen Anteil das Glitzerschuh-Verbot daran hatte, dass Aubameyang ein sensationelles Bundesliga-Debüt zeigte, lässt sich nicht sagen. Mit drei Toren beim 4:0 Erfolg in Augsburg war er der Mann des Spiels. Der Neuzugang setzte die Glanzlichter, die sein Team lange gegen den Außenseiter vermissen ließ.

Dortmund rumpelt es zunächst

Klopp bewertete seine Leistung ziemlich trocken: "Ich bin nicht überrascht über das, was er anbietet". Der Trainer war sichtlich bemüht, jetzt bloß keinen Hype um den Dreifachtorschützen entstehen zu lassen. "Er ist bei den Toren durch tolle Flanken und Pässe eingesetzt worden", betonte er.

Schon Sekunden nach Anpfiff stand Aubameyang erstmals im Mittelpunkt, als er nach einem langen Ball freie Bahn gehabt hätte - davon aber selbst überrascht schien und den Ball vertändelte. Etwas mehr als 20 Minuten später offenbarte der gabunische Nationalspieler seine Qualitäten: Eine präzise Flanke von Marcel Schmelzer beförderte Aubameyang aus vollem Lauf per Kopf ins Netz. Beim Tor danach zeigte der Gabuner, der in Frankreich aufwuchs, dass er auch beim Torjubel auf Spektakel steht. Aubameyang legte einen perfekten Salto hin – ganz in Miro-Klose-Manier.

Trotz der Führung tat sich der BVB schwer. Das Kombinationsspiel lief schleppend, die Zweikämpfe wurden nachlässig geführt. Augsburg hielt erfolgreich dagegen und erspielte sich Torchancen. Erst als Klopp in der 57. Minute Blaszczkowski für Ilkay Gündogan brachte und Reus die zentrale Position übernahm, wurde das Spiel der Dortmunder besser. Gündogan hatte einen rabenschwarzen Tag erwischt.

Aubameyangs Gala-Auftritt kommt gerade recht

Jetzt war Platz für den pfeilschnellen Aubameyang, der nach einem Steilpass von Reus den Augsburger Abwehrspielern enteilte und zum 2:0 traf (66.). Das Spiel war entschieden. Augsburg gab seinen Widerstand auf. Elf Minuten vor Ende tauchte Aubameyang nach einem Zuspiel von Robert Lewandowski wieder alleine vor dem Augsburger Gehäuse auf – und krönte seine starke Leistung mit dem dritten Treffer. Lewandowski setzte vom Elfmeterpunkt mit Tor Nummer vier den Schlusspunkt.

Am Ende war der Sieg also mehr als deutlich. Dass Klopp sich nach dem Schlusspfiff bemühte, Aubameyangs Tor-Show nüchtern einzuordnen, ist verständlich. Dennoch dürfte der Coach innerlich gejubelt haben, dass ausgerechnet einer der Neuen das erste Ausrufezeichen der Saison setzte. Der schmerzliche Weggang von Götze und das Hickhack um Lewandowski haben in den letzten Monaten eine Unruhe entfacht, die sich kein Trainer wünscht. Da kommt ein Gala-Auftritt eines Debütanten gerade recht. Und es deutet sich an, dass der Transfer für 14 Millionen Euro eine große Nummer werden kann.

Ob Aubameyang wieder in der Startelf aufläuft, wenn Blaszczykowski fit ist, wird sich zeigen. Außerdem ist da noch der 25-Millionen Henrikh Mkhitaryan, der nach einem Bänderriss gerade wieder ins Training eingestiegen ist. Mkhitaryan soll dem Offensivspiel noch mehr Kreativität verleihen. Das Spiel in Augsburg hat gezeigt: Dortmund hat zu Saisonbeginn viel Luft nach oben – trotz des Gala-Auftritts von Aubameyang.

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