Allianz Arena Bayern schlägt führungslose Nationalelf


Mit einem rauschendem Fußballfest und dem 4:2-Sieg über die deutsche Nationalmannschaft hat der FC Bayern sein neues Heim in der Allianz Arena bezogen. 66.000 Fans jubelten dem Münchner Rekordmeister zu.

Für die Elf von Jürgen Klinsmann war der Probelauf 374 Tage vor dem WM-Eröffnungsspiel an gleicher Stätte ohne die Akteure des deutschen Meisters und Pokalsiegers kein Ruhmesblatt. 4:2 verlor die DFB-Auswahl gegen den FC Bayern München. Vor 66.000 Zuschauern erzielten Sebastian Deisler (5.), Robert Huth (36.) per Eigentor, Willy Sagnol (74.) und Hasan Salihamidzic (88.) die Treffer für die Münchner, Tim Borowski (51./Foulelfmeter) und Miroslav Klose (86.) trafen für die DFB-Auswahl.

Ohne Mittelfeld-Achse - nur die Hälfte wert

Klinsmann gewann beim ersten von drei Testspielen für den Confederations Cup vor allem die Erkenntnis, dass seine Mannschaft ohne die Mittelfeld-Achse des FC Bayern nur die Hälfte wert ist. Während sich Michael Ballack und Co. drei Tage nach ihrem Pokalsieg selbst ohne die bereits zur WM-Qualifikation in ihre Heimat gereisten Südamerikaner engagiert und spielfreudig präsentierten, war bei der DFB-Elf vom angekündigten "Spaß-Fußball" wenig zu sehen. Das Team spielte lange Zeit ideenlos und kam nur selten über Ansätze hinaus. Pluspunkte im Hinblick auf die Aufgaben in Nordirland und vier Tage später in Mönchengladbach gegen Russland konnten lediglich Patrick Owomoyela und Klose mit ihrem Engagement sammeln.

Lehmanns Spießrutenlauf

Zu einem regelrechten Spießrutenlauf wurde der Auftritt für Jens Lehmann. Der Torhüter des FC Arsenal, der als einziger DFB-Akteur beim Betreten des Rasens mit einem gellenden Pfeifkonzert begrüßt wurde, erwischte einen schwarzen Tag. In der 5. Minute zögerte der offenbar verunsicherte Keeper nach einem langen Ball seines Gegenübers Oliver Kahn mit dem Herauslaufen, so dass Deisler den Querpass von Bastian Schweinsteiger ungehindert ins Tor schieben konnte. Nachdem er sich in der 25. Minute mit einem Rempler gegen Schweinsteiger erneut den Unmut der Bayern-Fans zugezogen hatte, war der 35-Jährige mit einem schwachen Abschlag auch Ausgangspunkt des 2:0. Die folgende Hereingabe von Schweinsteiger lenkte Huth bei seiner verunglückten Abwehraktion ins eigene Tor. Die Auswechslung gegen Timo Hildebrand zur Pause war für den Wahl-Londoner Lehmann eine regelrechte Erlösung.

Fünf Minuten nach Wiederbeginn wurde der eingewechselte Miroslav Klose von Martin Demichelis im Strafraum von den Beinen geholt. Borowski ließ sich die Chance zum Anschlusstor nicht entgehen. Mit Christian Schulz, Per Mertesacker sowie dem erstmals nominierten Schalker Mike Hanke schickte Klinsmann weitere frische Kräfte aufs Feld. Das Bemühen um Schadensbegrenzung misslang jedoch, weil der Mannschaft am Ende auch die Kraft ausging. Mit dem 3:1 setzte Sagnol den Schlusspunkt unter einen hoch verdienten Bayern-Sieg.

Hamman mit Ermüdungsbruch ausgefallen

Am Mittag hatte der Ausfall von Dietmar Hamann den Plänen des Bundestrainers einen Strich durch die Rechnung gemacht. Bei dem Spieler des FC Liverpool wurde ein Ermüdungsbruch im rechten Fuß festgestellt. Der nachnominierte Lauterer Marco Engelhardt traf zwar am Abend aus Mallorca ein, war aber noch nicht einsatzbereit.

Vor der Begegnung, die dem FC Bayern und dem DFB jeweils einen Millionen-Betrag einbrachten, hatte die Party im neuen Stadion mit einer bunten und abwechslungsreichen Show begonnen. Unter dem Motto "Arena der Champions" leitete Entertainer Thomas Gottschalk durch das knapp einstündige Programm, in dem Popsänger Seal und Melodien der legendären Rockgruppe "Queen" die Stimmung anheizten. Abgeschlossen wurde die rund dreistündige Einweihung mit einem großen Feuerwerk.

Empfang der Jahrhundertelf

Begeistert empfangen wurden die von den Fans in die eigene Jahrhundertelf gewählten Bayern-Stars, darunter Sepp Maier, Paul Breitner, Karl-Heinz Rummenigge und Stefan Effenberg. Bei keinem war der Applaus so groß wie bei Franz Beckenbauer und Sturm-Legende Gerd Müller. Bayern-Präsident Beckenbauer oblag es auch, zum symbolischen Anstoß der WM-Arena einen riesigen Fußball-Luftballon ins Tor zu befördern. "Ich habe fast alle Stadien auf dieser Welt gesehen, aber ein so schönes noch nicht", sagte der "Kaiser".

Oliver Hartmann und Klaus Bergmann/DPA DPA

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