Ausrüsterstreit DFB weiter mit Adidas, Rosenkrieg droht


Das DFB-Team wird auch in Zukunft in Adidas-Trikots auflaufen. Zum Unmut des Ligaverbandes schlug der DFB die finanziell lukrativere Nike-Offerte aus. Der Deutschland-Chef des amerikanischen Ausrüsters spricht vom "größten Verlust in der Geschichte des deutschen Fußballs".

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) setzt die Ehe mit seinem langjährigen Ausrüster Adidas fort, dafür droht ein Konflikt mit der Deutschen Fußball Liga (DFL). Ungeachtet der Gegenstimmen der drei Liga-Vertreter hat das zwölfköpfige DFB- Präsidium auf seiner Sitzung am Freitag in Frankfurt am Main beschlossen, die vom Schiedsgericht in einem Vergleich angeregte Vertragsverlängerung mit dem fränkischen Sportartikel-Ausrüster bis 2018 anzunehmen. Über nähere Inhalte soll am Montag bei einer Pressekonferenz in Herzogenaurach informiert werden.

Der amerikanische Ausrüster Nike hatte für acht Jahre von 2011 an insgesamt 500 Millionen Euro geboten. Das Ausschlagen dieses finanziell wesentlich reizvolleren Angebots hat die DFL verstimmt. "Sowohl in Bezug auf die Laufzeit als auch auf Vertragsinhalte bestehen erhebliche Bedenken. Vor allem aber die Tatsache, dass die Liga-Vertreter als Treuhänder den Interessen der 36 Profi-Clubs verpflichtet sein müssen, hat eine Zustimmung unmöglich gemacht", sagte Liga-Präsident Reinhard Rauball.

"Große Verlierer wäre der Fußball"

DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte dagegen schon vor der Sitzung erklärt: "Unter dem Strich schneidet der deutsche Fußball, egal wie wir uns entscheiden, sehr gut ab." Nach dpa-Informationen soll Adidas von 2011 bis Ende 2014 jährlich 20 Millionen Euro an den DFB überweisen und sich zudem an der Finanzierung von 500 bis 1000 Bolzplätzen beteiligen. Im Zeitraum von 2015 bis 2018 soll sich das Engagement auf 25 Millionen Euro per anno erhöhen. Derzeit fließen jährlich 11 Millionen Euro in die DFB-Kasse.

Da der Ligaverband laut Grundlagenvertrag mit 18 Prozent an den Vermarktungserlösen des DFB beteiligt ist, kommt dem Abschluss eines neuen Ausrüstervertrages eine große Bedeutung für die Bundesliga- Clubs zu. Insgesamt nimmt der DFB bis 2018 etwa 300 Millionen Euro weniger ein, damit gehen den 36 Profivereinen über 50 Millionen Euro durch die Lappen. Hubertus Hoyt, Deutschland-Chef von Nike, hatte sein Urteil daher im Vorfeld schon gefällt: "Es wäre auf jeden Fall der größte Verlust in der Geschichte des deutschen Fußballs, egal wie es zu dieser Entscheidung kommt und wer dafür die Verantwortung trägt. Der große Verlierer wäre der Fußball."

Keine Details bekannt

Die drei Liga-Vertreter, neben Rauball noch DFL-Geschäftsführer Christian Seifert und Liga-Vizepräsident Peter Peters, lehnten den Vergleich daher ab. "Angesichts der Tatsache, dass wir extrem kurzfristig Detailinformationen und Unterlagen erhalten haben und darüber hinaus keine Akteneinsicht nehmen konnten, haben wir zusätzliche Schritte zur Klärung der Angelegenheit angeregt", erklärte Rauball.

Was den DFB zur Kehrtwende im Ausrüsterstreit bewogen hat, kann nur vermutet werden. Der Verband hatte das Angebot von Nike selbst öffentlich gemacht und mit einem Wechsel ab 2011 geliebäugelt. Dagegen hatte sich Adidas, das mit dem DFB seit über 50 Jahren verbunden ist, gewehrt. Nach Ansicht des Unternehmens hatte der DFB bereits im Vorjahr die Zusammenarbeit bis 2014 verlängert. Nach heftigen Querelen rief Adidas ein Schiedsgericht an, das in der vergangenen Woche in Stuttgart tagte und den Vergleich empfahl. Über Details hatten beide Seiten nichts mitgeteilt.

DPA/kbe


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